Lufttemperatur

Die Lufttemperatur spielt im globalen und regionalen Wasserkreislauf eine besondere Rolle, da sie maßgeblich die Verdunstung und damit auch das Niederschlagsgeschehen beeinflusst. Deshalb ist auch die Kenntnis über deren Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten aus wasserwirtschaftlicher Sicht von besonderem Interesse. Statistische Untersuchungen für Süddeutschland wurden im Rahmen des Kooperationsvorhabens KLIWA durchgeführt und im LfU weiter für Bayern ausgewertet. Zur besseren Übersicht wurden die Messungen der Temperatur nicht stationsbezogen ausgewertet, sondern regional zusammengefasst. Ergebnisse liegen demnach vor für:

  • Ganz Bayern
  • Flussgebietseinheiten gemäß der Wasserrahmenrichtlinie
  • Teileinzugsgebiete gemäß Vereinbarungen im Projekt KLIWA

In den Jahren von 1931 bis 2010 hat sich die Jahresmitteltemperatur in Bayern im Schnitt um 1,1 °C erhöht. Dabei hat sich der Erwärmungstrend seit 2000 noch weiter verstärkt. Acht der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen (rote Schrift) liegen in Bayern nach der Jahrtausendwende. Deutschlandweit sind es immerhin noch sieben Jahre. Auch insgesamt übersteigen nahezu alle Jahresmitteltemperaturen nach 2000 den langjährigen Durchschnitt der Bezugsperiode 1971-2000; dies zum Teil erheblich. Das kürzlich zurückliegende Jahr 2014 ist dabei Spitzenreiter: Es war vor allem in Bayern fast 2°C wärmer als der Durchschnitt. Interessanterweise war dagegen das in Deutschland zu kalte Jahr 2010 weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Balkendiagramm Erläuterung in nachfolgender Textdatei Bild vergrössern Die 10 wärmsten Jahre in Deutschland bzw. Bayern seit 1931 bis 2015

Bei den ermittelten Trends treten bei detailierterer Betrachtung räumliche und saisonale Unterschiede auf.

Bayernkarte mit Markierung von Süd- und Nordbayern Bild vergrössern Räumliche Aufteilung Nord- und Südbayern

Die nachfolgende Übersichtstabelle zeigt neben den ermittelten jährlichen Veränderungen auch die saisonalen Veränderungen in Nord- und Südbayern. Generell unterscheiden sich Nord- und Südbayern nur unwesentlich, meist mit einem geringfügig höheren Trend in Südbayern. Die stärkste Erwärmung findet im Winter mit +1,7 bzw. +1,8 °C statt, während die geringste Erwärmung im Herbst mit +0,4 °C zu beobachten ist. Der Frühling und der Sommer verhalten sich sehr ähnlich mit Erwärmungen von +0,9 bis +1,2 °C.

Übersicht über die Änderung des klimatologischen Mittels der Lufttemperatur für das hydrologische Jahr und die meteorologischen Jahreszeiten im Zeitraum 1931–2010 (Legende zur Farbgebung siehe Abbildung Ringdiagramm), Quellen: KLIWA/DWD
Trend [°C] 1931 - 2010 Bayern Nordbayern Südbayern
Jahr (November bis Oktober) 1,1 1,0 1,1
Frühjahr (März bis Mai) 1,1 1,0 1,2
Sommer (Juni bis August) 1,0 0,9 1,1
Herbst (September bis November) 0,4 0,4 0,4
Winter (Dezember bis Februar) 1,7 1,7 1,8

Im Vergleich zu den Quartalen geben Monatsmittelwerte einen detaillierteren Eindruck von den gemessenen saisonalen Klimaveränderungen.

Ringdiagramm. Erläuterung im nachfolgenden Text Bild vergrössern Trend der Gebietsmitteltemperatur in Bayern 1931-2010 in °C/80 Jahre

Das Ringdiagramm zeigt hierzu übersichtlich in einer Abbildung die Veränderungen der Jahres-, Jahreszeiten- und Monatsmittelwerte des Flächenmittels für ganz Bayern. Dabei ist ersichtlich, dass die Temperatur in den einzelnen Monaten durchaus unterschiedlich zugenommen hat. Im September wird sogar seit 1931 ein minimaler Rückgang ermittelt, wobei diese geringen Veränderungen nicht signifikant sind. Die Zuverlässigkeit der Aussage ist demnach nicht gesichert. Die stärkste Erwärmung für Bayern wurde hingegen in den Monaten Januar und Februar, also im Winter, registriert (maximale Erwärmung der Monatsmitteltemperatur von 1931 bis 2010 von ca. 2 °C). Bei der Betrachtung einzelner Monate ist zu beachten, dass hier stets mit stärkeren Schwankungen gerechnet werden muss als z.B. bei den Jahreszeiten- oder Jahresmittelwerten.

Bayernkarte mit einer Übersicht zu KLIWA-Regionen und -Untersuchungsgebieten Bild vergrössern Übersicht KLIWA-Regionen und -Untersuchungsgebiete

Im Betrachtungszeitraum war im Sommerhalbjahr ein bayernweiter signifikanter Anstieg der Lufttemperatur zwischen 0,6 und 1,0 °C zu verzeichnen, im Winterhalbjahr zwischen 1,2 und 1,4 °C. Dabei traten in Unter- und Mittelfranken geringere Änderungen als im übrigen Bayern auf.
Ergänzende Aussagen dazu gibt der KLIWA-Monitoringbericht 2011.

Bayernkarte mit Temperaturtrends Bild vergrössern Entwicklung der mittleren Lufttemperatur im hydrologischen Sommer- und Winterhalbjahr, Trend im Zeitraum 1931 - 2010 (°C/80a); Daten: DWD

Nach Untersuchungen von KLIWA (Heft 5) decken sich die Temperaturzunahmen im Jahresabschnitt Dezember bis März mit einer veränderten Häufigkeit der Wetterlagen. In diesen Monaten (insbesondere im Dezember) ist die Häufigkeit der West- und Südwestlagen, bei denen im Winterhalbjahr relativ milde ozeanische Luftmassen nach Mitteleuropa herangeführt werden, gestiegen. Abgenommen haben hingegen die winterkalten Nord- und Nordost-, Ost- und Südostlagen.

Die Änderung der Lufttemperatur beeinflusst auch maßgeblich die Entwicklung von Pflanzen und Tieren im Jahresverlauf ("Phänologie"), indem sie vor allem den Vegetationsbeginn im Frühjahr vorverlagert. Damit ändert sich letztlich auch die innerjährliche Verteilung des Verdunstungs- und Abflussverhaltens.