Pipelines

Bedeutung

Jährlich werden auf unserem Globus ca. 2 Milliarden Tonnen Rohöl verbraucht. Dies entspricht etwa dem Inhalt des Starnberger Sees. In der Bundesrepublik Deutschland werden knapp unter 200 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet, davon ca. 20 Millionen Tonnen in Bayern. Aus diesem Öl werden Chemikalien und Erdölprodukte hergestellt, die natürlich auch transportiert werden müssen.

Um diese Mengen an Roherdölen und auch die Massenprodukte der Raffinerien sicher und wirtschaftlich sinnvoll transportieren zu können, wurde seit 1963 von diversen Betreibern ein weitverzweigtes Rohrleitungsnetz von insgesamt annähernd 1.150km in Bayern aufgebaut mit Schwerpunkt in den Raffineriezentren Ingolstadt und Burghausen sowie den Flughäfen. Die einzelnen Rohrfernleitungen sind sehr verschiedenartig. So liegen die Längen der Pipelines zwischen 100m und 187km, die Durchmesser schwanken zwischen 38mm bis 1.000mm und die Durchsätze variieren von rund 2m3/h bis 6.400m3/h.

Volumen

Man stelle sich nur vor, man wolle z.B. 6.400m3/h mit Kesselwaggon oder Straßentankzügen transportieren!

Als Vergleich seien nur zwei Zahlen genannt:
Das Fassungsvermögen eines Eisenbahn-Kesselwaggons der Deutschen Bahn AG beträgt maximal 90m3, das eines Straßentankwagens maximal 30m3. Hinzu käme noch der Rücktransport der leeren Transportmittel und der Platzbedarf für Bereitstellung und Verladeeinrichtungen sowie Entladeeinrichtungen.

Technische Maßnahmen

Eine Rohrleitungsanlage umfasst alle baulichen und betrieblichen Funktionseinheiten, die zum Befördern von Stoffen auf einem festgelegten Förderweg erforderlich sind.

Das sind neben den Leitungen die Pump-, Abzweig-, Übergabe-, Absperr- und Entlastungsstationen mit zugehörigen Ausrüstungen sowie Entlastungs- und Restebehälter. Die Größe der Einzelteile, Durchmesser und Länge der Leitungen, ihre Verwendung im privaten, gewerblichen oder militärischen Bereich spielen dabei sachlich keine Rolle.

Zur Risikominderung sind Trassen so zu wählen, dass die Gefährdungen für die Leitungen und die von ihr ausgehenden Gefahren möglichst gering sind. In Schutzgebieten für Wasserversorgungen und Heilquellen dürfen Rohrleitungsanlagen nur in Ausnahmefällen, in wasserwirtschaftlich bedeutsamen Gebieten sollen sie nur unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen verwendet werden.

Für einen sicheren Betrieb müssen Betriebsdrücke registriert, Drucküber-/
Unterschreitungen verhindert, Auslaufmengen begrenzt, Verluste festgestellt sowie ausgetretene Stoffe aufgefangen werden. Über Art, Umfang und Sicherheit der Einrichtungen kann nur nach Lage des Einzelfalls entschieden werden. Grundsätzlich werden zwei unabhängige Einrichtungen zum Feststellen von Verlusten während des Förderns und der Förderpausen sowie eine zum Erkennen von Kleinstleckagen gefordert. Ein schnelles Orten von Schadensstellen muss möglich sein. Wo betriebsbedingt Stoffe austreten können (Molchschleusen, Probenehmer, Sicherheitsventile) sind sie durch geeignete Einrichtungen aufzufangen und über dichte Leitungen Reste- oder Entlastungstanks zuzuführen.

Des Weiteren müssen die Rohrleitungsanlagen in gewissen Zeiträumen Dichtheitsprüfungen oder Läufen mit dem Leckerkennungsmolch unterzogen werden.

Verlauf der Leitungen in Bayern

Bayernkarte mit dem Verlauf der Pipelines. Bild vergrößern Verlauf der Pipelines in Bayern

Zunächst zum Rohölnetz: Die wichtigste und derzeit einzige Leitung zur Versorgung Bayerns mit Rohöl führt von Triest über Kiefersfelden nach Ingolstadt mit einer Abzweigung in Steinhöring nach Burghausen. Weitere Rohölleitungen führen von Ingolstadt nach Karlsruhe und nach Prag.

Das Produktenleitungsnetz erstreckt sich von Burghausen über Feldkirchen bei München bis zum Flughafen München. Eine Leitung führt vom Tanklager Aalen nach Neuburg/Donau und eine weitere von Aalen bis Unterpfaffenhofen.

Eine Gasleitung für wassergefährdende Gase verbindet Anlagen in Münchsmünster bei Ingolstadt mit Gendorf im Chemiedreieck. Im Bereich des Mains und der Donau sowie in diversen Industrieansiedelungen existieren viele kleinere Verbindungsleitungen zu Tanklagern und weiterverarbeitenden Betrieben.