FAQ: Deponien (DK I und II)

Entsorgung asbestfreier Faserzementprodukte

Diese FAQ basiert teilweise auf den Ausführungen des Steckbriefes 25.7 der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg "Asbestfreie Faserzementprodukte", Karlsruhe 07_2017 (abgerufen am 08.05.2020).

Was ist Faserzement?

Verbundwerkstoffe, die aus Zement und Fasern hergestellt werden. Heute werden als Ersatz für die früher verwendeten Asbestfasern Polyvinylalkohol (PVA), Zellstofffasern und andere Fasern zur Erhöhung der Zugfestigkeit eingesetzt.

Wo fallen asbestfreie Faserzementprodukte an?

Sie fallen beim Rückbau von neueren Dächern, Fassaden, oder im Innenraum an. Ebenfalls entstehen sie in Folge neuer Baumethoden im Schneidwerk oder auf der Baustelle. Durch das Konfigurieren fallen im Werk und an der Baustelle um die 25 % Verschnitt an. Zudem sind neuere Pflanzgefäße oder neuere Lüftungsrohre zu nennen.

Wie ist die Abgrenzung asbestfreier/asbesthaltiger Faserzement?

Faserzement-Bauteile können mit "NT" (Neue Technologie), "AF" (asbestfrei) oder "c" (clean) gekennzeichnet sein, wenn sie asbestfrei sind. Tipp: Ein Prägestempel ist mit Kreide oder Bleistift besser lesbar. Da die Verwendung von Asbest Ende 1993 verboten wurde, kann von Produkten ab 1995 meist von einer Asbestfreiheit ausgegangen werden. Die Produktionsumstellung ab Werk erfolgte bereits 1991. Kennzeichnung oder Baujahr sind entsprechend nachzuweisen, ansonsten sind Analysen vorzulegen.

Wie ist die Zusammensetzung?

Faserzementprodukte beinhalten neben Luft grob folgende Hauptbestandteile (Angaben in Vol.-%):

  • 40 % Zement
  • 10 % Fasern
  • 11 % Kalksteinmehl
  • 12 % Wasser.

Welche Parameter nach Deponieverordnung (DepV) können relevant sein?

Nach den uns vorliegenden Informationen ist mit folgenden Parametern zu rechnen, die Zuordnungswerte (Z) – meist für DK 0 – überschreiten könnten:

Parameter, die Zuordnungswerte – meist für DK 0 – überschreiten könnten
Parameter Schwankungs-
breite
Mittel Z DK 0 Z DK I Z DK II
Glühverlust % TS 1 - 21 6 3 3 5
TOC % TS 2 - 7 4 1 1 3
KW-Index mg/kg 190 - 500 400 500
DOC mg/l 1) 7 - 250 50 80 80
Cr ges. mg/l 0,003 - 0,012 0,008 0,05 0,3 1
Ges. gel. Feststoffe mg/kg 720 - 2.000 1.360 400 3.000 6.000

1) Es ist ausreichend, wenn der Zuordnungswert für den Parameter DOC nicht bei seinem eigenen pH-Wert, sondern beim pH-Wert 7,5 – 8,0 eingehalten wird (FN 9 Tab. 2 Anh. 3 DepV).

Faserzementplatten können zudem Farb- bzw. Kunststoffbeschichtungen aufweisen. Darauf ist im Rahmen der grundlegenden Charakterisierung (gC) stets mit einzugehen.

Welcher Abfallschlüssel gilt/kann verwendet werden?

Für asbestfreie Faserzementprodukte können folgende Abfallschlüssel verwendet werden. Die Einstufung nach AVV erfolgt vom Abfallerzeuger ggf. in Zusammenarbeit mit der Erzeugerbehörde (Landkreis oder Stadt).

Abfallschlüssel
Abfallschlüssel Beschreibung
10 13 11 Abfälle aus der Herstellung anderer Verbundstoffe auf Zementbasis mit Ausnahme derjenigen, die unter 10 13 09 und 10 13 10 fallen
17 01 07 Gemische aus Beton, Ziegeln, Fliesen und Keramik mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 01 06 fallen
17 09 04 gemischte Bau- und Abbruchabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 09 01, 17 09 02 und 17 09 03 fallen.

