Themenwochen

Den Auftakt machten die Themenwochen Mobilität vom 12.04. bis 25.04.2021.

Blog: "Nachhaltig mobil – wie sieht das konkret aus?"

Die Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK) beteiligte sich als Partner im Team Energiewende Bayern mit dem Blog "Nachhaltig mobil – wie sieht das konkret aus?" an den Themenwochen Mobilität. Im Zeitraum vom 12.04. bis zum 25.04.2021 veröffentlichte die LENK täglich neue Beiträge, die das Thema „nachhaltige Mobilität“ aus diversen Blickwinkeln betrachteten. Die unterhaltsamen und informativen Texte, die unsere Kolleginnen und Kollegen innerhalb und außerhalb des Landesamtes für Umwelt (LfU) verfasst haben, stehen Ihnen hier auch über den Aktionszeitraum hinaus zur Verfügung.

Die gesammelten Beiträge dieses Blogs wurden von den Autorinnen und Autoren als Privatpersonen verfasst und geben nicht die Position des LfU beziehungsweise der LENK wider. Ebenso wie die Autorinnen und Autoren dieses Blogs können auch Sie sich aktiv einbringen. Jeder kann Mitglied im Team Energiewende Bayern sein und sich für die Energiewende einsetzen. Wir freuen uns auf Sie!

25.04.2021, Dr. Mara Cole, Herr Nicolai Harnisch, Dr. Kord Pannkoke: Mobilität nach Corona: Digital grün und geprägt vom ÖPNV?

Alle drei beteiligten Personen sind bei Bayern Innovativ tätig: Frau Dr. Mara Cole ist Leiterin der ZD.B-Themenplattform Vernetzte Mobilität, Herr Nicolai Harnisch ist Projektmanager beim Zentrum Digitalisierung.Bayern und Herr Dr. Kord Pannkoke ist Leiter Business Development.

Die Coronapandemie hat unseren Alltag und unser Mobilitätsverhalten grundlegend verändert. Hygiene und Sicherheit stehen an erster Stelle unserer Bedürfnisliste. Darauf müssen Mobilitätsdienstleister zeitnah reagieren. Im Bayern-Innovativ-Interview sprechen Dr. Mara Cole und Nicolai Harnisch mit Dr. Kord Pannkoke über die Mobilität von morgen.

Nicolai, was hat sich durch Corona grundsätzlich verändert?

Nicolai Harnisch: "Das Mobilitätsaufkommen hat sich vor allem im Frühjahr 2020 an manchen Tagen im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 60 Prozent verringert. Schaut man sich die Verteilung des Verkehrsaufkommens auf die verschiedenen Verkehrsmittel an, dann sind von dieser Verringerung besonders die Verkehrsmittel betroffen, in denen Social Distancing schwieriger zu befolgen ist und demnach ein höheres Infektionsrisiko befürchtet wird."

Somit kann der ÖPNV als großer Verlierer in der Pandemie bezeichnet werden?

Nicolai Harnisch: "Ja, das kann ich so bestätigen. Grundsätzlich transportiert der ÖPNV eine große Anzahl an Menschen auf sehr engem Raum. Damit fühlen sich unter den gegebenen Bedingungen viele Pendlerinnen und Pendler besonders zu Stoßzeiten unwohl. Hinzu kommt, dass der ÖPNV durch Kurzarbeit, Homeoffice und eingeschränkten Schulbetrieb Abo-Kundinnen und Kunden verliert. Ebenso schmerzhaft ist der Verlust von Privatreisenden aufgrund von Reisebeschränkungen und Grenzschließungen."

Mara, ihr habt eine Roadmap erarbeitet, die eine mögliche Zukunft von Gesellschaft und Mobilitätssystemen skizziert. Was können sich unsere Leserinnen und Leser darunter vorstellen?

Dr. Mara Cole: "Wir haben mit unseren Kollegen aus dem Beratungsfeld Technologie- und Innovationsmanagement das Thema ‚Urbane Mobilität Post Corona in 2030‘ gewählt, da es bei einer Roadmap immer wichtig ist, einen konkreten Zeithorizont zu definieren. Wir haben in der Roadmap zum einen Einflussfaktoren, die unmittelbar mit der Pandemie zusammenhängen, zum Beispiel Themen wie Homeoffice oder auch erhöhtes Hygienebewusstsein, gesammelt. Auf der anderen Seite aber auch Elemente, die die Mobilitätsentwicklung allgemein prägen. Beispielsweise die Lebensqualität im urbanen Raum oder auch eher technisch orientierte Aspekte wie beispielsweise autonomes Fahren."

Ein Thema, bei dem sich die Expertinnen und Experten in unseren Workshops alle einig waren, ist: Wir müssen nach der Pandemie wieder einen stärkeren Fokus auf den öffentlichen Verkehr legen. Denn die durch Corona bedingte Zunahme der Autonutzung ist insbesondere für Ballungsräume ein echtes Problem. Vor allem nach der Pandemie, wenn wir wieder zu normalen Pendelverkehren mit Schule und Arbeit zurückkehren.

Lesen Sie hier das vollständige Interview und laden Sie sich die Studie kostenfrei herunter: Mobilität nach Corona (bayern-innovativ.de)

Mobilität nach Corona

Hören Sie sich das vollständige Interview als Podcast an: Wie verändert Corona die Mobilität von morgen? - Innovation leben - Podcast (podigee.io)

Wie verändert Corona die Mobilität von morgen? - Innovation leben - Podcast

24.04.2021, Michael Korn: Der Hase und der Igel

Michael Korn ist 42 Jahre alt und beruflich als Ingenieur tätig. Er hat sich das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz zum Hobby gemacht und engagiert sich ehrenamtlich in der Initiative "Nachhaltiges Marktoberdorf"

Wenn ich mich mit Kolleginnen und Kollegen über das Pendeln zur Arbeitsstätte mit dem Fahrrad unterhalte, höre ich regelmäßig das Argument: "Mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, dauert mir zu lange, so viel Zeit habe ich nicht." Grund genug, das einmal genauer zu betrachten.

Für meine 25 km lange Strecke zwischen Wohnort und Arbeitsstätte benötige ich mit dem Auto im Schnitt 30 Minuten. Wenn ich mit dem Pedelec fahre, brauche ich für die Fahrt ziemlich genau eine Stunde. Pro Arbeitstag "kostet" mich das Radeln also zwei Stunden meiner Zeit und somit eine Stunde mehr als mit dem Auto. Wo wir aber gerade beim Stichwort "Kosten" sind: Laut dem "VCD-Kostencheck Mobilität" kostet ein Kilometer mit dem Pedelec rund vier Cent und mit einem Mittelklasse-PKW 73 Cent. Für meinen 25 km langen Arbeitsweg bedeutet das also tägliche Kosten von zwei Euro mit dem Pedelec und 36,50 Euro mit dem Auto.

2019 betrug das durchschnittliche Nettomonatseinkommen für eine Vollzeitstelle in Deutschland laut statistischem Bundesamt 2.484 Euro. Das entspricht einem Nettostundenlohn von 15,50 Euro. Folglich muss ein durchschnittlicher Arbeitnehmer pro Tag 2,3 Stunden arbeiten, um die Kosten für eine 25 km lange Arbeitsstrecke mit dem Auto zu finanzieren. Würde er die gleiche Strecke mit dem Pedelec fahren, müsste er nur sechs Minuten dafür arbeiten. Rechnen wir nun diese Zeiten zu den reinen Fahrzeiten dazu, benötige ich mit dem Pedelec 2,1 Stunden und mit dem Auto 3,3 Stunden pro Tag. Das bedeutet, dass ich mit dem Pedelec effektiv über eine Stunde schneller als mit dem Auto bin. Selbst im Vergleich zu einem Kleinwagen (33,7 Cent pro Kilometer) gewinnt das Fahrrad beziehungsweise das Pedelec.

Falls mich in Zukunft also jemand fragt, weshalb ich mit dem Rad zur Arbeit fahre, kann ich nun ganz entspannt antworten: "weil es mir mit dem Auto zu lange dauert".

24.04.2021, Michael Korn: Idee: Modellregion "Autofreies Allgäu"

Michael Korn ist 42 Jahre alt und beruflich als Ingenieur tätig. Er hat sich das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz zum Hobby gemacht und engagiert sich ehrenamtlich in der Initiative "Nachhaltiges Marktoberdorf"

Wir schreiben das Jahr 2032 und das Allgäu feiert sein zehnjähriges Jubiläum "Autofreies Allgäu". Es war ein steiniger Weg bis hierhin, aber es hat sich gelohnt. Im Jahr 2020 wurde das Projekt dank einiger mutiger Politikerinnen und Politiker und engagierter Bürgerinnen und Bürger gestartet, da die Allgäuerinnen und Allgäuer während der Corona-Krise erkannten, dass die Urlaubsregion nur erhalten werden konnte, wenn sich etwas ändern würde. Die Allgäuerinnen und Allgäuer spalteten sich in zwei Lager. Die einen, die vom Tourismus lebten, und die, die sich von den Nebenwirkungen des Tourismus gestört fühlten und Angst wegen der fortschreitenden Umweltzerstörung hatten. Auch die Urlauberinnen und Urlauber selbst klagten über Verkehrslärm und waren enttäuscht, da sie eigentlich Erholung und Ruhe vom Alltag erwartet hatten. Das große Problem: Das Allgäu erstickte am Straßenverkehr, dem Lärm und den Abgasen. Der Radtourismus boomte zwar, aber es gab kaum Radwege im Allgäu, auf denen man sicher und bequem Radfahren konnte. Einen funktionierenden ÖPNV gab es praktisch nicht, dafür waren alle Parkplätze übervoll und die Staus auf den Straßen lang. Man erkannte in diesem Kontext, dass das Allgäu als Urlaubsregion nur eine Chance haben konnte, wenn sich im Verkehrssektor etwas ändern würde.

