Fischotter; Foto: Astrid Brillen - piclease

Artenhilfsprogramm Botanik

Erhalt der botanischen Vielfalt in Bayern: Das Artenhilfsprogramm Botanik

Sowohl durch weltweite Verträge wie das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (= Convention on Biological Diversity = CBD; Rio de Janeiro 1992) als auch durch die zwischen allen EU-Ressorts abgestimmte "Mitteilung der Kommission: Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 Erhalt der Ökosystemleistungen zum Wohl der Menschen (= Biodiversity Communication 2006)" sind alle Staaten und Regionen aufgefordert, die biologische Vielfalt zu erhalten.

Ein wesentlicher Aspekt zum Erhalt der Vielfalt ist der Schutz von Pflanzenarten, da sie z.B. die mitteleuropäische Kulturlandschaft prägen, manche Arten zentral für die menschliche Ernährung sind, als Medizinpflanze genutzt werden, als natürlich auch für die Fauna von essentieller Bedeutung sind. So gibt es die Faustregel, dass von jeder Pflanzenart rund zehn Tierarten abhängen, da die Pflanze den jeweiligen Lebensraum bildet oder gar die alleinige Nahrungsgrundlage darstellt.

Beispiel eines Endemiten: Böhmischer Enzian (Gentianella bohemica) Bild vergrößern Beispiel eines Endemiten: Böhmischer Enzian (Gentianella bohemica); Foto: Dr. Andreas Zehm

Der besondere Reichtum Bayerns: In Bayern treten für mitteleuropäische Verhältnisse zahlreiche Pflanzenarten auf, die sowohl deutschland- als auch weltweit gesehen ihren Schwerpunkt in Bayern haben.

Während viele dieser Besonderheiten auch in angrenzenden Nachbarländern auftreten (Subendemiten), sind unter den international bedeutsamen Arten auch einige bayerische Endemiten. Dies sind Arten, die nur innerhalb Bayerns - zumeist nur in einem sehr begrenzten Gebiet vorkommen.

Ein Aussterben eines derartigen Endemiten bedeutet unmittelbar den unwiederbringlichen weltweiten Verlust einer Art!

Im Einklang mit der im November 2007 vom Bundeskabinett beschlossenen nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und der bayerischen Biodiversitätsstrategie (2008) hat sich das Artenhilfsprogramm Botanik dem Erhalt der Pflanzenvielfalt Bayerns verschrieben. Es konzentriert sich auf:

  • Bayerische (Sub-)Endemiten
  • Arten mit internationaler Erhaltungsverantwortung
  • Vom Aussterben bedrohte Arten

Um die Populationen der Endemiten und weitere besonders gefährdete Pflanzensippen zu erhalten, wird in Bayern seit 1991 das Artenhilfsprogramm für endemische und stark bedrohte Pflanzenarten durchgeführt (Artenhilfsprogramm Botanik). Koordiniert durch das Bayerische Landesamt für Umwelt werden zusammen mit Unterstützung weiterer Fachbehörden gezielt Projekte zum Schutz und zur Förderung dieser aus Naturschutzsicht herausragenden Arten realisiert. Grundlage sind Wuchsortkartierungen der Bestände, die zentrale Daten erfassen, so beispielsweise Populationsgrößen und Entwicklungstendenzen, abiotische und biotische Standortfaktoren, Nutzungseinflüsse sowie aktuelle und potenzielle Gefährdungen und Beeinträchtigungen. Auf dieser Grundlage werden Schutz-, Erhaltungs- und Entwicklungsziele sowie die im Einzelnen durchzuführenden Maßnahmen festgelegt. In einem begleitenden Bestandsmonitoring werden die Ergebnisse dokumentiert.

Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität

Berücksichtigt wurden bislang mehrere in Bayern endemische Sippen, von denen zahlreiche Populationen zu Beginn des Artenhilfsprogrammes vor dem Erlöschen standen. Weitere rund 200 Arten, Kleinarten oder Unterarten mit über 1.500 Vorkommen sind bei der Kartierung bisher bearbeitet worden.

