Grenz-, Richt- und Leitwerte zu PFOA

Für Grund-, Trink- und Oberflächengewässer gibt es für per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) keine gesetzlichen Grenzwerte z.B. im Rahmen der Trinkwasserverordnung, lediglich in der Düngemittelverordnung ist mit 100 µg/kg Trockenmasse für die Summe aus PFOS und PFOA ein Grenzwert festgelegt. Für die häufigsten Verbindungen PFOA und PFOS wurden dennoch aufgrund ihrer toxikologischen Eigenschaften Richtwerte für die verschiedenen Umweltmedien vorgeschlagen (s.u.). Zur Definition von Grenz- und Richtwerten sowie anderen Kennwerten verweisen wir auf nachstehende Publikation des Umweltbundesamtes.

Für PFOA im Trinkwasser hat die Trinkwasserkommission am Umweltbundesamt im Zuge einer Neubewertung zum 20.09.2016 den bisherigen gesundheitlichen Leitwert von 0,3 µg/l (Summe aus PFOA und PFOS) auf einen Leitwert von 0,1 µg/l (jeweils für die Einzelsubstanzen PFOA und PFOS) abgesenkt, der die bei lebenslanger Aufnahme gesundheitlich duldbare Konzentration angibt. Der Leitwert gilt unter Berücksichtigung der lebenslangen Aufnahme von täglich zwei Litern Trinkwasser und auch für besonders empfindliche Personen wie Säuglinge und Schwangere. Er wird auch für die Beurteilung von Grundwasser herangezogen.

In Zusammenarbeit mit der norwegischen Klima- und Umweltschutzbehörde (Klif) verfasste das deutsche Umweltbundesamt (UBA) 2012 außerdem einen Antrag, um PFOA in die Kandidatenliste der europäischen Chemikalienagentur (ECHA) für das im Chemikalienrecht neue Zulassungsverfahren aufzunehmen. Da PFOA persistent, giftig und fortpflanzungsgefährdend ist, soll es als sogenannter "besonders besorgniserregender Stoff" ("substance of very high concern", SVHC) klassifiziert und mittelfristig vom Markt genommen werden. Ein Anhang XV-Dossier, als erstem Schritt im Zulassungsverfahren, liegt der ECHA seit dem 4. Februar 2013 vor. Dies gilt auch für den Stoff APFO (Ammoniumpentadecafluoroctanoat), der die gleichen Eigenschaften aufweist.

Aktuell in Bayern geltende Richtwerte zur Beurteilung von PFOA (Stand Dezember 2016)

Grundwasser

  • 0,1 µg/l als Leitwert für die lebenslang duldbare Aufnahme über das Trinkwasser
  • 0,1 µg/l als Geringfügigkeitsschwelle (abgeleitet aus der Bewertung der Trinkwasserkommission

Ab diesen Werten muss geprüft werden, ob und in welchem Umfang ggf. weitere Maßnahmen erforderlich sind.

Oberflächengewässer

Für die Bewertung von Oberflächengewässern (Schutz der aquatischen Lebensgemeinschaft) werden die PNECaquatisch-Werte herangezogen (PNEC = Predicted No Effect Concentration, Konzentration bei der nach derzeitigem Kenntnisstand keine nachteiligen Effekte auf Gewässerorganismen auftreten).

  • PNECaquatisch für PFOA: 570 µg/l

Dabei ist zu beachten, dass PNECaquatisch-Werte nur für mögliche Beeinträchtigungen aquatischer Lebensgemeinschaften herangezogen werden können, die oft sehr unterschiedlich reagieren. Der deutlich niedrigere Wert für das Trinkwasser beruht auf einem völlig anderen Wirkungsmechanismus beim Menschen gegenüber aquatischen Organismen.

Abwasser

Für die Einleitung PFOA-haltiger Abwässer in Gewässer enthält die Abwasserverordnung, abgesehen von allgemeinen einzuhaltenden Mindestanforderungen und Summenparametern, keine konkreten stoffspezifischen Konzentrationswerte. Gemäß § 57 Abs. 1 Nr. 2 Wasserhaushaltsgesetz sind bei Abwassereinleitungen jedoch auch die Anforderungen an Gewässereigenschaften einzuhalten. Deshalb ist der PFOA-Eintrag soweit zu begrenzen, dass die prognostizierten PFOA-Konzentrationen im Gewässer nach Durchmischung mit dem Abwasser keine Beeinträchtigung der aquatischen Lebensgemeinschaft besorgen lassen, d.h. unterhalb der o.g. PNECaquatisch liegen (Immissionsbetrachtung). Dabei ist nicht nur die Einleitung, sondern ggf. auch eine PFOA-Vorbelastung des Gewässers zu berücksichtigen. Ferner sind im Falle einer möglichen Beeinträchtigung des Grundwassers (z.B. bei erheblicher Infiltration von Oberflächenwasser ins Grundwasser) oder einer Trinkwassernutzung (z.B. bei Verwendung von Uferfiltrat) bei der Begrenzung des PFOA-Eintrags in Oberflächengewässer auch die vorläufigen Schwellenwerte für das Grundwasser zu berücksichtigen.