Die Idee: Eine fahrradfreundliche Verkehrsinfrastruktur nach dem niederländischen Vorbild und ein attraktiver ÖPNV, der einen eigenen PKW überflüssig machte. Das Ganze sollte dabei weitestgehend ohne Verbote ablaufen und hauptsächlich über die Umverteilung der Flächen und Kosten funktionieren. Etliche Nebenstraßen wurden für den Durchgangsverkehr gesperrt und nur noch für Anlieger und Radfahrerinnen und Radfahrer freigegeben. Auf diese Weise sparte man sich den Neubau vieler Radwege. Die Hauptverkehrsstecken wurden mautpflichtig und die Parkplatzgebühren kräftig erhöht, um die hohen Kosten des Individualverkehrs nicht länger auf die Allgemeinheit abzuwälzen, sondern direkt durch die Verursacher zur decken. Im Gegenzug wurde der ÖPNV deutlich ausgebaut und die Preise dafür auf ein attraktives Niveau gesenkt. Aber nicht nur der Personenverkehr unterlag einem Wandel, auch den Schwerlastverkehr gibt es im Allgäu kaum mehr. Entlang der Autobahn und der Bahnstrecken entstanden Warenumschlagplätze, von denen aus der Warenverkehr zu den Geschäften und Endverbrauchern mit Lastenfahrrädern und elektrisch betriebenen Kleintransportern unternommen wird. Auf dem Rückweg zu den Umschlagplätzen werden Waren von den hier produzierenden Firmen mitgenommen. Ein geschlossener Kreislauf, der außerordentlich leistungsfähig und kostengünstig ist.

In den letzten zehn Jahren entwickelte sich das Allgäu auf diese Weise zu einer der attraktivsten Urlaubsregionen in ganz Europa. Aber das Allgäu zieht dadurch nicht nur Urlauberinnen und Urlauber an, sondern gilt auch als eine sehr begehrte Wohngegend. Arbeitsplätze gibt es hier dank Homeoffice und guten Bedingungen für Firmen ausreichend. Günstige Energiepreise durch einen hohen Anteil regenerativer Energieerzeugung, gut ausgebildete Fachkräfte und eine leistungsfähige IT-Infrastruktur bieten vielen Firmen optimale Bedingungen. Heute, im Jahr 2032, kann man kaum mehr glauben, dass man sich vor zehn Jahren freiwillig mit dem Auto in den Stau stellte, um in die Berge zu fahren. Inzwischen ist das Allgäu Vorbild für viele Regionen in Europa, die bisher vergeblich hofften, dass sich die Verkehrsprobleme mit den Elektroautos von selbst lösen würden und die nun auch endlich erkennen, dass es so nicht weitergehen kann. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Rolle der Politik, die es nie zuvor schaffte, die Bürgerinnen und Bürger so sehr für ein solches Mammutprojekt zu begeistern. Dies erreichte man vor allem durch eine intensive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und das Bewusstsein, hier etwas weltweit Einmaliges aufzubauen. Das Projekt hat aber noch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Durch die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger ziehen hier alle an einem Strang, während in anderen Teilen Europas eine immer tiefere Spaltung der Gesellschaft zu beobachten ist.

23.04.2021, Katharina Schipulle: Nein zum Mama-Taxi – denn "in die Schule GEHE ich gern!"

Katharina Schipulle ist Mitarbeiterin im Team Klimaschutz an der Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK). Frau Schipulle hat zwei schulpflichtige Kinder, bei deren Erziehung sie viel Wert auf Naturnähe und Selbständigkeit legt.

Wie überzeugt man Helikopter-Eltern1, dass ihre Kinder nicht mit dem Auto bis direkt vor die Schule gebracht werden müssen? Dass es sogar sicherer für die Kinder ist, zu Fuß zu gehen? Ganz abgesehen vom Klimaschutzaspekt!

Das Erste, was einem auffällt, wenn man sein Kind zu Beginn der ersten Klasse zur Schule begleitet, ist das Großaufgebot an Elterntaxis im Halteverbot vor dem Schultor. Kaum zu glauben, wie viele Kinder zur Schule gebracht werden. Dabei ist der tägliche Schulweg ein wichtiges Erfahrungsfeld für die Kinder: Sie bekommen frische Luft und spüren den Wechsel der Jahreszeiten, sie bewegen sich, bevor sie stundenlang im Klassenzimmer sitzen, sie sammeln Eindrücke und Kontakte und es entstehen Freundschaften.

Da kommt die Aktion "In die Schule GEHE ich gern" vom Bund Naturschutz gerade richtig. Einen Monat nach der Einschulung beziehungsweise nach den Sommerferien, wenn Schule und Schulweg Alltag geworden sind, werden die Schülerinnen und Schüler aufgerufen, zu Fuß in die Schule zu kommen. Als Belohnung winkt den Teilnehmenden, dass sie am Klassenbaum ein Blatt stempeln dürfen. Das Poster des erst kahlen Baumes füllt sich eine Woche lang Tag für Tag mit immer mehr grünen Blättern.

Ich habe bei meiner mittlerweile zehnjährigen Tochter nachgefragt, wie ihr die Aktion in den vier Jahren der Grundschule gefallen hat und was ihr dabei aufgefallen ist.

Marie, wie lief die Aktion denn ab und wer durfte alles mitmachen?

Marie: "Stempeln durften alle, die zu Fuß, mit dem Roller oder dem Fahrrad kamen und auch Natalie, die den Bus nimmt, denn ab der Bushaltestelle läuft sie ja auch. Das Plakat mit dem Baum hing an unserer Klassentür und am Anfang der ersten Stunde wurden mit einem Stempel grüne Blätter an die kahlen Äste gedrückt."

Wie gefiel dir die Aktion?

Marie: "Es macht viel Spaß, die Blätter zu stempeln und man möchte in der Woche möglichst viele Stempel schaffen, darum bin ich einmal auch bei Regen gelaufen, sonst hätte ich ja nicht stempeln dürfen!"

Sind denn andere Kinder, die sonst mit dem Auto gekommen sind, dann in der Woche auch zu Fuß gekommen?

Marie: "Also der Tim, der weiter weg wohnt, hat öfter mal das Rad genommen, statt mit dem Bus zu kommen. Aber Louisa hat mir verraten, dass Ihre Eltern sie einfach nur kurz vor der Schule rauslassen, damit sie die letzten Meter zu Fuß gehen kann."

Und was hat Dir das Projekt gezeigt?

Marie: "Unser Baum war am Ende der Woche viel voller als der Baum der 2b. Also gehen bei uns viel mehr Kinder zu Fuß und das ist gut für die Umwelt! Wir waren sehr stolz darauf, dass sich die Blätter sogar überdeckt haben, so viele Blätter haben wir zusammengesammelt!"

Vielen Dank Marie, dass du uns deine Erlebnisse geschildert hast.

Der Bericht zeigt, dass die Eltern, die ihr Kind aus organisatorischen Gründen oder aus Sicherheitsbedenken zur Schule fahren, das Kind leider auch weiterhin hinbringen werden, statt es selbständig und umweltschonend zur Schule laufen zu lassen. Die Aktion ist aber durchaus dafür geeignet, Kinder zu motivieren, den Weg zu Fuß zu gehen. Das Thema Klimaschutz kann auf anschauliche Weise besprochen werden und die Kinder erfahren, dass man durch kleine Änderungen im Alltag viel bewirken kann!

1 Eltern, die sich stark in das Leben des Kindes einmischen und versuchen, es zu sehr zu kontrollieren. (Definition aus dem Cambridge Advanced Learner's Dictionary & Thesaurus © Cambridge University Press)

22.04.2021, Jörn Dittfurth: Urlaub anders beziehungsweise Freiheit für Elektroautos – sperrt sie nicht in der Stadt ein!

Jörn Dittfurth arbeitet im Hochwasserrisikomanagement am Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU), ist Papa dreier Kinder und unternimmt gerne lange, flugzeugfreie Familien-Touren zu den schönsten Ecken Europas.

Zu Beginn erst einmal eine Klarstellung. Ein Elektroauto hat für mich keinen Auspuff! Sämtliche hybride Antriebstechnologien, die die deutsche "Reichweitenangst" und Elektromobilität vereinen sollen, sind meiner Meinung nach nur faule Kompromisse. Ob das Wasserstoffauto die Lösung ist, lasse ich hier unbeantwortet.

Bei einigen Elektroautos auf dem Markt denkt man nicht mehr zwingend an ein Stadtauto – aber muss so viel Akku und Ladeleistung sein, damit ein Elektroauto endlich ähnlich einem Verbrenner geladen beziehungsweise getankt und damit benutzt werden kann?

Nein – auf alle Fälle nicht als Urlaubsfahrzeug. Das haben wir über vier Jahre hinweg erfolgreich getestet. Mit drei verschiedenen Autos mit einem 41 kWh-Akku und einem Auto mit 28 kWh-Akku sind wir jeweils rund einen Monat unterwegs gewesen. Spätestens nach ein paar Tagen packen wir das Zelt ein, ziehen weiter und sehen und erleben immer wieder etwas Neues.

Laden als Erlebnis

Genau hier wird das Laden sogar zum Pluspunkt. Immer wieder haben wir Ladepausen eingelegt, die sich als richtig schöne Pausen herausstellten – und ohne die dem Urlaub etwas gefehlt hätte. Zugegeben: Für unsere Art von Urlaub eignet sich ein Elektroauto sicher besser als für einen 1.500 Kilometer langen Ritt über Nacht an den Strand, an dem man dann drei Wochen abhängt.