Der Verlust von Endemiten-Vorkommen, welcher noch bis in die 1980er Jahre auftrat, konnte aktuell gestoppt werden. In einigen Fällen ist eine Stabilisierungen der Bestände festzustellen. So beispielsweise beim Bayerischen Löffelkraut (Cochlearia bavarica) oder der Frühlings-Küchenschelle (Pulsatilla vernalis). Positive Entwicklungen konnten auch für viele stark bedrohte, nicht endemische Arten erreicht werden. Stellvertretend für Arten mit positiven Reaktionen auf Naturschutzmaßnahmen können Zwerg-Birke (Betula nana), Strauch-Birke (Betula humilis), Pyrenäen-Löffelkraut (Cochlearia pyrenaica), Ufer-Hahnenfuß (Ranunculus reptans), die Serpentin-Streifenfarne (z. B. Asplenium cuneifolium) und die Silberscharte (Jurinea cyanoides) genannt werden. Auch die Bestandssituation der Becherglocke (Adenophora liliago) an ihren beiden letzten bundesdeutschen Vorkommen in Niederbayern hat sich stabilisiert, bleibt aber von Hilfsmaßnahmen abhängig.
Allerdings gibt es nach wie vor auch Problemarten. Hierzu zählen das Bodensee-Vergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri), das Dolden-Winterlieb (Chimaphila umbellata) und der Böhmische Enzian (Gentianella bohemica), die nach wie vor in den Beständen abnehmen und akut in Bayern vom Aussterben bedroht sind.

Neben den oben beispielhaft aufgeführten Arten ist zukünftig auch ein verstärktes Engagement für Arten(gruppen) vorgesehen, die sich in Artbildungsprozessen befinden. Beispielhaft sei hier die Gruppe der Mehlbeeren genannt, die sich aktuell im Bereich des Fellhorngebiets in mehrere neue Arten aufspaltet.

Wuchsort seltener Mehlbeerarten am Fellhornkamm Bild vergrößern Wuchsort seltener Mehlbeerarten am Fellhornkamm;
Foto: Dr. Andreas Zehm

Entscheidende Faktoren für einen nachhaltigen Schutz der floristischen Vielfalt in Bayern sind:

  • eine gelingende Integration des Artenschutzes in den Flächenschutz z.B. das FFH-Gebietsmanagement, den Vertragsnaturschutz usw.,
  • eine effektive Prioritätensetzung im Naturschutz bezüglich Arten und Flächen
  • eine effektive, dauerhafte Daten- und Bearbeiterstruktur für das Management der Wuchsorte naturschutzfachlich wertvoller Arten,
  • ein optimaler Schutz der Kernflächen bayerischer floristischer Raritäten
  • eine Ausgestaltung von Förderprogrammen mit denen auch zukünftig Maßnahmen für einzelne Arten umgesetzt werden können,
  • die Vermittlung der Bedeutung des Erhalts der biologischen Vielfalt an die Öffentlichkeit und an Entscheidungsträger.

Literatur und Materialien

Literaturhinweise
Literatur Dokument
Methodischer Leitfaden zur Erfassung von Artvorkommen im Rahmen des Artenhilfsprogramm Botanik.
Die bayerischen Mehlbeeren sind noch unzureichend erforscht. Für wissenschaftlich nutzbare Belege sind einige besondere Regeln zu beachten, die in einer Anleitung zusammengestellt werden.
Die bayerischen Sumpf-Löwenzahn-Arten sind noch unzureichend erforscht. Für wissenschaftlich nutzbare Belege sind einige besondere Regeln zu beachten, die in einer Anleitung zusaammengestellt werden.
Darstellung von Arten, die im Rahmen des Artenhilfsprogramms Botanik bearbeitet werden