Welche Untersuchungen sind für die grundlegende Charakterisierung (gC) vorzulegen?

Zur Ablagerung auf Deponien der Klassen DK I oder DK II sind in der Regel keine analytischen Untersuchungen notwendig, wenn keine Erkenntnisse über sonstige Verunreinigungen vorliegen. Es wird erwartet, dass die Zuordnungswerte der Parameter nach Tabelle 2, Anhang 3 DepV mit Ausnahme des TOC-Gehaltes sicher eingehalten werden.

Für den Entsorgungsweg DK-0-Deponie, sind der TOC und der Gesamtgehalt der gelösten Feststoffe zu bestimmen und zu prüfen.

Das Formblatt des LfU zur grundlegenden Charakterisierung (gC) ist entsprechend auszufüllen.

Wo können sie entsorgt werden?

Die Möglichkeit der Verwertung (inkl. der Rücknahme durch den Hersteller/Händler/Verarbeiter) ist stets zu prüfen und einer Beseitigung auf Deponien vorzuziehen.

Wenn eine Verwertung nicht möglich ist (in der gC darzulegen), kann die Beseitigung auf einer Deponie ab Deponieklasse 0 erfolgen. Sehr hohe Organikgehalte sind auf einer Deponie ab DK I umweltverträglicher zu "handhaben", insbesondere, wenn noch eine Gaserfassung vorhanden ist. Gegebenenfalls ist die Zustimmung der Bezirksregierung einzuholen.

Deponierecht

Wie sind die Fußnoten 2 (Glühverlust/TOC) u. 12 (Chlorid, Sulfat/Gesamtgehalt an gelösten Feststoffen) der Tab. 2 Anh. 3 DepV bezüglich der Aussage "kann gleichwertig zu…" in der Praxis anzuwenden?

Fußnote 2) Nummer 1.01 (Glühverlust) kann gleichwertig zu Nummer 1.02 (TOC) angewandt werden.

Die Fußnotenregelung kann alternativ verwendet werden, d.h. wenn entweder GV oder TOC die Zuordnungswerte der Tabelle 2 einhält, kann der Parameter vernachlässigt werden, der den Wert überschreitet. Keiner der beiden Parameter wird als "höherwertig" eingestuft.
Aus fachlicher Sicht, kann auch nur einer der Parameter untersucht werden. Hier bietet sich eher der TOC-Wert an, da beim Glühverlust Kristallwassereinschlüsse manchmal zu erhöhten Werten führen.

Fußnote 12) Nummer 3.20 (Gesamtgehalt an gelösten Feststoffen) kann, außer in den Fällen gemäß Spalte 9 (Rekultivierungsschicht), gleichwertig zu den Nummern 3.11 (Chlorid) und 3.12 (Sulfat) angewandt werden.

Analog zu Glühverlust und TOC, kann die Gleichwertigkeit auch bei den Parametern Chlorid, Sulfat und Gesamtgehalt an gelösten Stoffen in "beide Richtungen" angewendet werden.

In begründeten Fällen können aus fachlicher Sicht alle Parameter gefordert werden.

Entsorgung asbesthaltiger Leichtbauplatten ("Isoternit", "Promabest")

Eingebaute Leichtbauplatte von der Seite, weißBild vergrössernLeichtbauplatte eingebaut

Wo wurden diese Platten eingesetzt und welche Bezeichnungen haben sie?

Es handelt sich um selbstragende Leichtbauplatten, die im baulichen Wärme-, Brand und Schimmelschutz an Wänden oder als Lüftungskanäle eingesetzt wurden. Sie bestehen aus Siliziumdioxid, Kalziumoxid, Wasserglas und Zellulose, der allgemeine Begriff ist "Calcium-Silikat-Platte".

"Promabest" war ein Markenname der Fa. Promat GmbH. Die asbesthaltige

"Promabest-H" Brandschutzbauplatte wurde bis 1982 hergestellt.