Energieverbrauch

In unserem Urlaubsbummelmodus – gerne auf wenig befahrenen, kleinen Straßen – lag der Energieverbrauch des Autos fast immer in einem Bereich zwischen elf und 14 kWh pro 100 Kilometer. Mit Ladeverlusten ergibt das für meine fünfköpfige Familie nur rund 3 kWh Strom pro 100 Personenkilometer. Da kann meines Wissens weder ein Dieselbus noch ein Elektrozug mit durchschnittlicher Auslastung mithalten. Allerdings sind zumindest Fernzüge schneller am Ziel. Übrigens: 3 kWh entsprechen in etwa dem Energieinhalt von 0,3 Litern Benzin.

Berge und Reisekrankheit

Mit dem Elektroauto sind Passfahrten vor allem für Energiesparerinnen und Energiesparer, Aussichtsgenießerinnen und Aussichtsgenießer und reisekrankheitsanfällige Kinder besonders schön. Bergauf verbraucht man zwar vergleichsweise viel Energie. Bergab lädt das Elektroauto den Akku aber wieder auf. Durch den fehlenden Gangwechsel und das gleichmäßigere Fahren hatten wir seit dem Umstieg auf Elektroautos zudem auch das Problem "Papa, mir ist schlecht!" nicht mehr.

Urlaub immer wieder anders

Im norwegischen Trondheim liehen wir uns nach der Anreise mit dem Zug ein Elektroauto aus. Nach zwei mehrwöchigen Touren mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV) durch Norwegen war es eine neue Erfahrung für uns, Nordskandinavien nun mit dem Auto zu entdecken. Die ÖPNV-Touren waren besser geplant, mit dem Auto lief alles spontaner. Besser war keine der beiden Varianten – mal vom Wetter abgesehen. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile, die Urlaube waren alle toll.

Seit ein Stand-Up-Paddle im Haus ist, muss das auch in den Urlaub im Süden mit. Da war die komplette Anreise mit dem Elektroauto nach Korsika oder zur großen Frankreichrundfahrt dann doch angenehmer – zumal man den Weg nach Korsika mit wunderschönen Tagen in der Schweiz würzen kann und bei einer Tour de France der Weg ja sowieso das Ziel ist.

Übrigens: Die deutsche "Reichweitenangst" ist eine Krankheit, die Fahrerinnen und Fahrer von Verbrennern befällt – wer ein Elektroauto ausprobiert hat, ist bald ziemlich immun dagegen.

22.04.2021, Anonym: Skandinavien ohne Auto – geht das? Mit Kindern??

Die Autorin arbeitet am Ökoenergie-Institut Bayern (ÖIB) am Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU). Um den Klimawandel zu stoppen, hält sie einen gesunden Mix aus erneuerbaren Energien, persönlichen Anstrengungen und gesetzlichen Vorgaben für unverzichtbar. Klimabewusst zu leben und neue Wege zu gehen, kann nämlich auch glücklich machen.

Auf beide Fragen antworte ich mit einem klaren "Ja!"

Wen das Skandinavien-Fieber befallen hat, kennt wahrscheinlich das Gefühl: "Da muss ich unbedingt wieder hin!". Gehört man im Urlaub aber zu der Sorte Mensch, die es nicht lange an einem Platz aushält, verschiebt man diesen Gedanken erstmal nach hinten, wenn sich der Nachwuchs im Familienleben breitmacht. Bei Kind Nummer drei brach das Fieber dann aber wieder mit voller Wucht aus: Elternzeit? Auf nach Norwegen! Ohne Auto? Na klar!

Um es vorwegzunehmen: Es waren unvergessliche Wochen und ein Familienurlaub voller Nähe und Abenteuer.

Der Vorteil am Urlaub mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist, dass er praktisch direkt an der Haltestelle vor der Haustür beginnt. Überlegungen, ob man etwas vergessen hat, kann man sich sparen – es gibt kein Zurück. Die Fahrt inklusive Nachtzug und Überfahrt mit der Fähre kann es mit einem Besuch im Freizeitpark problemlos aufnehmen. Dabei bleibt genügend Zeit, mit den Jüngsten zu spielen und zu kuscheln. Und mit den Großen kann man ausgiebig die Transportmittel erkunden.

Ganz ohne Planung ist ein solcher Urlaub natürlich nicht möglich. Fahrpläne müssen studiert und Abweichungen an Wochenenden und an möglichen Feiertagen beachtet werden. Die Überfahrten mit der Fähre müssen gebucht werden, was übrigens der einzige Moment war, in dem wir ein Auto vermisst haben – bei manchen Pauschalangeboten ist die Überfahrt mit Auto nämlich günstiger als ohne. Außerdem müssen Hütten als Übernachtungsmöglichkeiten auf ihre Erreichbarkeit für Kinderbeine bewertet werden. Einige norwegische Selbstversorger-Berghütten verfügen übrigens über Lebensmittelvorräte, die man per "Kasse des Vertrauens" bezahlt. Das spart Gewicht.

Ein positiver Aspekt am Reisen mit Bus und Bahn ist auch, dass man sich wirklich auf das Nötigste beschränkt. Zwar musste der stabile Buggy einiges an Gepäck aufnehmen, aber Kinder im Alter von vier und sechs Jahren tragen noch nicht viel mehr als ein Kuscheltier und ihre Regensachen – das Elternzeitbaby lässt sich tragen. So reflektierten wir im Urlaub, mit wie wenigen Dingen man den Alltag bestreiten kann und genossen, dass keine Überflüssigkeiten im Weg herumlagen.

Wir fuhren also quer durch Norwegen und blieben an insgesamt vier Orten für eine längere Zeit. Ein kleines Ferienhaus am Hardangerfjord erreichten wir nach einer Zwischenübernachtung in einer Hütte an der Zugstrecke. Für das nächste Zwischenziel bestritten wir unsere längste Zugfahrt: nachmittags ging es los, um 23 Uhr nahmen wir dann den Nachtzug und stiegen am nächsten Morgen in den Bus um. Das Einschlafen klappte mit den Kindern im Zug ebenso gut wie daheim. Eine Hütte in der Nähe von Kristiansund erreichten wir nach einer rund 40-minütigen Wanderung auf einem Fahrweg von der Bushaltestelle aus. Einige Tage später brachen wir zur nächsten Hütte auf und nutzten für die ersten sieben Kilometer erneut den Bus. Dann folgte eine richtige Wanderung, wofür der Kinderwagen an der Straße im Gebüsch blieb. Auch einer der beiden Rucksäcke blieb zunächst zurück, denn der zweite Erwachsenen-Rücken wurde für die Rückentrage samt Baby gebraucht. Wenn man mit Kindern eine solche Berghütte erreicht hat, fühlt man sich sofort heimisch. Der Alltag ohne Strom und innenliegendes Wasser reicht an Abenteuer völlig aus. Wir mussten Wasser holen, kochen, spülen, im Fluss waschen und konnten einmal sogar Brot im Holzofen backen. Dazu steht ja noch die Natur als Abenteuerspielplatz bereit. Übrigens lassen sich Kinder hervorragend zum Wandern motivieren, indem man sagt: "Der Bus fährt in einer Stunde."

Auf dem Weg zum letzten Reiseziel Lysefjord unterbrachen wir die Bus- und Zugreise durch zwei Hüttenübernachtungen nahe der Straße. Die großen Kinder kannten durch ihre Standardsitzplätze in der ersten Reihe sämtliche Handgriffe der Busfahrer und Busfahrerinnen und kommentierten diese freudig. Für Kleinkinder gab es einmal sogar einen in die Rückenlehne des Vordersitzes integrierte Babyschale. Die Hütte selbst war durch einen Fußweg über 200 Höhenmeter mit der Bootsanlegestelle verbunden, die zweimal am Tag (6 Uhr und 14 Uhr) vom Linienboot angefahren wurde. Und dort hatten wir ein Erlebnis, das wohl noch unsere Urenkel zu hören bekommen werden. Was wir nämlich nicht beachteten: Bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln muss man in den Fahrplänen auch das Kleingedruckte hinter den Sternchen lesen. Sonst kann es sein, dass das Boot in 900 Metern Entfernung auf der anderen Fjordseite vorbeifährt, während man am Steg wartet – was uns passierte. Wir schauderten bei dem Gedanken, jetzt wieder zur dunkelsten, ungemütlichsten Hütte, in der wir im gesamten Urlaub waren, hinaufsteigen zu müssen. Und während wir uns fragten, was eigentlich schiefgelaufen war (hinter einem Sternchen am Fahrplan stand: "Bitte bis 12 Uhr anmelden.") und ob uns unsere Kinder das jemals verzeihen würden, fragte eine neugierige Kinderstimme: "Müssen wir jetzt wieder rauf zur dunklen Hütte?" Auf unser zögerliches Nicken hin nahm es seine Schwester bei der Hand und stiefelte gut gelaunt die 200 Höhenmeter zurück zu dem verlassenen Bauernhof. Es wurde noch ein traumhafter Tag. Mit einem Auto wäre uns das jedenfalls nicht passiert.

Die Elternzeit ging schließlich irgendwann zu Ende und wir brachen Richtung Heimat auf. Aber eine Fahrt mit der Fähre über Nacht, ein eintägiger Zwischenaufenthalt in Dänemark, das Feiern des ersten Geburtstages im Bahnhofsgebäude beim Umstieg und der Rest des Tages im Zug waren dann doch nur der gemütliche Ausklang eines wunderbaren Urlaubs. Das Skandinavien-Fieber hat sich in dieser Zeit gut vermehrt – und so waren wir fünf Jahre später wieder dort. Ohne Auto. Mit Zelt.

