Organisation

Personal

Qualifikation und Ausbildung

In einem Wasserversorgungsunternehmen dürfen Aufgaben nur Mitarbeitern übertragen werden, die für die jeweilige Tätigkeit ausreichend qualifiziert sind. Die Vorgaben ergeben sich aus dem DVGW-Arbeitsblatt W 1000 "Anforderungen an die Qualifikation und die Organisation von Trinkwasserversorgern (Stand: November 2005)". Besondere Anforderungen werden an die Technische Führungskraft gestellt, die in jedem Wasserversorgungsunternehmen benannt sein muss. Die Anforderungen an die berufliche Qualifikation einer Technischen Führungskraft sind insbesondere abhängig von der jährlichen Wasserabgabe des Wasserversorgungsunternehmens, dem Umfang der Unternehmensaufgaben (eigene Wassergewinnung oder nur Fremdbezug) oder der Komplexität/Kompliziertheit einer Wasseraufbereitung. Die Bandbreite der erforderlichen Qualifikation reicht von einer Ausbildung zum Anlagenmechaniker bzw. zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik bis hin zum Hochschulabschluss.

Die für eine Tätigkeit in Wasserversorgungsunternehmen einschlägigen Berufsbilder gliedern sich grundsätzlich in:

  • Fachkraft,
  • Meister,
  • Mitarbeiter mit abgeschlossenem ingenieurwissenschaftlichem oder naturwissenschaftlichem Studium (Fachhochschule oder Universität).

Die Ausbildung zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik ist in der Verordnung über die Berufsausbildung in den umwelttechnischen Berufen vom 17.06.2002 (BGBl. 2002 Teil I Nr. 43, S. 2335 ff), zum/zur Meister/-in in der Verordnung über die Prüfung zum/zur anerkannten Wassermeister/-in vom 23.02.2005 (BGBl. 2005 Teil I Nr. 12, S. 349 ff), geändert am 26.03.2014 (BGBl. 2014 Teil 1 Nr. 12, S. 274 ff), geregelt.

Auch die Eigenüberwachungsverordnung (EÜV) vom 20.09.1995, zuletzt geändert am 25.02.2010, enthält Vorgaben über die Qualifikation des Personals. Die Betreiber von Wasserversorgungsanlagen, die dem Geltungsbereich EÜV unterliegen, haben zur Wahrnehmung der in der EÜV festgelegten Eigenüberwachungsmaßnahmen Personal in ausreichender Zahl und Qualifikation zu beschäftigen oder ggf. Dritte zu beauftragen, die diese Anforderungen erfüllen.

Eine Erhebung der Universität der Bundeswehr München im Jahr 2014 im Rahmen eines DVGW-Forschungsvorhabens ergab, dass bei knapp einem Drittel der ca. 500 teilgenommenen bayerischen Unternehmen die technischen Führungskräfte die Anforderungen an die Personalqualifikation nach DVGW-Arbeitsblatt W 1000 nicht erfüllen (Quelle: Platschek C.; Krause S.; Günthert F.W.; (2014): Situationsanalyse der kleinräumig strukturierten Wasserversorgung Süddeutschlands am Beispiel Bayerns und Ableitung von Forschungsbedarfen, Abschlussbericht).

Nähere Informationen über Berufe, Ausbildung, Qualifikation und Weiterqualifikation im Bereich der Wasserversorgung sind beim DVGW, bei der Bayer. Verwaltungsschule oder dem Bundesinstitut für Berufsbildung erhältlich.

Fortbildung

Der technische Fortschritt sowie Änderungen der gesetzlichen Vorgaben, z.B. Trinkwasserverordnung, verlangen, dass die in einem Wasserversorgungsunternehmen tätigen Mitarbeiter ihren Kenntnis-/Wissensstand zur Erfüllung der Aufgaben stets auf dem Laufenden zu halten haben.

Zum Einen sind Mitarbeiter entsprechend ihres Aufgabengebiets regelmäßig unternehmensintern über den aktuellen Stand von Arbeitsanweisungen und Vorschriften zu unterweisen, zum Andern ist den Beschäftigten die Teilnahme an einschlägigen Fortbildungsveranstaltungen zu ermöglichen.

Diese Fortbildungsveranstaltungen bieten u.a. regelmäßig der Bayer. Gemeindetag, die Bayer. Verwaltungsschule bzw. der DVGW, der Rohrleitungsverband e.V. und deren Partnerverbände an.