Unter Markennamen wie zum Beispiel "Isoternit 850" (bis 1983), "Glasal" (bis 1991), oder "Internit" (bis 1990) stellte die Fa. Eternit AG asbesthaltige Leichtbauplatten her.

In der ehemaligen DDR waren asbesthaltige Leichtbauplatten unter den Namen "MFK Sokalit", "Neptunit" und "Baufatherm" bekannt.

Weitere Informationen über die Asbesthaltigkeit sind auf den Seiten des Verbands der Faserzementindustrie zusammengefasst.

Gibt es auch asbestfreie Platten?

Ja, siehe Jahreszahlen in der vorherigen Antwort. In Deutschland wurde die Verwendung asbesthaltiger Leichtbauplatten ab 01.04.1994 verboten.

Welche Eigenschaften haben die Platten?

Sie eignen sich als Brandschutzverkleidung, sind schimmelhemmend und wärmedämmend. Die Rohdichte beträgt um die 800 kg/m3. Der Asbestanteil beträgt ca. 15 Gew.-%. Es handelt sich um schwach gebundenen Asbest.

Unter welchen AVV-Schlüsseln sind sie einzustufen?

Im Allgemeinen sind die folgenden Schlüssel zu verwenden.

Tabelle mit Übersicht über AVV-Schlüssel
AVV-Schlüssel Bezeichnung nach AVV Erläuterung
17 06 01* Dämmmaterial, das Asbest enthält Wenn die Platten zur Dämmung (Hitzeschutz) verwendet wurden mit Hinweis "schwach gebunden"
17 06 04 Dämmmaterial mit Ausnahme desjenigen, das unter 17 06 01 und 17 06 03 fällt Wenn die Platten zur Dämmung (Hitzeschutz) verwendet wurden wenn asbestfrei
17 06 05* asbesthaltige Baustoffe Als Abtrennung, zur Verkleidung oder als Untergrund zum Streichen oder Tapezieren mit Hinweis "schwach gebunden"
17 09 04 Gemischte Bau und Abbruchabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 09 01, 17 09 02 und 17 09 03 fallen Als Abtrennung, zur Verkleidung oder als Untergrund zum Streichen oder Tapezieren wenn asbestfrei

Mit welchen Gehalten ist zu rechnen?

Tabelle mit den möglichen Gehalten an TOC, GV und DOC und DK I/II Zuordnungswerten
Parameter Schwankungsbreite Zuordnungswert DK I Zuordnungswert DK II
TOC / Gew.-% 0,4 – 0,8 1 3
GV / Gew.-% 9 – 33 3 5
DOC / mg/l 5 – 400 50 80

Welche Untersuchungen sind für die grundlegende Charakterisierung (gC) vorzulegen?

Wenn die Asbesthaltigkeit durch eine Analyse nachgewiesen oder plausibel belegt ist (dies ist auch durch den Rückbau-Gutachter nach Aufdruck, Alter oder Einsatzort möglich), ist die Bestimmung der Parameter TOC, DOC, der gelösten Feststoffe sowie Chlorid und Sulfat (vgl. Anh. 3 Nr. 2 Tab. 2 DepV) notwendig. Weitere nutzungsbedingte Kontaminationen dürfen nicht vorliegen.

Das Formblatt des LfU zur grundlegenden Charakterisierung ist entsprechend auszufüllen.

Wo werden die Leichtbauplatten entsorgt?

Die Ablagerung erfolgt in aller Regel auf DK-II-Deponien. Wenn dies wegen des Schadstoffgehaltes nicht möglich ist, ist der Abfall auf einer DK-III- oder einer Unter-Tage-Deponie (UTD, DK IV) zu entsorgen. DK-IV-Deponien gibt es nur außerhalb Bayerns.

Die Entsorgung Unter Tage ist nach unseren Erkenntnissen die Ausnahme.

Überlassungspflichten an die entsorgungspflichtige Körperschaft oder GSB sind zu beachten.

Sind Überschreitungen von Zuordnungswerten möglich?

