Anpassung an Trockenheit und Dürre

Breiter trocken gefallener Uferabschnitt, Wasserstand etwa 5 bis 6 Meter unter Vollstau am Förmitzspeicher im September 2003. Bild vergrössern Förmitzspeicher (Speicher zur Niedrigwasseraufhöhung der Sächsischen Saale) im September 2003. Foto: Wasserwirtschaftsamt Hof

Aus einer Vielzahl an Klimaprojektionen gibt es konkrete Hinweise auf eine zukünftige mögliche Verschärfung der Niedrigwassersituation im Sommer. Wenn auch nicht ganz Bayern gleichermaßen betroffen sein wird, so sollte bereits jetzt über mögliche Betroffenheiten und gegebenenfalls auch Anpassungskonzepte nachgedacht werden.

Die Vorsorge gegen Trockenheit und Dürre besteht zum Einen aus langfristigen Maßnahmen, die bei zukünftigen Trockenphasen vorbeugend wirken, zum Anderen aus kurzfristigen operationellen Maßnahmen, die während konkreter Ereignisse ergriffen werden können. Dies betrifft viele Handlungsfelder, wie sinngemäß unter anderem in der Bayerischen Klimaanpassungsstrategie (BayKLAS) oder dem "Klimaprogramm 2020" als weitergehende Handlungsoptionen formuliert:

  • Aus regionalen Informationen zum Wasserdargebot und zum Wasserbedarf sollte ein angepasster Managementplan für Niedrigwassersituationen entwickelt werden. Wichtig ist dabei die Berücksichtigung der Verbrauchssektoren, welche in dem jeweiligen Gebiet bestimmend sind bzw. der dort besonders sensiblen Teile des Wasserhaushalts. Das betrifft neben Regelungen für die Entnahme von Bewässerungswasser oder von Kühlwasser auch Festlegungen für die Wiedereinleitung des erwärmten Kühlwassers.
  • Die Versorgungssicherheit für Trinkwasser kann durch Schaffung von Verbundsystemen oder Wassergewinnungsalternativen erhöht werden.
  • Erhöhung der Versorgungssicherheit von Trinkwasser durch Schaffung von Verbundsystemen oder Wassergewinnungsalternativen in Betracht gezogen werden.
  • Möglicherweise werden weitere Anlagen für die Gewinnung und Speicherung von Trinkwasser oder für Speicherbecken zur Niedrigwassererhöhung notwendig. Demnach ist die Prüfung von Gebieten auf ihre Eignung als weiterer Standort, wie auch das anschließende Freihalten und Sichern der als geeignet befundenen Flächen eine wichtige Maßnahme.
  • Der sommerliche Wasserbedarf in der Landwirtschaft ist in Wassermangelgebieten über angepasste Bewässerungspläne und –systeme sowie die Wahl trockenheitsresistenter Arten so gering wie möglich zu halten.
  • Eine mögliche Anpassung ist der Ausbau von Anlagen für die Gewinnung und Speicherung von Trinkwasser oder für Speicherbecken zur Niedrigwassererhöhung. Der erste Schritt hierzu ist die Untersuchung und Prüfung von Gebieten auf ihre Eignung als weitere Standorte.
  • Die Entsiegelung von Flächen, die Vermeidung fortwährender Flächenversiegelung insbesondere im ländlichen Raum und die Förderung dezentraler Versickerungsanlagen sollen die Auffüllung des Grundwasserspeichers auch unter verminderten Niederschlagsverhältnissen unterstützen.
  • Um Niedrigwassersituationen besser erkennen und darauf reagieren zu können, sollen die wasserwirtschaftlichen Messnetze auf diesen Aspekt geprüft und der Niedrigwasserinformationsdienst im Hinblick auf Vorhersage und Niedrigwassermanagement ausgebaut werden.

Was wurde bereits begonnen?

Handlungsfeld Wasserversorgung - Projekt Erhebung und Bewertung der öffentlichen Wasserversorgung in Bayern

Karte der Planungsregionen in Bayern, diese entsprechen in etwa den Zuständigkeitsbereichen der Wasserwirtschaftsämter Bild vergrössern Sachstand des Projektes "Erhebung und Bewertung der öffentlichen Wasserversorgung in Bayern"

Ein wichtiger Baustein im Maßnahmenpaket "Vorsorge gegen Trockenheit und Dürre" der bayerischen Klima-Anpassungsstrategie ist das Projekt "Erhebung und Bewertung der öffentlichen Wasserversorgung". Im Projekt wird die Versorgungssicherheit der öffentlichen Trinkwasserversorgung bis zum Jahr 2025 auf Grundlage ausgewählter Kriterien bewertet. Wesentliche Fragestellungen des Projekts sind:

  • Welche Grundwasservorkommen sind langfristig schützbar?
  • Reichen die Grundwasservorräte auch in Trockenzeiten aus und welchen Einfluss nimmt hier der Klimawandel (siehe KLIWA-Fallstudien)?
  • Wo stehen Wasserschutzgebiete in Konkurrenz mit anderen Nutzungen?
  • Wie entwickelt sich der Wasserbedarf in Zukunft vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Bevölkerungsentwicklung?
  • Gibt es das so genannte "zweite Standbein" einer Wasserversorgung - beispielsweise eine weitere Wassergewinnungsanlage?

