Wichtige Fragen der Gewässerbewirtschaftung in Bayern
2010-2015

Ein wichtiger Schritt hin zur flussgebietsweiten Bewirtschaftung ist die Identifizierung der für die Flussgebiete wichtigen Fragen der Gewässerbewirtschaftung. Die Grundlage hierfür bilden die Bestandsaufnahme 2004, das laufende Monitoring der Oberflächengewässer und des Grundwassers sowie die entsprechende 2. Phase der Anhörung der Öffentlichkeit.

Im Fokus der wichtigen Fragen der Gewässerbewirtschaftung stehen Belastungen und Veränderungen der Gewässer, die auf große Teile des Flussgebiets wirken und somit von überregionaler Bedeutung sind. Bedeutsame und häufige Belastungen in den Flussgebieten Bayerns sind hydromorphologische Veränderungen sowie Belastungen der Gewässer mit Nährstoffen, in Einzelfällen auch mit Schadstoffen. Darüber hinaus gibt es Gewässerbelastungen mit nur lokalen oder regional begrenzten Auswirkungen.

Hydromorphologische Veränderungen der Oberflächengewässer

Besonders in den vergangenen 100 Jahren wurden viele Flussläufe begradigt und verkürzt, die Ufer befestigt, die Auen trockengelegt beziehungsweise vom Gewässerlauf abgetrennt und Stauseen oder Talsperren errichtet. In der Gewässerstrukturkartierung (Übersichtsverfahren) wurden in Bayern die hydromorphologischen Veränderungen der größeren Fließgewässer erfasst und bewertet. Die wesentlichen hydromorphologischen Defizite sind:

  • Gestörte Abflussdynamik, Geschiebedefizite
  • Gestörte Durchgängigkeit, Aufstau
  • Beeinträchtigungen durch Begradigung, Sohlsicherung, Uferverbau.
Renaturierung des Mains bei Kemmern Bild vergrössern Renaturierung des Mains bei Kemmern

Eine wichtige wasserwirtschaftliche Aufgabe zur Erreichung der Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie ist im Hinblick auf die Fische (als wichtige biologische Bewertungskomponente) die Verbesserung der Durchgängigkeit zur Vernetzung der Fließgewässer sowie die Herstellung von angemessenen Lebensräumen mit geeigneten Laichhabitaten und Aufwuchsgebieten. An vielen Fließgewässern wird die Durchgängigkeit durch Querbauwerke gestört oder ganz unterbunden. Für ein effizientes Vorgehen bedarf es einer großräumigen Betrachtung. In einem ersten Schritt werden daher bayernweit die aus fischfaunistischer und naturschutzfachlicher Sicht wichtigsten potentiellen Hauptwanderwege der Fische (Vorranggewässer) ermittelt. In erster Priorität sollen innerhalb dieser ausgewählten Vorranggewässer die Querbauwerke durchgängig gemacht werden, die eine größtmögliche Vernetzung von Fließgewässerabschnitten bewirken. Im Rahmen eines Durchgängigkeitskonzeptes wird eine fachlich begründete, nachvollziehbare Rangfolge der Maßnahmen festgelegt und die technische und finanzielle Machbarkeit beurteilt.

Belastungen der Gewässer mit Nährstoffen

Eine erhöhte Konzentration von Nährstoffen in oberirdischen Gewässern führt in langsam fließenden oder stehenden Gewässerabschnitten zu verstärktem Algenwuchs, Trübung, Sauerstoffzehrung und einer Veränderung der Zusammensetzung der typischen Gewässerflora und -fauna. Eine Folge ist, dass die Gewässer ihre natürliche Funktion nicht mehr erfüllen und den von der Wasserrahmenrichtlinie angestrebten guten Zustand nicht erreichen können. Gelangen Nährstoffe vermehrt in das Grundwasser, wird dieses langfristig belastet und seine Nutzbarkeit sowie seine Funktionsfähigkeit im Naturhaushalt eingeschränkt.

Algmatten an der Aischquelle Bild vergrössern Algmatten an der Aischquelle

Die Eintragspfade von Nährstoffen in die Gewässer sind unterschiedlich. Das Grundwasser wird hauptsächlich durch den Eintrag von Nitrat belastet. Bei den Belastungen der Oberflächengewässer spielen sowohl Phosphor als auch Stickstoffverbindungen eine maßgebliche Rolle; entweder durch diffuse Einträge (zum Beispiel Abschwemmung des Bodens von angrenzenden Flächen, Infiltration von belastetem Grundwasser) oder durch punktuelle Einträge (zum Beispiel unzureichend gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen). In den vergangenen Jahrzehnten wurden erhebliche Investitionen zur Erhöhung des Anschlussgrades an Kläranlagen und zur Verbesserung der Reinigungsleistung getätigt und zusätzliche Anstrengungen zur Reduzierung der Stickstoff- und Phosphoreinträge unternommen. Hierzu zählt zum Beispiel die Einführung phosphatfreier Waschmittel.