21.04.2021, Linn Albert: Hommage ans Zugfahren

Linn Albert studiert Geographie und unterstützt seit März 2020 ihre Kolleginnen am Ressourceneffizienz-Zentrum Bayern als Werkstudentin. Die Themen Nachhaltigkeit und nachhaltige Mobilität interessieren sie sowohl im Hinblick auf ihr Studium und ihren Job, als auch privat.

Zugfahrten verbinde ich mit Erlebnissen, Entschleunigung und einer nachhaltigen Möglichkeit, von A nach B zu kommen. Vor Beginn der Coronapandemie konnte ich sogar der Wartezeit am Bahnhof etwas abgewinnen. Man denke nur an die beeindruckende Architektur vieler Bahnhofsgebäude. Auf Bahnfahrten bin ich produktiv, wenn es notwendig ist, oder kann mich mit Dingen beschäftigten, die im Alltag oft zu kurz kommen.

Etwas Tee...

Angefangen hat alles mit meiner Liebe zum Reisen. Ich erinnere mich zu gut an eine dreizehnstündige Nachtzugfahrt von Moskau nach Samara im Rahmen eines Russlandschüleraustausches. Mit drei Mitschülerinnen teilte ich mir damals ein mit rotem Samt, schweren Vorhängen und kunstvoll bestickten Teppichen ausgestattetes Abteil. Wir hatten zwei Hochbetten und einen (nicht funktionierenden) Fernseher. Morgens wurde uns stark gesüßter schwarzer Tee serviert. Bildlich vor Augen habe ich auch Bahnfahrten in der Schweiz (diese Blicke aus dem Fenster sind nur schwer zu toppen!), Nachtzugfahrten von Stuttgart nach Budapest und eine Fahrt in Polen auf unglaublich weichen Polstern.

Die meiste Zeit in der Bahn verbrachte ich trotz vieler Auslandsreisen dennoch in Deutschland. Und das nicht nur wegen zahlreicher Verspätungen – tatsächlich bin ich auch schon früher und in luxuriöseren Zügen, als ursprünglich gebucht, zum Ziel gekommen.

... ein Kartenspiel und neue Sprachen ...

Letztes Jahr im Sommer besuchte ich meine Großeltern an der Ostsee und saß sieben Stunden im ICE. Trotz Maskenpflicht und eines vollbelegten Zuges hatte ich eine gute Zeit, da ich wunderbare Tischnachbarinnen gefunden hatte. Mit einer Mutter und ihren zwei Töchtern spielte ich UNO, las vor, unterhielt mich über die schönsten Orte im Norden Deutschlands und am Ende zeigte mir das ältere der beiden Mädchen ihr selbstgemaltes Bild, auf dem wir vier auf unserer Zugreise zu sehen waren.

Einige Jahre sind hingegen seit einer Fahrt von Passau Richtung Erlangen vergangen. Ich saß mit Freunden neben einer aus Syrien geflüchteten Familie, als uns der Vater in gebrochenem Englisch sehr nett ansprach und fragte, ob wir ihm einige Wörter Deutsch beibringen könnten. Die Fahrt verbrachten wir damit, mit Hilfe von Händen und Füßen, Papier und Stift Deutsch zu lehren und im Gegenzug Arabisch zu lernen.

... ein gutes Buch ...

Auf Bahnfahrten wimmelt es nur so von netten, interessanten und interessierten Menschen, sodass ich hier leider nicht von allen berichten kann. Zusammenfassend habe ich auf diesen Fahrten viel erfahren, Inspiration gefunden und unzählige Eindrücke gesammelt, die ich nicht missen möchte. Auch an Tagen, an denen ich einfach keine Lust auf Kommunikation mit mir Unbekannten habe, fahre ich gerne Zug: Ein früher Termin in der Ferne? Ich kann noch ein bisschen schlafen, mir einen Kaffee holen und mich in Ruhe auf den Termin vorbereiten. Zur Not bietet sich auch die Möglichkeit, noch schnell Make-up und Frisur aufzufrischen. Ewig kein Buch mehr gelesen? Die Zeit vergeht wie im Flug und ich habe mir schon gewünscht, die Zugfahrt würde länger dauern, damit ich weiterlesen kann – ehrlich.

... und schon wird der Weg zum neuen Ziel

Mich wundert es nicht, dass Panoramareisen mit dem Glacier Express oder der Brockenbahn im Harz so beliebt sind – ganz nach dem Motto "der Weg ist das Ziel". Wieso also nicht dieses Reisefeeling etwas mehr in den Alltag einbauen und ganz nebenbei etwas für die Nachhaltigkeit tun?

21.04.2021, Isabell Metschl: Einmal um die Welt

Isabell Metschl ist als Mitarbeiterin in der Kommunikation an der Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK) beschäftigt.

Vorsicht: Dieser Beitrag dokumentiert eine unerwartete Wendung im Leben der Autorin.

Würde man meine Liebsten nach meiner größten Leidenschaft fragen, würde eine Antwort wohl sehr häufig fallen: Reisen. Denn seien wir doch mal ehrlich – es gibt wenig Schöneres, als sich an einem verregneten Sonntagnachmittag inmitten einer weltweiten Pandemie gedanklich an den letzten Urlaubsort zurück zu träumen. In meinem Fall sind das die grellen und lauten Straßen New Yorks voller hektischer Einheimischer und staunender Touristen. Eine meiner größten Leidenschaften ist für mich aber auch ein großes Laster. Wie kann ich in ein Flugzeug an die US-amerikanische Ostküste steigen und zeitgleich den Anspruch an mich haben, nachhaltig und klimafreundlich leben zu wollen? Wie rechtfertigt man das (vor sich selbst)? Ich habe für mich einen Kompromiss – und ich sage bewusst Kompromiss und nicht Lösung – gefunden. Ich versuche, in allen Bereichen des Alltags Emissionen einzusparen und setze dementsprechend auch auf nachhaltige Mobilität in Form meines geliebten Fahrrads oder des ÖPNV. Breche ich dann aus diesem Alltag aus, entscheide ich mich sehr bewusst für ein Urlaubsziel und greife bei Flugreisen ausschließlich auf Anbieter zurück, bei denen man den entstandenen CO2-Ausstoß durch eine Preiserhöhung kompensieren kann. Vor Ort versuche ich dann, meine Emissionen weiterhin so gering als möglich zu halten und schlicht jede Minute zu genießen. Bei meiner angesprochenen Reise nach New York Anfang 2020 sah das dann so aus: Ich buche mein Ticket über eine bekannte Airline und kann wählen, auf welche Zeitspanne mein Flug kompensiert werden soll. Je schneller die Kompensation, desto teurer das Ticket. Ich entscheide mich für fünf Jahre und zahle insgesamt 250 Euro Aufschlag. Das mag im ersten Moment viel klingen. Ich finde aber, dass ich den Mehrpreis in Kauf nehmen muss, wenn ich mir einen Transatlantikflug leisten will und kann. Wochen später fahre ich mit dem Zug zum Flughafen nach München. In den USA angekommen, verzichte ich auf ein eigentlich zeit- und nervensparendes Taxi und schleppe meinen (nicht ganz leichten) Koffer zur nächsten U-Bahn-Station, wo ich das besondere Flair der Metropole viel intensiver spüre, als das in besagtem Taxi je der Fall wäre. Während meiner Woche in den Staaten habe ich ein Zimmer in einem Green Hotel, lege sämtliche Strecken zu Fuß oder mit den Öffentlichen zurück, meide große Fast-Food-Ketten und mache das Beste aus meiner Zeit. Natürlich kompensiert mein Kompromiss meine Flugreise bei Weitem nicht. Er reduziert meinen Fußabdruck aber zumindest ein wenig und hilft mir dabei, mein Bewusstsein für (nachhaltige) Mobilität und die schönen Momente des Lebens zu schärfen.

So weit, so gut. Ich bin mit meinem Beitrag für den Blog eigentlich zufrieden und schicke ihn mit der Bitte an einen Kollegen, ihn gegenzulesen. Kurze Zeit später telefonieren wir und er schlägt mir vor, den CO2-Rechner für Bürgerinnen und Bürger des Umweltbundesamtes zu integrieren, um die Gewichtung von Flugreisen hinsichtlich der CO2-Emissionen zu verdeutlichen. Also folgt ein scheinbar längst überfälliger Selbsttest, dessen Ergebnis meiner Reiseleidenschaft einen ziemlichen Dämpfer verpasst. Mein Flug nach New York steigerte meine CO2-Bilanz im letzten Jahr um wahnsinnige 26 Prozent! Mir war natürlich bewusst, dass Flugreisen und vor allem Langstreckenflüge – milde ausgedrückt – nicht gerade geringe Auswirkungen haben. Mit dieser ernüchternden Zahl vor Augen erhalten sie für mich aber eine neue Dimension. Mein Kompromiss fühlt sich auch nicht länger nach einem Kompromiss an. Stattdessen stellt sich mir jetzt die Frage: Muss ich wirklich einmal um die Welt?

Hier geht’s zum CO2-Rechner für Bürgerinnen und Bürger des Umweltbundesamtes:

Meine CO2-Bilanz

20.04.2021, Frau Guttenberger: Fahrradfreundliche Kommunen

Frau Guttenberger ist Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V. (AGFK Bayern). Das Interview führte Tanja Jenter als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK).