Für die Regionen Bayerns, in denen eine besondere Versorgungs- oder Grundwassersituation vorliegt, z.B. aufgrund der Geologie oder der Niederschlagsverteilung, werden zur Ermittlung der Auswirkungen des Klimawandels auf das künftige Dargebot KLIWA-Fallstudien durchgeführt. Dies betrifft Gebiete in denen:

  • ein zusammenhängendes Grundwasservorkommen fehlt und sich die lokale Wasserversorgung auf die Nutzung von Quellwasser stützt. Die Entwicklung der Quellschüttung ist daher im Zusammenhang mit dem Klimawandel von Interesse.
  • sich die Grundwasserqualität vor dem Hintergrund des Klimawandels negativ entwickeln kann.

Die Ergebnisse der "Erhebung und Bewertung der öffentlichen Wasserversorgung" werden von den Bezirksregierungen unter dem Titel "Wasserversorgungsbilanz" zusammengefasst und veröffentlicht.

Beispiel: Studie "Wasserversorgungsbilanz Unterfranken 2025"

Karte der drei Planungsregionen, mehrheitlich uneingeschränkte Versorgungssicherheit in allen drei Regionen, aber mögliche Einschränkungen oder starke Einschränkungen im Werntal, Mündungsbereich Fränkische Saale und Spessart - vornehmlich Gebiete mit nur einzelnen Gewinnungsanlagen oder Wasserfassungen. Bild vergrössern Versorgungssicherheit in Unterfranken unter Annahme des Klimawandels, "Ausbau-Variante"

Die erste derartige "Wasserversorgungsbilanz" liegt seit 2010 für den Regierungsbezirk Unterfranken vor. In dieser Studie wurden die 311 dortigen Wasserversorgungsunternehmen (Wasseraufkommen mehr als 5.000m3/a) hinsichtlich der Versorgungssicherheit nachvollziehbar bewertet und ausführlich die hierbei zu beachtenden Rahmenbedingungen dargestellt (Link s.u.). Im Ergebnis kann davon ausgegangen werden, dass in der Summe das zur Verfügung stehende Dargebot derzeit den mittleren Jahresbedarf in Unterfranken abdeckt. Allerdings zeigen sich Bilanzdefizite bei der Abdeckung des Tagesspitzenbedarfs in den Sandsteingebieten von Odenwald und Spessart, zum Teil auch in der Rhön. Unter dem Einfluss des Klimawandels wird sich der in Trockenzeiten oftmals ausgeprägte Rückgang der Quellschüttungen bzw. des nutzbaren Dargebotes verstärken und jahreszeitlich verschieben (vom Herbst in Richtung Sommermonate). So ist zu erwarten, dass die Zahl der Bilanzgebiete und Wasserversorgungsunternehmen mit ausgeprägten Defiziten bis zum Jahr 2025 zunehmen wird. In der vom Klimawandel beeinflussten Bilanzbetrachtung wird bereits berücksichtigt, dass aufgrund der geringeren Sommerniederschläge und des verstärkten Auftretens von Trockenperioden die Quellschüttungsminima häufiger bereits im (Spät-) Sommer und nicht erst im Herbst/Winter auftreten. Hieraus ergibt sich eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass diese Defizitzeiten mit den Zeiten des Tagesspitzenbedarfs (meist Juni bis August) zusammenfallen.

Handlungsfeld Niedrigwassermanagement

Schematische Darstellung der qualitativen und quantitativen Auswirkungen von Niedrigwasser auf die Wasserwirtschaft: Wasserkraftanlagen, Schifffahrt und Güterverkehr, Landwirtschaftliche Bewässerung nur quantitativ; Speicherbewirtschaftung, Fischerei und Teichwirtschaft mehr quantitativ als qualitativ; Trinkwasserversorgung, Tourismus, Freizeit und Erholung gleichsam qualitativ und quantitativ; Abwasserbeseitigung, Wärmeeinleitungen mehr qualitativ als quantitativ; Gewässerqualität nur qualitativ. Bild vergrössern Von Niedrigwasser betroffene Nutzungsbereiche

Auch unter den besonderen Bedingungen, die sich im Zuge von Niedrigwasserereignissen ergeben, existieren bereits eine Reihe von wasserwirtschaftlichen Maßnahmen zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ressource Wasser: Zu den kurzfristigen operationellen Maßnahmen zählt beispielsweise die Regulierung von Wärmeeinleitungen bei Erreichen bestimmter Grenzwerte der Wassertemperatur. Ein wichtiges Beispiel für langfristige Maßnahmen ist die Errichtung und Nutzung von Speichern zur Niedrigwasseraufhöhung durch das Überleitungssystem Donau-Main.

Derzeit befindet sich am LfU ein Pilotprojekt zum Niedrigwassermanagement in Arbeit. Hierbei sollen in Zusammenarbeit mit Behörden und lokalen Akteuren in einem ausgewählten Gebiet in Unterfranken Handlungsstrategien für den Fall zukünftiger Niedrigwassersituationen erarbeitet werden.