F-Gase

Fluorierte Treibhausgase, kurz F-Gase genannt, kommen im Gegensatz zu den Treibhausgasen Kohlendioxid, Methan und Lachgas nicht in der Natur vor. Sie werden künstlich hergestellt und sind heute in verschiedensten Produkten enthalten: zum Beispiel in Gefriertruhen, Klimaanlagen, Feuerlöschern und Dämmstoffen. Ihr Treibhauspotenzial ist etwa 100- bis 23.000-mal so hoch wie das von Kohlendioxid. Auch ihre Verweildauer in der Atmosphäre ist extrem lang.

F-Gase tragen weltweit mit rund zwei Prozent zum Treibhauseffekt bei – etwa so viel wie der internationale Luftverkehr. In Deutschland machten F-Gas-Emissionen laut Umweltbundesamt 2014 etwa 1,6 Prozent der Treibhausgasemissionen aus. Allerdings werden zumindest für einige der F-Gase in den kommenden Jahren steigende Emissionen erwartet.

Künstliche Treibhausgase mit großem Schadenspotenzial

Mehrere Flachbildschirme in einem großen VerkaufsregalBild vergrössern Stickstofftrifluorid ist besonders klimaschädlich. Es entsteht unter anderem bei der Produktion von Flachbildschirmen; Foto: © Pavel Losevsky - Fotolia.com

Zu den F-Gasen zählen die voll halogenierten Fluorkohlenwasserstoffe (FKW, englisch: PFC), die teilhalogenierten Fluorkohlenwasserstoffe (HFKW, englisch: HFC), Schwefelhexafluorid (SF6) und Stickstofftrifluorid (NF3). Sie werden durch Fluorierung, ein Spezialfall der Halogenierung, hergestellt: Bei dieser chemischen Reaktion ersetzt man bestimmte Atome in einer Verbindung durch Fluoratome.

Stickstofftrifluorid wurde 2013 nachträglich als Treibhausgas in das Kyoto-Protokoll aufgenommen. Emissionen verursacht vor allem die Herstellung von Flachbildschirmen und Solarzellen. Das Gas ist 17.200-mal so schädlich wie Kohlendioxid. Laut Umweltbundesamt trug es 2014 allerdings nur zu 0,002 Prozent zu den Gesamtemissionen bei.

Seit den 1990er-Jahren konnten die Emissionen von FKW und SF6 bereits reduziert werden. SF6 wurde unter anderem für die Isolierung von Fenstern genutzt. Da das Gas bei unsachgemäßer Entsorgung vollständig in die Atmosphäre gelangt, ist der Einsatz von SF6 in diesem Bereich in der EU seit 2007 verboten. Durch die Entsorgung alter Fenster und durch den weiteren Einsatz von SF6 in anderen Bereichen werden jedoch nach wie vor Emissionen frei.

Kühlen auf Kosten des Klimas

Die HFKW-Emissionen sind seit 1990 fast kontinuierlich gestiegen. Diese Stoffe wurden damals als Ersatz für die Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) eingeführt, nachdem deren schädliche Wirkung auf die Ozonschicht Schlagzeilen machte. HFKW kommen insbesondere als Kühlmittel zum Einsatz, zum Beispiel in Kälteanlagen für Supermärkte oder in Klimaanlagen. Durch Lecks, unprofessionelle Entsorgung oder Reparaturen können sie in die Atmosphäre entweichen. Sie schädigen zwar nicht die Ozonschicht, wirken aber als Treibhausgase.

Kühlregal in einem Supermarkt mit einem Einkaufswagen im VordergrundBild vergrössern Noch enthalten viele Kühlsysteme Treibhausgase. Der Umstieg auf moderne Technologien schont das Klima; Foto: © flashpics - Fotolia.com

Da Klimageräte weltweit zunehmend gefragt sind, drohen auch die F-Gas-Emissionen weiter zu steigen. Im Oktober 2016 beschloss die internationale Staatengemeinschaft deshalb, die Produktion und Verwendung von F-Gasen deutlich einzuschränken. Die EU hat bereits 2014 entsprechende Regeln festgelegt mit dem Ziel, die F-Gas-Emissionen bis 2030 stufenweise zu reduzieren. Die Regelungen sollen neue Anreize für Betriebe schaffen, auf natürliche und damit klimafreundliche Kühlmittel, wie zum Beispiel Ammoniak und Kohlenwasserstoffe, umzusteigen.

In Bayern zeigen bereits heute zahlreiche Beispiele, wie natürliche Kältemittel erfolgreich in gewerblichen Kälteanlagen eingesetzt werden können.