Im Blog-Interview steht Frau Guttenberger zum Thema fahrradfreundliche Kommune Rede und Antwort.

Frau Guttenberg, was ist die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V.?

Frau Guttenberg: "Die Die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V. Bayern ist ein Netzwerk bayerischer Kommunen, die eine umweltfreundliche Nahmobilität, insbesondere in Form des Radverkehrs, fördern möchten.

AGFK Bayern

Der Verein wurde 2012 von 38 Gründungskommunen mit der Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung gegründet. Die AGFK Bayern möchte ihre Mitglieder zu ersten Schritten auf dem Weg zu einer fahrradfreundlichen Kommune ermutigen und setzt dabei stark auf Austausch, Vernetzung und Weiterbildung. Grundsätzlich fördert und unterstützt die AGFK Bayern ihre Mitglieder in den vier Säulen der Radverkehrsförderung: Öffentlichkeitsarbeit, Information, Service und Infrastruktur. Zudem vertritt sie die Interessen der Kommunen gegenüber Bund, Land und anderen Dritten."

Was will die AGFK in Bayern erreichen?

Frau Guttenberg: "Ein wesentliches Anliegen der AGFK Bayern ist es, dass der Radverkehr auf allen Ebenen als Baustein einer nachhaltigen Mobilität mitgedacht wird – sowohl in der Verwaltung, als auch in der Politik. Übergeordnete Ziele des Vereins sind hierbei:

  • Mehr Infrastruktur für den Radverkehr
  • Mehr Radkultur – das Fahrrad soll als alltägliches Verkehrsmittel wahrgenommen werden
  • Mehr Verkehrssicherheit für den Radverkehr
  • Die Steigerung des Radverkehrsanteils im Modal Split"

Was ist die Motivation der teilnehmenden Kommunen?

Frau Guttenberg: "Eine AGFK-Bayern-Mitgliedschaft ist ein klares und starkes politisches Bekenntnis hinsichtlich einer klimaneutraleren Verkehrsabwicklung. Kommunen, die Mitglied in der AGFK Bayern werden, setzen sich zum Ziel, die Auszeichnung als "Fahrradfreundliche Kommune in Bayern" zu erhalten. Die Auszeichnung signalisiert nicht nur eine fahrradfreundliche Atmosphäre, sondern zeugt zugleich von einer gewissen Lebensqualität vor Ort und erhöht dessen Attraktivität für Bürgerschaft und Unternehmen.

Zudem müssen Mitgliedskommunen "das Rad nicht neu erfinden" – der auf die Radverkehrsförderung fokussierte Erfahrungsaustausch unterstützt die Kommunen in vielen Bereichen. So können beispielsweise politische Entscheidungen für den Ausbau des Radverkehrsanteils als Netzwerksmitglied in der AGFK Bayern ein anderes Gewicht erhalten und mit Verweis auf Beispiele und Erfahrungen aus anderen Mitgliedskommunen einfacher begründet werden."

Wie viele Kommunen sind Mitglied bei der AGFK und wie viele sind bereits zertifiziert?

Frau Guttenberg: "Die AGFK Bayern wurde 2012 von 38 Kommunen gegründet. Inzwischen sind 83 Städte, Gemeinden und Landkreise Mitglieder im Verein – rund die Hälfte der bayerischen Bevölkerung lebt in Mitgliedskommunen der AGFK Bayern. 34 Kommunen haben vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr bereits die Auszeichnung als "Fahrradfreundliche Kommune in Bayern" erhalten. Die Zertifizierung hat eine Gültigkeit von sieben Jahren, dann findet eine Nachzertifizierung statt. Als erste Kommune wurde 2021 die Stadt Nürnberg rezertifiziert."

Was sind aktuelle Themen, die die AGFK vorantreibt und beschäftigt?

Frau Guttenberg: "2017 veröffentlichte der Freistaat Bayern das Radverkehrsprogramm 2025. Ziel ist es, dass der Radverkehrsanteil in Bayern bis 2025 von derzeit rund elf Prozent auf 20 Prozent erhöht wird. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen noch einige Hürden überwunden werden. Gemeinsam mit den Mitgliedskommunen hat die AGFK Bayern einen Forderungskatalog erarbeitet, der wesentliche Punkte in Bezug auf die Erhöhung des Radverkehrsanteils nennt. Hierzu zählen beispielsweise die Schaffung von sicheren Fahrradabstellanlagen, eine Kampagne für den Radverkehr in Bayern oder eine Informationsstelle für Fördermittel – aber auch die schnelle Realisierung von Radschnellverbindungen. Für diese kommunalen Anliegen setzt sich die AGFK Bayern beim Freistaat ein."

In welchen Bereichen haben bayerische Kommunen das größte Verbesserungspotenzial?

Frau Guttenberg: "Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich Radfahrerinnen und Radfahrer häufig unsicher fühlen. Großes Verbesserungspotenzial besteht deshalb insbesondere in der Schaffung einer sicheren und durchgängigen Infrastruktur für den Radverkehr. Wichtige Themen sind aber auch Kontrollen von Falschparkern auf Radwegen, die Führung des Radverkehrs an Baustellen, die Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf den Radverkehr abgestimmte Ampelschaltungen.

Insgesamt zeigt sich allerdings, dass sich immer mehr Kommunen der Radverkehrsförderung annehmen und Fortschritte erkennbar sind."

Gibt es eine lustige Anekdote von einer Hauptbereisung? 😀

Frau Guttenberg: "Um sich ein Bild von der Radverkehrsförderung in den Mitgliedskommunen zu machen, finden Bereisungen mit dem Fahrrad vor Ort statt. Geradelt wird bei jedem Wetter – egal ob bei Sonnenschein, Regen, Hagel oder Sturm. Bislang hat das schlechte Wetter auch die Stadtspitzen noch nicht von einer Teilnahme an den Bereisungen abgehalten. Vielmehr zeigt sich die Kreativität mancher Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, so wurden beispielsweise bereits Sattelschoner als Regenhauben verwendet – frei nach dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung."

19.04.2021, Sebastian Dörner: Stadt – Land – Bus

Sebastian Dörner ist begeisterter Hochfranke im Hofer Land. Er ist am Bayerischen Landesamt für Umwelt im Referat 12 für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Warum fahren Busse auf dem Land meist leer durch die Gegend?

Ich wohne in einem sehr kleinen Dorf im Landkreis Hof. Das ist schön. Das ist gut. Meiner Arbeit gehe ich am bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) in Hof in Bayern ganz oben nach. Das ist hervorragend und dafür klingelt der Wecker auch schon gegen 05:45 Uhr.

Täglich gibt es zwei Busverbindungen in die Stadt Hof. Eine in der Früh, sehr früh, und eine weitere spät nachmittags. Stadtauswärts werden zwei Busverbindungen am Nachmittag angeboten. In der Früh fahren zwei, manchmal drei Fahrgäste mit. Am späten Nachmittag bin ich der Einzige. Sind die Schulen offen, fahren etwas mehr Fahrgäste mit. Besagte Schulen sind auch der Grund, weswegen überhaupt Busse eingesetzt werden. In diesem Fall sind es Busse mit etwa 50 Sitzplätzen.

Das ökologische Dilemma

Man sagt, dass der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß bei einer Busfahrt im Vergleich zu einer PKW-Fahrt auf der gleichen Strecke geringer ausfällt. Das ist richtig – sofern der Bus eine hohe Auslastung mit vielen Fahrgästen hat. Hat der Bus aber sehr wenige oder keine Fahrgäste, ist der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß absurd hoch. Logisch. Ein Bus, der leer gefahren wird, ist dann ein sehr, sehr großer PKW mit entsprechendem Ausstoß und dem alleinigen Sinn, das Angebot einer Personenbeförderung vorzuhalten. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen. Hier muss sich etwas ändern.

A.L.T. und die Suchmaschine

Ergänzend zum eingangs beschriebenen Fahrplan fahren im Auftrag des Landkreises Hof sogenannte Anruf-Linien-Taxis (A.L.T.). Das sind keine Taxis für alte Menschen. Vielmehr sind sie dazu gedacht, die Angebotslücken zwischen den Busfahrzeiten zu füllen. Im Zwei-Stunden-Takt hat der Fahrgast die Möglichkeit, spätestens 40 Minuten vor Fahrtbeginn, das A.L.T. für eine Fahrt im Landkreis Hof auf vorgegebener Linie zu buchen.

Diese Information findet sich an jeder Haltestelle und in den gedruckten Fahrplanheften. Online ist das nicht zu finden. Auf den Websites von Bayern-Fahrplan oder der Deutschen Bahn sucht man danach vergeblich. Deswegen kann eine Suchmaschine auch keine sinnvolle Auskunft geben. Das ist natürlich ein Problem. Was im Internet nicht richtig angeboten wird, kann auch nur begrenzt nachgefragt werden. Der Bus wird nicht voller.

Der Ausweg: das HO-RA – HOfer RufAuto zu jeder Stunde

Mal abgesehen davon, dass sich die Landkreise und die kreisfreien Städte am Rande Oberfrankens endlich dem Verkehrsgroßraum Nürnberg (VGN) anschließen müssen, wäre das HO-RA – mit diesem Begriff als Autokennzeichen – als Lösung im Gesamtangebot der Personenbeförderung eine Idee.

An jedem Tag, zu jeder Stunde (lat. hora) besteht die Möglichkeit, in die Stadt hinein- und aus der Stadt herauszufahren. Dafür wird die Fahrt per Telefon, App oder Messenger vom Fahrgast angekündigt und zentral erfasst. Entsprechend der Anzahl der Anfragen wird ein geeignetes Fahrzeug bereitgestellt. Im Idealfall fährt kein großer, leerer Bus mehr, sondern ein gut ausgelastetes Auto oder ein passender Kleinbus.