Für die Parameter Glühverlust oder TOC sind gemäß Anh. 3 Nr. 2 Satz 11 DepV mit Zustimmung der zuständigen Behörde (Bezirksregierung) unter den dort aufgeführten Kriterien Überschreitungen der Zuordnungswerte möglich.

Nach Zustimmung der zuständigen Behörde können asbesthaltige Abfälle, auch bei Überschreitung einzelner – insbesondere organischer – Zuordnungswerte, auf einer DK-II-Deponie abgelagert werden (Abtrennung der Fasern nicht möglich, kein anderes Entsorgungsverfahren, siehe § 6 Abs. 6 Satz 2 Nr. 1 DepV).

Weitere Voraussetzung bei allen Zustimmungsverfahren ist, dass in jedem Einzelfall entschieden werden muss und das Wohl der Allgemeinheit nachweislich nicht beeinträchtigt werden darf.

Wie sind die Platten auf der Deponie anzuliefern?

In den Platten liegt Asbest schwach gebunden vor. Daher sind sie in staubdichte, nach der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) bauartzugelassene Kunststoffgewebesäcke (Big-Bags, Platten-Big-Bags) für schwach gebundene asbesthaltige Abfälle, nach Behandlung mit Zement oder Restfaserbindemittel, zu verpacken. Der Deponiebetreiber ist vor der Anlieferung zu informieren.

Muss ich gefährliche Abfälle der GSB überlassen?

Wenn die entsorgungspflichtige Körperschaft den als gefährlich eingestuften Abfall aus anderen Herkunftsbereichen als privaten Haushaltungen in ihrer Abfallwirtschaftssatzung ausgeschlossen hat, wird dieser grundsätzlich überlassungspflichtig an die GSB (vgl. Abschnitt IV Nr. 5.2 der Anlage zur AbfPV).

Mineralfaserplatten

Sind Mineralfaserplatten mit KMF mit den „normalen“ KMF-Dämmmaterialien (wie Glaswolle oder Steinwolle) zu vergleichen?

Nein, Mineralfaserplatten wurden und werden als Decken- oder Wandbauplatten in Gebäuden zur Schall-, Brand- oder Wärmeschutzdämmung eingesetzt und haben eine andere Zusammensetzung als die o.g. Wollen.

Da für ihre Herstellung neben KMF und anorganischen Füllstoffen auch organikhaltige Bindemittel eingesetzt werden, unterscheiden sie sich in ihren Abfalleigenschaften deutlich von den anderen KMF-Dämmmaterialien.

Gemäß AVV sind Mineralfaserplatten mit gefährlichen KMF wie gefährliche KMF-Dämmmaterialien unter Abfallschlüssel 17 06 03* (anderes Dämmmaterial, das aus gefährlichen Stoffen besteht) einzustufen. Bei der Entsorgung dieser Abfälle sind Entsorgungsnachweise zu führen. Hier ist darauf zu achten, dass in den Nachweisen die Abfallarten genau deklariert sind. Eine gemeinsame Entsorgung von Mineralfaserplatten und KMF-Dämmmaterialien über einen Entsorgungsnachweis ist in aller Regel nicht möglich.

Welche anderen Bezeichnungen gibt es?

Deckenplatten mit künstlichen Mineralfasern (KMF), Mineralfaserverbundplatten, Akustikdämmplatten/-deckenplatten.
Hinweis:
Akustik-Deckenplatten eines bestimmten Typs können auch mit PCB belastet sein. Zur Unterscheidung von KMF-Mineralfaserplatten und Akustik-Deckenplatten ist deshalb im Einzelfall eine Analyse auf PCB erforderlich.

Kann ich meine Mineralfaserplatten mit gefährlichen KMF auf einer Deponie der DK II entsorgen?

Ja, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:
Es muss eine Einzelfallzustimmung der zuständigen Genehmigungsbehörde (Regierung) vorliegen. Diese ist vom Deponiebetreiber zu beantragen (vgl. § 6 Abs. 6 Satz 2 Nr. 1 DepV). Dies ist notwendig, da die Mineralfaserplatten erhöhte Konzentrationen an organischen Bestandteilen (TOC, GV, DOC) aufweisen.

