Flutpolder in Bayern

Ein Flutpolder ist ein eingedeichtes Gebiet mit geringem Schadenspotenzial, das bei extremen Hochwasserereignissen als Retentionsraum dient. Die Flutung kann über feste Überlaufstrecken (ungesteuerte Flutpolder) oder gesteuerte Einlaufbauwerke (gesteuerte Flutpolder) erfolgen. Flutpolder sollen in Bayern dazu eingesetzt werden, die Sicherheit unterhalb liegender technischer Hochwasserschutzanlagen bei Abflüssen, die deren Bemessungshochwasser überschreiten, zu erhöhen. Dabei werden die in der Regel nur land- und forstwirtschaftlich genutzten Bereiche hinter den Schutzanlagen geflutet, um die Gefahr eines unkontrollierten Versagens von Deichen im Unterlauf des Gewässers zu vermindern. Dies kann bei gesteuerten Flutpoldern gezielt geschehen, kurz bevor die Hochwasserwelle ihre Spitze erreicht. Auf diese Weise lassen sich Hochwasserscheitel effektiv reduzieren. Bei sinkenden Pegeln wird die zurückgehaltene Wassermenge dann wieder in den Fluss abgegeben.

Luftbild mit landwirtschaftlich geprägtem Gebiet des Flutpolders Weidachwiesen vor Baubeginn. Die zukünftigen Ausmaße und die Abgrenzug durch den Damm sowie Einlass und Auslass sind im Luftbild eingezeichnet.Bild vergrössern Standort des Flutpolders Weidachwiesen

In Bayern ist der Flutpolder Weidachwiesen an der Iller oberhalb der Stadt Kempten fertiggestellt. Der vom Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt geplante Flutpolder Riedensheim an der Donau ist seit Frühjahr 2015 im Bau. Für den Flutpolder Feldolling an der Mangfall wurde im Dezember 2014 der Planfeststellungsbeschluss durch die zuständige Regierung von Oberbayern erteilt und das WWA Rosenheim steigt damit 2015 in die Ausführungsplanung ein.

Flutpolder an der Donau

Weitere Flutpolderstandorte sind entlang der Donau vorgesehen, um dort die Gefahr einer Überlastung der Hochwasserschutzanlagen zu vermindern. Die Technische Universität München, Lehrstuhl für Wasserbau und Wasserwirtschaft, hat hierzu mehrere Studien im Auftrag der bayerischen Wasserwirtschaftsverwaltung erstellt.

In der Studie "Verzögerung und Abschätzung von Hochwasserwellen entlang der bayerischen Donau" (2012) wurde zunächst in einer historischen Betrachtung ein Vergleich des Donauzustands von 1800 mit dem heutigen Zustand vorgenommen. Mit Hilfe umfangreicher Computersimulationen wurden die Veränderungen an der Donau, insbesondere der Verlust von Retentionsräumen durch Deich- und Dammbauten, untersucht. Anschließend wurden die Auswirkungen des Retentionsraumverlusts auf den Hochwasserabfluss ermittelt. Ausgehend vom historischen Überschwemmungsgebiet wurden mögliche Flutpolderstandorte identifiziert sowie deren örtliche und überörtliche Wirkung entlang der gesamten bayerischen Donau nachgewiesen.

In einer darauf aufbauenden "Vertieften Wirkungsanalyse" (2014) wurde neben ergänzenden Untersuchungen insbesondere eine Priorisierung der 12 an der Donau geeigneten Flutpolderstandorte vorgenommen.

Die Ergebnisse sind in den Berichten der TU München von 2012 bzw. 2014 zusammengefasst.


Die Donau in der Gegend von Riedensheim. Die Donau ist von Waldflächen umgeben.Bild vergrössern Geplanter Standort des Flutpolders Riedensheim.
Foto: Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt

Im Rahmen des "Hochwasserdialogs vor Ort" wurden Anfang 2015 für alle geplanten Standorte entlang der Donau Diskussionsveranstaltungen mit den Bürgerinnen und Bürgern in den betroffenen Regionen durchgeführt. Für sechs Flutpolderstandorte, die sich bei der Priorisierung als besonders wirksam herausgestellt haben, ist der Einstieg in die Vorplanung vorgesehen. An diesen Standorten werden 2015 weitere Workshops und Arbeitskreise insbesondere zu den Themenbereichen Grundwasser, Infrastruktur, Landwirtschaft und Naturschutz durchgeführt. Die Ergebnisse sollen in die weitere Planung mit einfließen.

Inn / Main

An Inn und Main sollen Studien zur Identifikation und Voruntersuchung von geeigneten Standorten durchgeführt werden.

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