Der Hofer LandBus

Fahrten zu bündeln und gleichzeitig örtlich und zeitlich flexibel bleiben. Das ist das Ziel. Hier kommt ein einzigartiges Pilotprojekt nicht nur für ganz Bayern ins Spiel. Im Landkreis Hof, in der Gegend um Rehau und Regnitzlosau, fährt der Hofer LandBus. Ein Algorithmus bündelt die eingehenden Anfragen. Der Bus fährt ohne Fahrplan etwa 180 (!) Haltestellen zwischen 6:00 Uhr und 23:00 Uhr an. Nach Bedarf. Eine individuell optimierte Route. Ein Preis. Ein ausgelastetes Fahrzeug. Das ist toll. Darauf kann man aufbauen.

Der Hofer LandBus findet sich unter:

Hofer LandBus

Hofer Landbus wird auf den Landkreis ausgeweitet

18.04.2021, Melanie Glötzl: Mit dem Auto bis in den Waldkindergarten

Melanie Glötzl ist Mitarbeiterin an der Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK). Ihre Themenschwerpunkte sind die Erfinderecke, Post-EEG, KWK und Solarthermie.

Waldkindergärten sind eine tolle Sache, davon bin ich überzeugt. Meist gibt es einen gut erreichbaren Sammelpunkt und dann gehen die Kinder zusammen mit den Erzieherinnen und Erziehern los.

Über Stock und Stein

Mein Sohn hat also einen Morgenspaziergang und viel Bewegung an der frischen Luft – wenn er mal angekommen ist. Wenn es pressiert hat, bin ich auch schon mit meinem Auto über den Waldweg bis fast zur Waldhütte gefahren, etwa, weil ich meinen Sohn kurzfristig abholen musste. Möglich ist das jetzt, weil die Wege teilweise verbreitert, geschottert und geteert wurden. Wo früher eine schöne Lichtung war, sieht es jetzt fast aus wie im Tagebau. Sicherlich wird sich das wieder etwas einwachsen, aber ich war doch schockiert über die Auswirkungen, die unser Waldkindergarten auf den Wald hat.

Andere Wege finden?

Durch meinen Job neige ich freilich dazu, meinen PKW-Konsum besonders kritisch zu hinterfragen. Natürlich versuche ich immer, die Fahrten zu verbinden, mit dem Weg in die Arbeit, einem Einkauf etc. Nur, was müsste anders sein, damit ich das Auto stehen lasse? Wir wohnen in einem kleinstädtisch bis ländlich geprägten Raum. Der Kindergarten ist sechs Kilometer von unserem Wohnort entfernt. Es gäbe sogar einen nähergelegenen, der wäre theoretisch zu Fuß zu erreichen – man müsste nur eine Umgehungsstraße überqueren, leider ohne Fußgängerübergang. Die Gegend bei uns ist zudem noch recht bergig, was für Kinder das Radfahren nicht einfacher macht. Ich empfinde es als sehr stressig, mit kleinen Kindern zu radeln. Wir haben definitiv zu wenig Radwege, die oftmals auch einfach nur Markierungen auf der Fahrbahn sind. Bei Kindergartenausflügen wurde uns Eltern schon öfter ans Herz gelegt, Fahrgemeinschaften zu bilden – da stellte sich dann schnell heraus, dass meistens die Autos mit zwei Kindern und den Eltern bereits voll sind. Tatsächlich wäre die Nutzung des ÖPNV das Einzige, was ich mir vorstellen könnte. Kurzer Fußweg zur Bushaltestelle, einsteigen, aussteigen, kurzer Fußweg zum Kindergarten. Das klingt verlockend. Die Bus-Linien wären sogar vorhanden, es hapert aber an der Frequenz. Wenn nur einmal in der Stunde der Bus fährt, ist für mich der Druck groß, morgens zügig aus dem Haus zu kommen und meine Kinder anzutreiben. Da geht der Familienfrieden vor und das Elterntaxi fährt eben erst los, wenn alle fertig sind.

Immerhin standen wir neulich – mit Abstand natürlich – in einer kleinen Gruppe auf dem Kindergarten-Parkplatz um ein neues E-Auto herum. Und ich sehe immer mehr davon auf dem Parkplatz. Wir selbst warten noch auf unseres, bestellt haben wir es bereits vor über einem halben Jahr! Mein Beitrag zur nachhaltigen Mobilität auf dem Weg in den Kindergarten besteht vorerst also darin, auf umweltschonendere Antriebe zu setzen.

17.04.2021, Florian Kauke: Öffentliche Verkehrsmittel sind der Hit!

Florian Kauke ist 19 Jahre alt und macht ein Freiwilliges Ökologisches Jahr am LfU. Er ist im Referat 12 für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit tätig und unterstützt seine Kollegen derzeit bei verschiedenen Planungen.

Ich bin heute einfach mal so frech und erzähle Ihnen von meiner Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU). Gut, das mag jetzt anfangs etwas langweilig klingen, aber öffentliche Verkehrsmittel sind der Hit. Das ist wie Fernsehen. Du siehst die Natur und eine Vielzahl an Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Man kann in Gedanken schwelgen oder Leute beobachten. Jeden Tag steigen neue Menschen ein und aus. Es ist wie eine Wundertüte.

Bus:

Ich stehe immer gegen 5:30 Uhr auf und mache mich erstmal fertig. Um 6:30 Uhr fährt dann auch schon mein Bus Richtung Bahnhof. Im Bus mache ich eigentlich immer das gleiche: Ich schaue meine aktuelle Serie weiter. Dadurch vergeht die Zeit zum Bahnhof wie im Flug.

Zug:

Am Bahnhof warte ich dann rund acht Minuten auf den Zug. Das gibt mir immer die Möglichkeit, zu analysieren, wo ich einsteigen muss, um definitiv einen Sitzplatz zu bekommen. Interessant ist hierbei, dass jeden Tag unterschiedlich viele Leute in Dasing einsteigen. Das heißt, ich bin auf meine analytischen Fähigkeiten angewiesen. Damit steht und fällt nämlich meine weitere Planung. Muss ich stehen, dann ist Musik hören und aus dem Fenster schauen angesagt. Bekomme ich aber einen Sitzplatz, dürfen Sie dreimal raten, was ich mache. Genau! Meine Serie weiterschauen. An manchen Tagen habe ich das Glück, dass ein guter Freund von mir zusteigt. Ist das der Fall, reden wir ein bisschen über Gott und die Welt. Leider ist unsere Zeit auf nur sechs Minuten begrenzt, aber das stört uns nicht weiter.

Straßenbahn:

In Haunstetten steige ich dann aus und mache mich auf den Weg zur Straßenbahnhaltestelle. Seit Kurzem fahren die Straßenbahnen nach einem anderen Fahrplan. Das heißt, ich weiß nie, welche Straßenbahn ich nehmen kann. Ich habe nämlich den Luxus, mit zwei verschieden Linien an mein Ziel zu kommen. Wenn dann endlich die Entscheidung feststeht, mit welcher ich fahre, geht es wieder zur Sitzplatzanalyse. Aber daran scheitere ich meistens. Ich bin nämlich ein Dorfkind und habe deshalb bis vor zwei Monaten noch nie eine Straßenbahn betreten. Das, was mich immer wieder erstaunt, ist die Tatsache, dass die Straßenbahn entweder immer sehr voll oder sehr leer ist. Ein Stadtphänomen. Eigentlich ist ein Sitzplatz nicht wichtig, da ich immer Musik höre und mich am öffentlichen WLAN bediene. Er dient nur der Bequemlichkeit, denn ich mag es einfach nicht, in der Straßenbahn zu stehen, weil sie so wahnsinnig beschleunigt! Holla die Waldfee! Nach Abfahrt geht es dann relativ gemütlich zu. Ich beantworte ein paar Nachrichten und zeige meinen Freunden, dass ich gerade auf dem Weg in die Arbeit bin. Nach zehn Minuten bin ich dann auch schon an der Haltestelle, an der ich aussteigen muss. Dann trennen mich nur noch 500 Meter von meinem Arbeitsplatz. Und Zack, bin ich da. Pünktlich um 7:30 Uhr. Der Arbeitstag kann beginnen.

16.04.2021, Andreas Auberger: Das Ticket von Tür zu Tür: Einmal alles in einem bitte.

Andreas Auberger arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK) daran, dass erfolgreich ein nachhaltiges Energiesystem in Bayern umgesetzt wird.

Ein ganz normaler Samstag im Februar zu Coronazeiten: Das Wetter ist mausgrau, wir wollen – wie alle anderen auch – spazieren gehen. Um endlich wieder etwas anderes als den eigenen Stadtteil zu sehen, soll es an einen der Flüsse in der Region gehen. Die Route ist schnell gefunden, einmal durch die Altstadt vor Ort, über die eisige Kälte jammern und wieder nach Hause. Die Anreise dorthin gestaltet sich jedoch etwas komplizierter.

Die Crux mit dem Ticketkauf

Variante 1 über die App des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV): Über meine RVV-Streifenkarte sind es sechs Streifen (macht 5,40 €) vom Hauptbahnhof in Regensburg zur ersten Zwischenstation. Die restliche Fahrt bis zum Zielort fällt unter einen anderen Verkehrsverbund. Ich muss auf deren Internetseite schauen, der RVV liefert keine Informationen. Dazu in dem heruntergeladenen PDF die befahrenen Waben gezählt: Das dortige Tagesticket für 5,00 € ist am sinnvollsten.