Kann ich meine Mineralfaserplatten mit nicht gefährlichen KMF auf einer Deponie der DK II entsorgen?

Entsprechend der Abfallhierarchie gemäß § 7 Abs. 2 i. V. m. § 6 KrWG muss die Möglichkeit der Wiederverwendung im Produktionsprozess des Herstellers geprüft und über bestehende Rücknahmesysteme wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt werden. Dies trifft in der Regel auf Bauplatten mit Herstellungsdatum ab 01.06.2000 zu. Details zu den Rücknahmesystemen können bei den Herstellern der Bauprodukte in Erfahrung gebracht werden.

Sofern eine Verwertung oder thermische Behandlung nicht möglich sein sollte, sind die Abfälle zu beseitigen. Aus fachlicher und deponietechnischer Sicht sind wir der Auffassung, dass die Beseitigung von Mineralfaserplatten ohne gefährliche KMF im begründeten Einzelfall analog der Beseitigung von Mineralfaserplatten mit gefährlichen KMF erfolgen kann, da die abfallbestimmenden Parameter die erhöhten Organikgehalte (und nicht die gefährlichen KMF) sind.

Welche Unterlagen/ und Untersuchungen werden für einen Antrag des Deponiebetreibers auf Einzelfallzustimmung bei der zuständigen Behörde (Bezirksregierung) benötigt?

Grundlegende Charakterisierung (gC) des Abfalls (§ 8 Abs. 1 DepV) einschließlich Angaben zum Abfallerzeuger, Rückbauvorhaben mit aussagekräftigen Fotos sowie Untersuchung der Schlüsselparameter: GV/TOC, DOC, PCB (je nach Herkunft) und Fluorid.

Wann kann auf Untersuchungen verzichtet werden?

Falls umfangreiche Untersuchungen im Rahmen der Vorerkundung, zum Beispiel beim Gebäuderückbau, stattgefunden haben und diese zusammen mit den anderen Unterlagen der Grundlegenden Charakterisierung vorliegen und aussagekräftig sind, kann nach Rücksprache mit dem LfU auf weitere Untersuchungen verzichtet werden.

Warum können Mineralfaserplatten mit gefährlichen KMF nicht thermisch behandelt werden?

Die Fasern (sog. WHO-Fasern) der als „gefährlich“ eingestuften Mineralfaserplatten werden in Hausmüllverbrennungsanlagen nicht ausreichend zerstört, so dass durch Verschleppung über die Asche/Schlacke eine Verteilung in die Umwelt stattfinden könnte.

Mineralfaserplatten mit nichtgefährlichen Fasern können – sofern es sich um kleine Mengen handelt – grundsätzlich über Hausmüllverbrennungsanlagen entsorgt werden. Eine thermische Behandlung ist dann sinnvoll, wenn es sich um nicht sortenreine oder um sekundär verunreinigte Mineralfaserplatten handelt, die stofflich nicht wiederverwertbar sind. Die Annahme dieser Abfälle richtet sich nach den Annahmekriterien der Hausmüllverbrennungsanlage. Eine Verpflichtung zur Annahme durch die Betreiber der Müllverbrennungsanlagen besteht in der Regel nicht.

Können Mineralfaserplatten mit nicht gefährlichen KMF thermisch behandelt werden?

Mineralfaserplatten mit nicht gefährlichen Fasern können – sofern es sich um kleine Mengen handelt – in der Regel über Hausmüllverbrennungsanlagen entsorgt werden. Eine thermische Behandlung ist dann sinnvoll, wenn es sich um nicht sortenreine oder um verunreinigte Mineralfaserplatten handelt, die stofflich nicht wiederverwertbar sind. Die Annahme dieser Abfälle richtet sich nach den Annahmekriterien der Hausmüllverbrennungsanlage. Eine Verpflichtung zur Annahme durch die Betreiber der Müllverbrennungsanlagen besteht in der Regel nicht.

Kann man Mineralfaserplatten auch anderweitig entsorgen?