Um insbesondere auch den Mitarbeitern kleinerer Wasserversorgungsunternehmen die Fortbildung zu ermöglichen, wurden zwischen 1986 und 1993 in Bayern jeweils auf Landkreisebene insgesamt 72 Wasserwerksnachbarschaften (WWN) gegründet. Die WWN gewährleisten eine regelmäßige und ortsnahe Fortbildung und fördern auch die Kooperation zwischen den Wasserversorgern. Bei üblicherweise zwei Nachbarschaftstagen pro Jahr steht neben der Wissensvermittlung durch Vorträge auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Mitarbeitern im Mittelpunkt. Seit der Gründung vor nunmehr ca. 30 Jahren wurden bayernweit über 2.500 Nachbarschaftstage mit derzeit jährlich ca. 3.000 Teilnehmern ausgerichtet. Die einzelnen WWN werden von Leitern betreut, die überwiegend in Wasserversorgungsunternehmen, aber auch in der Wasserwirtschaftsverwaltung tätig sind. Organisiert sind die Nachbarschaften unter Wasserwerksnachbarschaften Bayern e.V.

Betriebs- und Organisationshandbuch

Die Anforderungen an die Organisation und das Personal von Wasserversorgungsunternehmen werden u.a. im DVGW-Arbeitsblatt W 1000 "Anforderungen an die Qualifikation und die Organisation von Trinkwasserversorgern (Stand: November 2005)" genannt.

Bei den ersten durchgeführten Erhebungen im Zuge der freiwilligen Effizienz- und Qualitätsuntersuchung der kommunalen Wasserversorgung in Bayern (EffWB) zeigte sich, dass die Anforderungen an Organisation und Qualifikation an ein Wasserversorgungsunternehmen mit abnehmender Größe überdurchschnittlich oft nur unzulänglich erfüllt werden. Eine sichere, zuverlässige und wirtschaftliche Versorgung mit Trinkwasser setzt gerade bei der in Bayern bestehenden dezentralen Struktur eine entsprechende Organisationsqualität voraus.

Um den Wasserversorgungsunternehmen eine Hilfestellung zu geben, konnten von einer hierfür einberufenen Projektgruppe (Bayer. Gemeindetag, Bayer. Städtetag, Bayer. Landkreistag, Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V. und bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung) drei Anbieter (ipse Service GmbH, Rödl & Partner und Sicherheitstechnischer Dienst der Versorgungswirtschaft e.V. SDV) gewonnen werden, die diesen Unternehmen individuell angepasste Betriebs- und Organisationshandbücher (BOH) zu angemessenen Preisen erstellen.

In drei vom Landesamt für Umwelt organisierten Auftaktveranstaltungen Ende 2005/Anfang 2006 stellten die Anbieter den Wasserversorgungsunternehmen ihre Produkte vor. Seitdem konnten die o.g. Anbieter bereits mit vielen Wasserversorgungsunternehmen entsprechende Verträge für die Erstellung von BOH abschließen. Eine weitere Verbreitung von BOH bei den Wasserversorgungsunternehmen ist anzustreben.

Betriebliche Kooperation

"Zusammenkommen ist der Anfang, zusammenarbeiten ist der Erfolg." (Henry Ford)

Die öffentliche Trinkwasserversorgung als Aufgabe der Kommunen hat sich in Bayern bewährt. Die dezentrale Struktur soll auch künftig beibehalten werden. Auf Grund gestiegener Anforderungen an die Anlagentechnik, die Beachtung der Rechtsvorschriften und eine wirtschaftlich effiziente Betriebsführung stoßen allerdings vielfach kleine und kleinste Wasserversorgungsunternehmen an ihre Grenzen (42% der im Jahr 2013 in Bayern tätigen 2.261 Wasserversorgungsunternehmen gewinnen und/oder verteilen lediglich ca. 4% des gesamten Jahreswasseraufkommens).

Als Lösungsansatz zur Steigerung der Qualität und der Effizienz bietet sich die Kooperation zwischen Wasserversorgungsunternehmen an. Betriebliche Kooperation definiert sich als Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen in bestimmten gleichartigen Tätigkeitsbereichen, bei gleichzeitiger Wahrung der eigenen kommunalen Selbstständigkeit. Die möglichen Formen der Kooperation unterscheiden sich durch Dauer und Intensität (gegenseitiger Vertrag bis hin zur Gründung von Zweckverbänden oder Gesellschaften). Beispiele von Kooperationsmöglichkeiten sind Materialbeschaffung, Anlagenwartung und -instandhaltung, Datenverwaltung oder Durchführung der Pflichten der Eigenüberwachungsverordnung (EÜV) oder eine 24-Stunden-Rufbereitschaft.

Als Hilfestellung erstellten der DVGW, der Bayerische Gemeindetag, der Bayerische Städtetag und die Wasserwirtschaftsverwaltung den Leitfaden "Betriebliche Kooperation" (September 1999). In diesem Leitfaden werden mögliche Aufgabenfelder, Kooperationsformen, aber auch die rechtlichen Grenzen der Kooperation ausführlich dargestellt.

Einige Restexemplare des Berichts sind beim Landesamt für Umwelt, Referat 95, erhältlich.