Exkurs: Risikomanagement im Alltag

Unser Leben ist voller Risiken und der Umgang damit gehört zum Alltag. Wir betreiben jeden Tag, meist sogar unbewusst, Risikomanagement und wägen Aufwand und Nutzen einer Handlung ab. Ein Beispiel hierfür ist das Autofahren: Zugunsten der Vorteile, die uns die Mobilität bietet, nehmen wir die Risiken in Kauf und haben gelernt damit umzugehen. Der Mensch hat das Risikomanagement im Bereich des Autofahrens nahezu optimiert. Wie auch beim Hochwasserschutz, wird das Risiko handhabbar, wenn alle Komponenten des Risikokreislaufs ineinander greifen. Hierzu muss jeder Akteur seine Verantwortung wahrnehmen: Von Staat und Kommunen (Straßenbau, rechtliche Rahmenbedingungen), über den Rettungsdienst und die Wirtschaft (Sicherheit von Fahrzeugen, Versicherungen), bis hin zu jedem einzelnen Autofahrer, der sein Risiko, z.B. durch korrektes Verhalten im Straßenverkehr, beeinflusst.

Risikokreislauf Autofahren: Ereignis ein Unfall. Als direkte Nachsorge wird bespielhaft der Rettungsdienst und das Absetzen eines Notrufs genannt. Für den Aspekt Vermeidung dienen TÜV und Aufklärung. Aspekt Schutz wird durch Anschnallgurte, Airbag, Schilder und Ampeln sowie Straßenbau verdeutlich. Ein Autofahrer sorgt vor durch Erste-Hilfe-Kasten oder eine Unfallversicherung abschließt. Bild vergrössern Risikokreislauf am Beispiel des Autofahrens

Beim Vergleich der Eintrittswahrscheinlichkeit eines Hochwassers mit unterschiedlichen Alltagsrisiken wird deutlich, dass unsere persönliche Risikowahrnehmung nicht immer dem tatsächlichen "objektiven" Risiko entspricht. So beeinflussen unter anderem unsere individuellen Erfahrungen mit einer Gefahr die Wahrnehmung eines zukünftigen Risikos. Auch die Berichterstattung in den Medien prägt unsere Wahrnehmung von Risiken. Weiterhin gibt es Faktoren, die zu einer Verringerung der Risikowahrnehmung führen, wie beispielsweise der Gewöhnungseffekt gegenüber einer Naturgefahr, der eine Abstumpfung bewirken kann. Die persönliche Risikowahrnehmung bestimmt letztendlich auch, ob wir Maßnahmen der Eigenvorsorge für notwendig erachten und ergreifen, oder nicht. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Autounfall zu verunglücken ist geringer, als die Eintrittswahrscheinlichkeit eines 150-jährlichen Hochwassers. Während die meisten Menschen wahrscheinlich wissen, wie sie sich bei einem Autounfall zu verhalten haben, bleibt fraglich ob auch allen Betroffenen das richtige Verhalten im Hochwasserfall bekannt ist.

Vergleich der Eintrittswahrscheinlichkeiten verschiedener Ereignisse *
Ereignis Bezugsgröße Wahrscheinlichkeit, Ereignis innerhalb eines Menschenlebens zu erleben in %
Tod durch Blitzschlag Deutschland (jährlicher Maximalwert) 0,001
Erleben eines HQ1000 (oder größer) Flussanwohner 8
Erleben eines HQ500 (oder größer) Flussanwohner 15
Verunglücken mit PKW (mit leichter, schwerer Verletzung oder Todesfolge) bei 10.000 gefahrenen km/Jahr (Deutschland 2012) 18
Vergiftung Deutschland 33
Erleben eines HQ150 (oder größer) Flussanwohner 41
Unfall am Arbeitsplatz Erwerbstätige in Deutschland 45
Verletzen beim Skifahren Skifahrer Deutschland (Saison 2012/2013) 46
Erleben eines HQ100 (oder größer) Flussanwohner 55
Unfall beim Sport Deutschland (2000) 68
Erleben eines HQ10 (oder größer) Flussanwohner 80

* Beim Tod durch Blitzschlag, Erleben eines HQx, Verunglücken mit PkW und bei Vergiftung, wurde die Wahrscheinlichkeit für 80 Jahre berechnet, bei Skiverletzungen und Sportunfall für 60 Jahre, beim Unfall am Arbeitsplatz, für 45 Jahre berechnet.