Grundwasser

Grundwasser ist eine unverzichtbare Lebensgrundlage für Mensch und Natur. In Bayern ist es auch das Lebensmittel Nr. 1. Die Grundwasserressourcen dienen als Reservoir, aus dem vielerorts Trinkwasser guter Qualität gewonnen wird. 93 Prozent der bayerischen Bevölkerung werden mit Trinkwasser aus Grund- und Quellwasser versorgt. Für Wasserkörper, aus denen Trinkwasser gewonnen wird, sieht die Rahmenrichtlinie eine besonders intensive Überwachung und einen strengen Schutz vor.

Grundwasser bewegt sich sehr langsam durch den Untergrund, es legt oft lange Strecken zurück. Seine Qualität ändert sich nur langsam. Im Gegensatz zu Oberflächengewässern fließt es auf breiter Fläche und ist daher auch viel stärker menschlichen Einwirkungen ausgesetzt. Allerdings ist es dem direkten Blick des menschlichen Auges verborgen, die Folgen von Eingriffen werden oft erst spät bemerkt. Eine vor Jahrzehnten verursachte Verschmutzung kann auch heute noch die Grundwasserqualität beeinflussen, ein heute verursachter Schaden kann noch unseren Enkeln Probleme bereiten.

Grundwasserkaskade in der Salzgrabenhöhle Bild vergrössern Grundwasserkaskade in der Salzgrabenhöhle (Berchtesgadener Land)

Das Grundwasser soll sich wie die Oberflächengewässer bis 2015, spätestens bis 2027, in einem guten Zustand befinden. Ferner sollen für das Grundwasser Trends ermittelt werden, ob die Konzentration von Schadstoffen steigen wird. Diese Trends sollen frühzeitig umgekehrt werden.

Unterschieden wird beim Grundwasser zwischen dem chemischen und dem mengenmäßigen Zustand. Der chemische Zustand eines Grundwasserkörpers ist durch Schadstoffe aus diffusen und punktuellen Quellen gefährdet. Der mengenmäßige Zustand wird nach der Beeinträchtigung durch direkte oder indirekte Entnahmen beurteilt. Hier soll ein nachhaltiges Gleichgewicht zur Grundwasserneubildung sichergestellt werden.

Diffuse Einträge vermindern

Unter diffusen Quellen versteht man Stoffemissionen, die nicht unmittelbar einem Verursacher zugeordnet werden können und breit gestreut sind, also nicht von einer erkennbaren Punktquelle ausgehen. Eine der bedeutendsten diffusen Quellen ist die landwirtschaftliche Flächennutzung. Andere diffuse Schadstoffquellen sind z. B. der Verkehr, die atmosphärische Deposition oder auch die privaten Haushalte.

Die Bestandsaufnahme 2004 in Bayern zeigte, dass Oberflächengewässer überwiegend durch diffuse Phosphoreinträge und Grundwasser durch Nitrateinträge belastet sind. Pflanzenschutzmittel können sowohl im Oberflächenwasser als auch im Grundwasser eine Rolle spielen.

Um die Gefährdung des Grundwassers durch Nitrat zu ermitteln, wurden die Werte von ca. 6.300 Grundwassermessstellen und Messstellen der Wasserversorgung sowie von ungenutzten Quellen herangezogen. Im Hinblick auf Pflanzenschutzmittel wurde der Datenbestand von ca. 3.000 Brunnen, Quellen und Grundwassermessstellen berücksichtigt. Anders als bei Nitrat können bei Pflanzenschutzmitteln viele unterschiedliche Wirkstoffe und deren Abbauprodukte zur Grundwasserbelastung beitragen. Die allermeisten Grenzwertüberschreitungen sind immer noch auf das Mittel Atrazin zurückzuführen – trotz des seit 1991 bestehenden Anwendungsverbots. Grundwasser hat ein langes Gedächtnis.

Landwirte in den verschiedenen Regionen Bayerns stehen beim Grundwasserschutz in einem Dilemma: Zwei Landwirte wirtschaften gleich, bringen dieselbe Menge Düngemittel zur selben Zeit aus, doch der eine gefährdet das Grundwasser mehr, der andere weniger. Dies hängt von geologischen und klimatischen Voraussetzungen ab: Die Beschaffenheit der Böden und deren Vermögen, Stoffe zurückzuhalten, ist dabei ebenso wichtig wie die Niederschlagsmengen und die damit verbundene Neubildung von Grundwasser.

Effektiver Grundwasserschutz in der Landwirtschaft ist deshalb nur möglich, wenn alle gemeinsam – staatliche Wasserwirtschaft, Landwirte, Wasserversorger und
Verbraucher – zukunftsfähige Lösungen für einzelne Regionen entwickeln. Die Landwirte müssen Anreize bekommen, grundwasserverträglich zu wirtschaften und die anderen müssen bereit sein, diese Initiativen zu unterstützen – ideell und finanziell.

Altlasten sanieren

Insbesondere Altlasten, aber auch einzelne Schadensfälle wie Industrie- und Verkehrsunfälle gehören zu den punktuellen Quellen, die das Grundwasser verunreinigen. Darüber hinaus werden auch bestimmte Deponien in die Betrachtung einbezogen, obwohl diese heute in der Regel sehr gut überwacht und abgesichert sind.

In Bayern gibt es derzeit keinen Grundwasserkörper, dessen guter Zustand durch Punktquellen gefährdet ist. Trotzdem wird eine Reihe von problematischen Standorten saniert, um eine Gefährdung auch zukünftig auszuschließen.

Übernutzung reduzieren

Die Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, dass der mengenmäßige Zustand des Grundwassers nicht gefährdet werden darf, das heißt, es muss ein Gleichgewicht zwischen Grundwasserentnahme und der Grundwasserneubildung bestehen. Nur so kann diese wichtige Ressource für zukünftige Generationen gesichert werden.

Der mengenmäßige Zustand eines Grundwasserkörpers kann beeinträchtigt werden durch:

  • Entnahmen für die Trinkwasserversorgung
  • Entnahmen für die gewerbliche Wasserversorgung
  • Entnahmen zur Grundwasserabsenkung bei der Gewinnung von Steinen und Erden
  • Entnahmen für die Beregnung und Entwässerung

Um das Risiko einer Übernutzung des jeweiligen Grundwasserkörpers abzuschätzen, werden Grundwasserneubildung und die bekannten Entnahmen verglichen. Ein Risiko für einen gesamten Grundwasserkörper wurde im Rahmen der Bestandsaufnahme 2004 ausgeschlossen, wenn:

  • Die Gesamtentnahme kleiner als 10 Prozent der Grundwasserneubildung des Grundwasserkörpers ist oder
  • eine konkrete Bilanzberechnung für den Grundwasserkörper vorliegt, die eine Übernutzung ausschließt.

Die bayerische Wasserwirtschaft verfolgt schon seit Jahrzehnten diesen Grundsatz.