Mineralfaserplatten können auch in Untertagedeponien (UTD) gemeinwohlverträglich beseitigt werden. Der Abfallerzeuger kann die Abfälle entweder direkt über eine UTD oder über entsprechende Vorbehandlungsanlagen, die die Abfälle nach den Vorgaben der jeweiligen UTD verpacken, entsorgen. Hinsichtlich der Annahmebedingungen sollte die UTD rechtzeitig kontaktiert werden. Überdies bietet die GSB bei der Entsorgung von Mineralfaserplatten Unterstützung an.

Asbesthaltige Dachbahnen/-pappen

Wo fallen asbesthaltige Dachbahnen an?

Sie fallen beim Rückbau von (Flach-) Dächern an, die vor ca. 1994 gebaut wurden. Der Asbest findet sich in den Bahnen, meist aber im Kleber oder im Mörtel darunter.

Warum sind viele Bahnen "neuerdings" asbesthaltig?

Ein Grund ist das größere Wissen der Bauherren und Gebäudesanierer über den Einsatz von Asbest in Baustoffen, das mehr Untersuchungen auf Asbest zur Folge hat. Zudem werden wegen der Baukonjunktur und dem Alter der Gebäude mehr Sanierungen durchgeführt.

Welche anderen Schadstoffe können enthalten sein und ab welchem Gehalt sind sie als „gefährlich“ zu entsorgen?

Neben Asbest können auch PAK (aus dem teerhaltigen Bindemittel – bis etwa 1962) vorhanden sein. Ebenso sind häufiger die Werte von lipophilen Stoffen und organischen Bestandteilen erhöht, die für die Deponierung relevant sein können.

Nach unseren Erfahrungen und nach den Angaben in der Datenbank ABANDA bewegen sich die Werte in folgenden Bereichen:

Schadstoffgehalte
Parameter Bereich
PAK in mg/kg 13 - 6.000
Lipophile Stoffe in % OS 16 - 60
MKW (C10 – C40) in mg/kg 3.500 - 90.000
TOC in % TS 0,9 - 73
GV in % TS 3 - 82
DOC in mg/l 16 - 50

Der Abfall ist dann gefährlich, wenn Asbest enthalten ist und/oder ab einem PAK-Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg oder einem Gehalt von Benzo(a)pyren von mehr als 50 mg/kg.

Können auch Bitumen- und Asphaltbahnen erhöhte PAK-Werte und Asbest aufweisen?

Dächer wurden oft nachträglich erneuert und Bahnen übereinander gelegt. Daher können gleichzeitig neben teer- auch bitumenstämmige Dachbahnen anfallen, ebenso wie asbesthaltige mit PAK-freien Bahnen. Zudem können sie untrennbar mit EPS ("Styropor") oder PUR- Schäumen verbunden ein.

Die Faustregel, dass Asphaltdächer eine Neigung von höchstens 30 Grad haben, ist daher nicht hilfreich.

Unter welche Abfallschlüssel fallen die Abfälle?

Im Allgemeinen sind die folgenden Abfallschlüssel zu verwenden. Dabei ist zu beachten, dass die Abfallverzeichnisverordnung (AVV) herkunftsbezogen aufgebaut ist.

Abfallbezeichnungen
Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) Bezeichnung nach AVV Trivialbezeichnung
17 03 03* Kohlenteer und teerhaltige Produkte (Kohlen-) teerhaltige Dachpappen
17 06 05* asbesthaltige Baustoffe asbesthaltige Baustoffe, Asbestzement, Dachpappen mit Asbest

Wo können sie entsorgt werden? Gibt es Ausnahmeregelungen?

Asbesthaltige Dachpappen werden überwiegend auf DK II-Deponien abgelagert, wenn – wie im Regelfall – eine Abtrennung der Fasern nicht möglich oder zumutbar ist. Die Ablagerung erfolgt nach Zustimmung der Bezirksregierung gemäß § 6 Abs. 6 Satz 2 Nr. 1 DepV.

