Niederschlagswasser von Verkehrsflächen

Niederschlagswasser von Straßen darf in Bayern häufig ohne wasserrechtliche Erlaubnis beidseitig über die Straßenschultern versickert werden (Ausnahmen: mehr als zwei Fahrstreifen, Planfeststellungsverfahren). Die Anforderungen der Niederschlagswasserfreistellungsverordnung (NWFreiV) und der "Technischen Regeln zum schadlosen Einleiten von gesammeltem Niederschlagswasser in das Grundwasser (TRENGW)" sind einzuhalten.

Die Reinigungsleistung des bewachsenen Oberbodens reicht in der Regel aus, um das Grundwasser vor schädlichen Verunreinigungen zu schützen. Je nach Örtlichkeit werden mehrere Meter breite Randstreifen zur Versickerung benötigt.

Forschungsvorhaben "Versickerung des Niederschlagswassers von befestigten Verkehrsflächen"

Da in vielen Siedlungsgebieten zu wenig Platz für ausreichend breite Randstreifen zur Verfügung steht, wurden im Rahmen des Forschungsvorhabens "Versickerung des Niederschlagswassers von befestigten Verkehrsflächen" Alternativen gesucht, die bei geringem Platzbedarf etwa die gleiche Reinigungsleistung wie bei der breitflächigen Versickerung erreichen. Dazu wurden in einer Versuchsanlage an einer Augsburger Gemeindeverbindungsstraße verschiedene Bodenaufbauten untersucht.

Luftaufnahme der Versuchsanlage zur Untersuchung von Straßenwasser (Stadtentwässerung Augsburg).
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Versuchsanlage: Straßenwasseruntersuchung

Die Versuchsanlage wurde im Jahr 1996 gebaut und bis 2005 gemeinsam durch die Stadt Augsburg und das LfU betrieben und wissenschaftlich betreut. Der Freistaat Bayern und die Stadt Augsburg ermöglichten durch die Finanzierung dieses Projekts das Sammeln von wertvollen Erfahrungen bei der Versickerung und naturnahen Reinigung von verschmutztem Straßenwasser. Die Ergebnisse des Vorhabens haben im Laufe der Jahre bereits zum Teil Eingang in das einschlägige Regelwerk gefunden.

Die lange Laufzeit des Vorhabens ermöglichte besondere Erkenntnisse über die jährlichen Schwankungen von Schadstoffen im Straßenabfluss und das Verhalten der Filteranlagen bei extremen Wetterereignissen.

Grafik: Jahreszeitlicher Verlauf der Konzentrationen im Straßenabfluss.
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Jahreszeitlicher Verlauf

Es zeigte sich, dass die breitflächige Versickerung über 10 cm Oberboden, die Versickerung in Mulden mit 20 cm Oberboden und in Gräben mit 30 cm Oberboden gleichwertige Behandlungsmaßnahmen sind. Seit Oktober 1998 wurden auch Sanierungsmöglichkeiten für bestehende Sickerschächte an Straßen untersucht. Sickerschächte mit eingehängtem Geotextilsack oder mit einer Sandschicht zeigten für diesen Standort gleichwertige Reinigungsleistungen wie eine Muldenversickerung über 20 cm Oberboden.

Nach Abschluss der Sickerwasserbeprobung wurden intensive Bodenuntersuchungen in Auftrag gegeben. Sie sollten Aussagen über die langjährig zu erwartende Rückhaltefähigkeit von Schadstoffen und die damit verbundene Nutzungsdauer der einzelnen Filteranlagen erlauben.

Grafik: Frachtrückhalt an abfiltrierbaren Stoffen durch verschiedene Feldaufbauten.
Rückhalteleistung verschiedener Feldaufbauten

Am Ende der neunjährigen Betriebszeit der Bodenfilter kann davon ausgegangen werden, dass anhand der Beurteilung des Sickerwassers nach der Bundesbodenschutzverordnung keine schädlichen Bodenverunreinigungen zu erwarten sind, die erhöhte Schadstoffgehalte im Sickerwasser verursachen und die eine schädliche Verunreinigung des Grundwassers oder sonstige nachteilige Veränderungen seiner Eigenschaften bewirken oder erwarten lassen.

Der Abschlussbericht zum Entwicklungsvorhaben fasst alle wesentlichen Ergebnisse von neun Betriebsjahren der Straßenentwässerung zusammen. Technisch und ökonomisch realisierbare und genehmigungsfähige Alternativen zur Ableitung in die Kanalisation werden beurteilt und empfohlen.