Variante 2 über die App der Deutschen Bahn (DB): Über die DB-App geschaut, sind es mit meiner BahnCard 50 4,00 €. Das ist aber wieder nur ein Teilstreckenpreis bis zur Zwischenstation. Die restliche Strecke ist, wie auch beim RVV, nicht eingeschlossen und die DB hat auch keine Infos über den Verkehrsverbund.

Meine Wunschliste für den öffentlichen Personenverkehr

Das ist alles nicht schlimm, aber doch irgendwie umständlich und setzt voraus, dass ich als Nutzer über die Anbieter Bescheid weiß, die Muse habe, mich in die Tarifsysteme einzulesen und mir kein Auto als einfache, unkomplizierte Alternative zur Verfügung steht (oder ich keines haben möchte). Zwar ist das Beispiel eines unter vielen, soll aber Bus und Bahn nicht verteufeln. Ganz im Gegenteil, denn ich fahre sehr gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln und führe "PKW-frei" seit 15 Jahren eine intensive und glückliche Beziehung mit meiner BahnCard.

Ich finde, der ÖPNV könnte noch viel mehr als heute. Für die Zukunft eines erfolgreichen öffentlichen Personenverkehrs würde ich mir deshalb wünschen,

  • ...dass die Nutzung des ÖPNV übersichtlich und leicht zugänglich ist.
  • ...dass mehr Menschen den öffentlichen Personenverkehr als bequem, einfach und sicher empfinden.
  • ... dass eine überregionale Abstimmung der Anbieter erfolgt, um kundenorientierte Leistungen anbieten zu können, die nicht an der eigenen Verbundsgrenze enden.
  • ...dass der öffentliche Personenverkehr auch ökonomisch eine ernsthafte Konkurrenz für den motorisierten Individualverkehr ist.

Ich wünsche mir so etwas wie ein Von-Tür-zu-Tür-Ticket für den öffentlichen Personenverkehr. Ein Ticket, das meine Busfahrt zum Bahnhof beinhaltet, den Zug einschließt und mein Fahrrad im Bikesharing am Zielort, falls kein Bus mehr fahren sollte.

Veränderungen im Sektor Verkehr sind notwendig

Schließlich besteht Handlungsbedarf, denn die Zielgröße ist für den Verkehrssektor im Klimaschutzgesetz mit 95 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente bis 2030 festgeschrieben. Bisher ist der Beitrag des Verkehrssektors in der Einsparung aber recht überschaubar: Die Emissionen von 164 Millionen Tonnen aus 1990 sind bis 2019 nur um eine Million Tonnen gesunken. Es ist noch einiges zu tun und nachhaltige Optionen sollten – neben der Vermeidung von Verkehr – die erste Wahl sein. Nicht nur aus einer ideellen Motivation heraus.

15.04.2021, Evamaria Burkart: Mit dem Rad zur Arbeit – aber klar!

Evamaria Burkart ist seit 1999 am LfW/LfU im Gewässerschutz tätig, engagiert sich im Vorstand der LfU-Sportgemeinschaft und versucht sich als naturnahe Gartengestalterin.

Mit dem Rad zur Arbeit – Ehrensache für LfU-Mitarbeitende. Oder nicht?

Seit über 20 Jahren heißt es von Mai bis August: "Mit dem Rad zur Arbeit". In der Mitmachaktion wird dazu aufgerufen, den Weg zur Arbeit zum persönlichen Fitnessprogramm zu machen und nebenher eine Menge CO2 einzusparen.

Für mich ist das Fahrrad das gängige Transportmittel für den Arbeitsweg – Sommer wie Winter. Lieber bei Sonnenschein, aber auch bei Schmuddelwetter. Das Mitmachen bei "Mit dem Rad zur Arbeit" läuft quasi nebenbei. Die Koordination für das Team "Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU)" habe ich 2012 gerne übernommen.

Seit Anfang der 2000er Jahre radelt das LfU "Mit dem Rad zur Arbeit". In der Summe schaffen wir es regelmäßig einmal um die Erde (rund 40.000 km). In manchen Jahren kratzen wir an der doppelten Umrundung. Jeder geradelte Kilometer, für den wir das Auto stehen lassen, vermeidet CO2 – das weiß jeder. Für mich ist das Radeln Ehrensache.

Und wenn mir das Wetter doch mal zu schlecht ist oder andere Gründe für vier statt für zwei Räder sprechen, steige ich auf meinen kleinen E-Flitzer um. Dann düse ich elektrisch durch Augsburg. Den Strom tanke ich zuhause über unsere Photovoltaikanlage – vom Dach direkt in die Batterie. Eine runde Sache nach meinem Geschmack. Die Batterie hält schon im neunten Jahr ohne nennenswerte Verschleißerscheinungen. Die Reichweite und die Höchstgeschwindigkeit sind im Stadtgebiet vollkommen ausreichend. Das Fahrerlebnis macht richtig viel Spaß.

Trotzdem bleibt meine erste Wahl das Rad. Das Strampeln macht mich morgens wach und schafft nach Dienstschluss den nötigen Abstand zur Arbeit. Darauf freue ich mich, wenn die durch Corona erzwungene Arbeit in den eigenen vier Wänden ein Ende hat. Vielleicht passend zum diesjährigen Start von "Mit dem Rad zur Arbeit" am 01. Mai? Das wäre schön. Und wenn eingefleischte Autofahrerinnen und Autofahrer die Aktion für den Einstieg zum Umstieg aufs Rad nutzen, um versäumte Bewegungsfreiheit nachzuholen – umso schöner! Die Gewinnchancen auf attraktive Preise beim Erreichen des Ziels von 20 geradelten Tagen sind ein netter Nebeneffekt. Wertvoller sind die Auswirkungen auf die eigene Gesundheit und unsere Umwelt. Aber klar!

Der Link zur Mitmachaktion:

Mit dem Rad zur Arbeit

14.04.2021, Gestatten, Wanderausstellung

Wie man hört, hört man nur Power

Na schau mal an, beim letzten Transport schepperte und vibrierte die ganze Ladefläche. Irgendwo zog sogar Dieselabgas rein – auch nicht gerade gesund. Aber diesmal ist alles schön leise und ruhig. Sogar die Radiomusik im Führerhaus kommt klasse rüber. Das muss wohl einer dieser neuen Elektrolaster sein. Nur gut, dass wir hier hinten sicher arretiert sind. Denn so ein E-Laster hat richtig Power und drückt mächtig direkt aus dem Stand, ganz ohne Aufheulen des Motors – echt angenehm. Kein Wunder, dass meine Besucherinnen und Besucher manchmal sagen: "Einmal E-Auto, nie mehr Verbrenner!". Aber vielleicht sollte ich mich und meine Kollegen erst einmal vorstellen. Gestatten, wir acht sind die Wanderausstellung der Kompetenzstelle Elektromobilität Bayern und sind gerade auf dem Weg zu unserem nächsten Ausstellungsort.

Smalltalk mit Tiefgang

Bin gespannt, wo wir diesmal landen. Wir waren schon in Rathäusern, Behörden, Schulen, Einkaufszentren, in einer Sparkasse, in einem Schwimmbad, im einem ritterlichen Kellergewölbe und sogar im Bayerischen Wirtschaftsministerium. Dort, wo man sich auch mal in Ruhe mit Elektromobilität beschäftigen kann. Natürlich sind unsere Poster auch für den Laien verständlich und unsere Aktivmodule bieten einen spielerischen Zugang zum Drehen, Ziehen und Drücken. Dennoch sind die Inhalte schon gehaltvoll, fast so wie Smalltalk mit technischem Tiefgang. Wir wollen ja nichts verkaufen oder manipulieren, wir wollen lieber informieren und sensibilisieren. Wer weiß schon, dass es um 1900 mehr E-Autos als Verbrenner gab, dass der Bayerische Ladeatlas einen umfassenden Überblick über öffentliche Ladesäulen bietet, dass E-Autos wegen den niedrigen Betriebskosten in der Gesamtbetrachtung meist wirtschaftlicher sind oder dass man an allen wichtigen Fernverkehrsstraßen bereits durchgehend Schnelllader findet. Nehmen wir einfach mal den Kollegen "Ladetechnik”, der mit seiner gläsernen Ladesäule die wichtigsten Komponenten – Datenanbindung, Thermomanagement, Autorisierung, Stromzähler, Schutzeinrichtung, Frei-Belegt-Signal, Lastmanagement – erklärt. Er hat deutlich mehr Power und Intelligenz als eine normale Haushaltssteckdose, fast so wie Arnold Schwarzenegger und Albert Einstein in einer Person... äh... Ladesäule.