Eine Überschreitung einzelner Zuordnungswerte ist gemäß § 6 Abs. 6 Satz 1 DepV nur möglich, wenn das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt wird. Bei der Ablagerung sind die möglichen Emissionen zu betrachten. Diese Beurteilung obliegt dem Deponiebetreiber. Er legt diese dann dem LfU und der Regierung vor.

Ebenfalls nehmen Untertage-Deponien (UTD) DK IV-Abfälle nach DepV an. Die Abfälle werden beispielsweise in BigBags oder in Fässern angenommen. Bitte erkundigen Sie sich bei den Anlagen (nur außerhalb Bayerns) wegen der konkreten Annahmebedingungen.

Welche Untersuchungen sind zur Deponierung vorzulegen?

Asbesthaltige Dachbahnen sind als "bekannte Abfallart" anzusehen und können im Regelfall ohne Analysen nach DepV, außer auf Asbest und PAK, auf Deponien entsorgt werden. Es sollten – auch in Abstimmung mit dem Deponiebetreiber – die extrahierbaren lipophilen Stoffe und MKW untersucht werden. Weitere nutzungsbedingte Kontaminationen, sogenannte "Sekundärkontaminationen", müssen selbstverständlich entsprechend untersucht werden.

Das Formblatt des LfU zur grundlegenden Charakterisierung ist auszufüllen.

Sind Dachbahnen immer auf Asbest zu untersuchen?

Untersuchungen sind notwendig, wenn der Verdacht besteht, dass Asbest eingesetzt wurde. Dies trifft auf Baustoffe zu, die vor 1994 verwendet wurden und erfahrungsgemäß Asbest enthalten. Die Nachweisgrenze der Asbestbestimmung muss unter 0,1 Gew.-% liegen.

Welche Entsorgungswege bestehen für Verbundabfälle (asbesthaltige Dachbahnen mit Dämmstoffen)?

Die Entsorgungswege asbesthaltiger Dachbahnen mit anhaftenden Dämmstoffen sind dieselben wie für asbesthaltige Dachbahnen ohne Dämmmaterialien.

Sind gefährliche Abfälle der GSB zu überlassen?

Die entsorgungspflichtige Körperschaft kann Abfälle zur Beseitigung aus anderen Herkunftsbereichen als privaten Haushalten im Einzelfall durch Satzung oder Anordnung ausschließen. Dieser Ausschluss bedarf der Zustimmung der Regierung (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 BayAbfG). Für diese Abfälle gilt nach Art. 10 Abs. 1 Bay AbfG die Überlassungspflicht an die GSB Sonderabfall-Entsorgung Bayern GmbH. Der Umfang der Entsorgungspflicht sowie die Art und Weise ihrer Erfüllung bestimmen sich nach dem Bayerischen Abfallwirtschaftsplan (AbfPV). Nach Abschnitt IV Nr. 5.5.2 Spiegelstrich 2 gilt die Überlassungspflicht nicht für Abfälle, die auf Grund ihres Schadstoffpotenzials in Untertagedeponien gemeinwohlverträglich beseitigt werden müssen. Die Entsorgung unter Tage sollte jedoch die Ausnahme sein.

Wo werden asbestfreie Dachbahnen entsorgt?

Dazu hat das LfU ein InfoBlatt Kreislaufwirtschaft "Teer-/ bitumenhaltige Dachbahnen" mit Stand 10/2015 veröffentlicht. Darin wird auf die Verwertungsmöglichkeit von asbestfreien Dachpappen als Ersatzbrennstoff in Zement- oder Kohlekraftwerken sowie in Abfallverbrennungsanlagen oder die Beseitigung über die GSB hingewiesen. Die Entsorgung ist im Einzelfall zu prüfen, da es viele verschieden aufgebaute Dachpappen und -bahnen gibt. Eine Ablagerung auf Deponien ist für asbestfreie Dachpappen ausgeschlossen.

Wo gibt es weitere Informationen?

Dazu wenden Sie sich bitte an ihre entsorgungspflichtige Körperschaft, an einen Deponiebetreiber oder an die GSB. In besonderen Fällen können Sie sich auch an das LfU wenden.