Aufgrund der Erfolge bei der Reduzierung der punktuellen Einträge treten die diffusen Einträge in die Oberflächengewässer bezüglich der Nährstoffbelastungen prozentual mehr in den Vordergrund. Hierbei zeigen die Ergebnisse aus der Bestandsaufnahme, dass insbesondere in Nordbayern sowie in Südostbayern ein erhöhter Eintrag von Stickstoff in Fließgewässer, Seen und Grundwasser festzustellen ist.
Aufgrund der geringen Niederschläge in Nordbayern bewirken vergleichsweise geringe Stickstoff-Überschüsse hohe Nitratkonzentrationen im Sickerwasser, die in der Konsequenz zu einer höheren Belastung des Grundwassers führen können. Phosphor gelangt vor allem durch Erosion von Bodenmaterial in Fließgewässer und Seen. Nach der Berechnung von „Erosionspotenzialen“ zeigt sich, dass vor allem in Unterfranken sowie in Südostbayern aufgrund der vorwiegend ackerbaulichen Nutzung und des hohen Anteils erosionsanfälliger Kulturen mit höheren Einträgen zu rechnen ist. Neben dem Eintrag von Phosphor hat auch der Eintrag von Bodenmaterial negative Auswirkungen auf die Gewässer. Er kann zu einer Verschlammung der Gewässersohle führen, wodurch wichtige Lebensräume (Laichplätze, Rückzugsräume) verloren gehen.

Belastung der Gewässer durch Schadstoffe

Die Belastung der Gewässer mit Schadstoffen aus Punktquellen und diffusen Quellen, die das Erreichen der Ziele nach Wasserrahmenrichtlinie verhindern könnten, wurde ebenfalls als wichtige Wasserbewirtschaftungsfrage identifiziert. Bereits geringe Konzentrationen von Schadstoffen in Oberflächengewässern können toxische Wirkungen auf im Wasser lebende Tiere und Pflanzen haben. Schadstoffbelastungen im Grundwasser sind auch hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu verhindern, da Grundwasser in Bayern die wichtigste Trinkwasserressource ist. In der Wasserrahmenrichtlinie kommt deshalb den Schadstoffen bei der Beschreibung des ökologischen und chemischen Zustandes der Oberflächengewässer und des chemischen Zustands des Grundwassers eine besondere Bedeutung zu.

Für die Beurteilung des chemischen Zustandes der Oberflächengewässer sind im Wesentlichen die EU-weit festgelegten "prioritären Stoffe" entscheidend. Anhand EU-weit gültiger ökotoxikologisch abgeleiteter Grenzwerte (Umweltqualitätsnormen) ist zu beurteilen, ob der gute chemische Zustand erreicht ist.

Für den ökologischen Zustand sind neben biologischen und unterstützenden hydromorphologischen Qualitätskomponenten spezifische Schadstoffe maßgebend, die negative Auswirkungen auf Gewässerorganismen haben. Die spezifischen Schadstoffe, einschließlich der jeweils einzuhaltenden Umweltqualitätsnormen, legen die Mitgliedsstaaten entsprechen den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie selbst fest. In Deutschland wurden bislang für 110 spezifische Schadstoffe Umweltqualitätsnormen im Oberflächengewässer festgelegt. Wird bei einem dieser Schadstoffe die Umweltqualitätsnorm nicht eingehalten, ist der gute ökologische Zustand nicht erreicht.

Insgesamt wurden im Monitoring in Bayern nur wenige Überschreitungen der Qualitätsnormen festgestellt. Überschreitungen ergaben sich für die Stoffgruppen der Schwermetalle und Pflanzenschutzmittel sowie wenige organische Spurenstoffe.

Wichtige Fragen der Gewässerbewirtschaftung in den (größeren) bayerischen Gebietsanteilen von Flussgebieten

Abschließende Einstufung der bayerischen Gewässer

Viele Wasserkörper, bei denen die Einstufung in der WRRL-Bestandsaufnahme noch unklar war, sind nun als "nicht erheblich veränderter Wasserkörper“ eingestuft. Prominentestes Beispiel: die Donau im freifließenden Bereich zwischen Straubing und Vilshofen.