Mut gegen Mythen

Wir sind jetzt seit über acht Jahren pausenlos unterwegs. Ich würde schon schätzen, dass wir mindestens 50.000 Menschen erreichen konnten. Interessanterweise beantworten wir immer wieder die gleichen Fragen:

  • "Nein, die Lichter werden nicht ausgehen. Strom haben wir genug. Bei der Leistung müssen wir etwas aufpassen, gerade im Verteilnetz. Aber schon heute wird eigentlich nichts mehr ohne ein sinnvolles Lastmanagement aufgebaut, damit die Stromnetze Ruhe finden."
  • "Ja, die Antriebsbatterien halten ein ganzes Autoleben. Und am Ende sind sie eben kein Sondermüll, sondern arbeiten noch 10 bis 20 Jahre in stationären Speichern, die wir dringend brauchen werden. Erst dann wird der Recycler kommen und über 90 Prozent der wertvollen Substanzen wiederaufbereiten."
  • "Auch die Ökobilanz von E-Autos ist deutlich besser als von Verbrennern, sogar im deutschen Strommix. Natürlich braucht die Batterieproduktion viel Energie. Das ist aber trotzdem deutlich besser als die gesamte Treibstoffkette, vom Bohrloch über Transport und Raffinierung bis hin zur Verbrennung im Zylinder. Der bis zu 200.000 km CO2-Nachteil eines E-Autos ist nachweislich eine "Zeitungsente", hält sich aber erstaunlich hartnäckig in den Köpfen."
  • "Natürlich müssen wir auch über Rohstoffe für die Batterien reden. Aber wer weiß schon, dass heute das meiste Lithium nachhaltig aus Australien und nicht mehr aus Chile kommt, dass 60 Prozent des weltweiten Kobalt-Abbaus nichts mit Elektromobilität zu tun hat oder dass die kommenden Batterie-Generationen weitgehend auf problematische Substanzen verzichten werden. Ein sozialverträglicher und fairer Rohstoffabbau sollte uns alle angehen. Aber hier nur auf das E-Auto zu zeigen, löst das Problem einfach nicht."
  • "Und dann haben wir ganz aktuell die angebliche Brandgefahr. Natürlich können Batterien brennen, nach den einschlägigen Untersuchungen brennen aber Diesel und Benziner bis zu zwanzigmal häufiger. Versicherungen und Automobilverbände sehen hier kein Problem. Auch die Feuerwehren haben das bereits getestet, sind vorbereitet und löschen ein E-Auto, wie jedes andere Fahrzeug auch, einfach mit Wasser."

Wir wissen als einfache Wanderausstellung auch nicht, woher diese vielen Fehlinformationen kommen. Lässt sich das medial gut verkaufen, ist das Unwissenheit oder sucht man nach neuen Gründen, um doch noch mit gutem Gewissen Diesel fahren zu können? Manchmal würden wir uns bei unseren Gästen etwas mehr Mut wünschen, um solche allgegenwärtigen Mythen einfach mal zu hinterfragen.

Alles neu macht der Mai

Wenn ich so zurückdenke, was wir uns schon alles anhören mussten und wie oft wir immer die gleichen Fragen beantwortet haben, dann werde ich fast ein bisschen trübsinnig. Aber ich bin ja auch schon alt und gehe bald in Rente. Ja tatsächlich, unsere Tage sind gezählt, die Nachfolge-Ausstellung ist schon in der Entwicklung und soll noch vor der Sommerpause auf Tour gehen, vielleicht schon ab Juni 2021. Wir konnten mal einen Blick riskieren – wirklich schön, alles neu, ganz anderes Konzept, viel näher am Alltag, der Mensch im Mittelpunkt, viel weniger trockene Technik wie bei uns. Da haben die Macher echt viel von unseren Erfahrungen der letzten Jahre gelernt. Ich wünsche der neuen Ausstellung auf jeden Fall genauso viel Erfolg, Resonanz, interessierte Gäste und spannende Diskussionen wie das bei uns der Fall war. Denn wir werden den E-Antrieb auf der Straße zwingend und zügig brauchen, um unsere Mobilität sinnvoll zu dekarbonisieren. Dazu muss Elektromobilität aber von den Menschen akzeptiert und gewollt werden. Nur mit Vorschriften und Verboten wird es nicht gehen. Dafür stehen wir mit unseren Inhalten. Aber wenn ich mir den wachsenden E-Fahrzeugbestand und die vielen neuen Ladesäulen anschaue, dann mache ich mir da keine Sorgen.

13.04.2021, Matthias Häußler: Fahrt ins (Grün-)Blaue

Matthias Häußler fördert als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Klimazentrum des Bayerischen Landesamtes für Umwelt die klimagerechte Gestaltung unserer Städte. In seiner Freizeit findet er viel Spaß an Klettern und Bergsteigen, steht den Umweltauswirkungen der hierfür notwendigen Anreise aber zunehmend kritisch gegenüber.

Ich schätze mich glücklich, Arbeits- und Wohnort in derselben Stadt zu haben. Augsburg ist auf der einen Seite die drittgrößte Stadt Bayerns und offiziell eine Metropole, auf der anderen Seite aber kompakt genug, um als gesunder Mensch alle Strecken mit dem Rad zurücklegen zu können. So fahre auch ich mit dem Rad zur Arbeit, was zunächst nachhaltig klingt, aber dadurch aufgehoben wird, dass mein Hobby nun einmal Bergsport ist – und die Berge nicht sonderlich gut mit dem Rad zu akzeptablen Uhrzeiten zu erreichen sind. In die (Mittel-)Gebirge fahre ich dann stattdessen mit einem Campingbus. Sanfter Tourismus an der frischen Luft. Dennoch nicht sonderlich nachhaltig.

Solche Gedanken machen sich viele. Die Vermeidung von Treibhausgasemissionen ist die vermutlich größte Herausforderung unserer Zeit. Hier möchte ich die Gedanken aber nun in eine andere Richtung lenken: Nicht nur die Bemühungen, das Klima zu schützen, verändern unsere Mobilität, sondern auch die Folgen des Klimawandels – und das schon heute!

Zurück zu meinem Arbeitsweg. Wie könnte sich der Klimawandel hier zukünftig auswirken?

Möglicherweise schaffe ich den Arbeitsweg im Hochsommer nicht mehr, ohne mich zuvor mit einer Flasche Wasser auszustatten. Definitiv aber benötige ich häufiger als bisher ein neues Hemd – egal wie früh ich morgens starte. Möglicherweise muss ich häufiger einen Umweg einlegen, da beide Unterführungen auf meinem Arbeitsweg nach Starkregenereignissen überflutet sind. Definitiv aber muss ich mein Rad insgesamt seltener mit Schutzblechen ausstatten. Möglicherweise kann ich zu wichtigen Anlässen nicht wie bisher auf die Straßenbahn zurückgreifen, da sich hitzebedingt häufiger Schienen aus dem Gleisbett wölben. Definitiv werde ich auch öfter meine Reifen flicken müssen, da Schlaglöcher zunehmen werden.

Die langfristige Strategie gegen die Folgen des Klimawandels ist der Klimaschutz. In Gänze verhindern können wir den Klimawandel aber schon lange nicht mehr. Dieser Zug ist – zumindest ohne verfügbare Klimaanlage – bereits abgefahren. Es gilt nun, Verkehrswege so zu gestalten, dass der klimatisierte, vor Sturm und Starkregen sicherere Individualverkehr nicht die einzige Option bleibt, um sich sicher fortzubewegen. Die blau-grüne Infrastruktur der Stadt leistet hierbei den wichtigsten Beitrag. Bäume bieten Schatten und Verdunstungskälte, Grünflächen sind Sickerflächen. Schützen wir nachhaltige Mobilität also mit grünen Alleen – nicht nur die Radfahrerinnen und Radfahrer werden hiervon profitieren!

12.04.2021, Stephan Leitschuh: Klimafreundliches Fitnessstudio

Stephan Leitschuh arbeitet am Ökoenergie-Institut Bayern (ÖIB) am Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) und setzt sich für eine umweltfreundliche Energiewende ein. Das Energiesparen und die Energieeffizienz liegen ihm dabei besonders am Herzen.

Privat prüfe ich mit der ganzen Familie unser Verhalten immer wieder auf Klimaneutralität hin. Bei der Mobilität versuchen wir, neue Wege zu gehen und Schritt für Schritt Verbesserungen zu erreichen.

Nachhaltige Mobilität ist für mich eine Art der Fortbewegung, die möglichst wenig CO2-Emissionen produziert. Schon seit meiner Jugend ist das Fahrrad Hauptverkehrsmittel im Alltag. Die kurzen Wege in der Stadt und zur Arbeit sind mit dem Fahrrad leicht zu bewältigen. Damit habe ich gleich meine tägliche Bewegung in den Alltag integriert. Häufig dauert eine Erledigung mit dem Fahrrad nicht länger als mit dem Auto – und wenn, dann geht die Zeit ganz nebenbei auf das "Konto" Sport und Fitness.

Auch unsere Kinder machen aktiv mit. Als Kindergartenkinder sind sie schon im Fahrradanhänger mitgefahren und als Jugendliche fahren sie ganz selbstverständlich mit dem Rad zur Schule und nach Augsburg, beispielsweise zu Klimaschutzaktivitäten bei Fridays for Future.

Seit zwei Jahren erprobe ich mit meiner Familie das Carsharing. Darüber konnten wir schon einige Erfahrungen mit Elektroautos sammeln. Seit September 2020 testen wir nun ein Leben ohne eigenes Auto. Bislang klappt es gut und wir erleben ganz neue Perspektiven: Eine gute Freundin meiner Frau hat ihr vor Kurzem wieder einmal angeboten, dass wir ihr Auto ausleihen könnten, wenn wir dringend eines benötigen sollten.

Ich bin überzeugt: Meinen wir es mit der Klimaneutralität ernst, müssen wir die Emissionen des motorisierten Individualverkehrs massiv senken. Ein Stopp des Verbrennungsmotors ist unausweichlich, neue Mobilitätskonzepte mit viel Radverkehr und ÖPNV müssen befördert werden. Und schließlich müssen wir den nicht vermeidbaren Kraftfahrzeugverkehr auf Elektro umstellen.

Die Corona-Krise zeigt uns, dass Veränderungen auch Chancen bieten – mehr Mut zur Veränderung tut uns und der Erde gut.

Mein Tipp: Einfach mal eine andere Form der Mobilität ausprobieren. Es macht sicherlich Spaß und gibt ein gutes Gefühl – für den Körper, den Geist und das Klima.

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