Hochwasservorsorge

Ziel der Vorsorge ist es, auf künftige Hochwasserereignisse vorbereitet zu sein und diese besser zu bewältigen. Denn bei allen Anstrengungen zur Vermeidung und zum Schutz vor Hochwasser durch natürlichen Rückhalt oder technische Maßnahmen, verbleibt immer ein Restrisiko: es kann sein, dass bei einem extremen Hochwasser die Schutzanlagen nicht ausreichen, ein technisches Versagen auftritt oder auch Bereiche verbleiben, die nicht sinnvoll und ausreichend geschützt werden können. Hier setzen die Vorsorgemaßnahmen an, die das Hochwasserrisiko verringern und die dann noch auftretenden Schäden im Hochwasserfall so weit wie möglich reduzieren sollen. Dafür müssen sowohl staatliche Akteure als auch die Bürger ihren Beitrag leisten.

Der Staat und die Kommunen sorgen durch planerische Maßnahmen und durch umfassende Information dafür, dass Schäden bei einem Hochwasserereignis möglichst gering bleiben und die Bevölkerung für die Gefährdung sensibilisiert ist. Der Bürger selbst kann durch Maßnahmen der Eigenvorsorge Schäden minimieren bzw. das verbliebene Restrisiko finanziell absichern.

Verantwortliche für die Hochwasservorsorge
Staatliche/kommunale Vorsorge Eigenvorsorge
Einhergehend mit dem Aspekt "Vermeidung" Freihalten von Überschwemmungsgebieten, Bereitstellung von Gefahren- und Risikokarten, Flächenvorsorge Einhergehend mit dem Aspekt "Vermeidung" Nutzung bestimmter Baumaterialien und Nutzungskonzepte, Bauvorsorge
Hochwasservorhersage- und –warnung (Hochwassernachrichtendienst) Risikovorsorge (Versicherungen)
Katastrophenmanagement (Alarm- und Einsatzpläne) Verhaltensvorsorge (Checklisten)

Staatliche und kommunale Vorsorge

Neben den Maßnahmen der Vermeidung von Schadenpotenzialen, die natürlich auch vorsorgenden Charakter haben, stellt die Vorsorge durch den Staat und die Kommunen weiterhin einen wesentlichen Baustein im Aktionsprogramm 2020plus dar.

Basis für alle Vorsorgemaßnahmen bilden grundlegende Informationen, die auf landesweiter Ebene bereitgestellt und ständig weiter ergänzt, verbessert und aktualisiert werden. Zwei wesentliche Arten der Information können dabei unterschieden werden:

  • Informationen über Hochwassergefahren und –risiken:
    Grundsätzliche Daten über eine möglicherweise bestehende Hochwassergefahr und dem damit verbundenen Risiko in einem Gebiet finden sich in der Informationsdiensten. Sie geben Antwort auf die Frage "An welcher Stelle besteht Gefahr?". Im Online-Kartendienst "Informationsdienst Überschwemmungsgefährdete Gebiete" (IÜG) werden neben den rechtlichen Überschwemmungsgebieten auch Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten für verschiedene Hochwasserszenarien veröffentlicht. Durch die Darstellung des Zusammenhangs zwischen der betroffenen Fläche und deren Nutzung in den Risikokarten, wird eine Einschätzung der potentiellen Hochwasserschäden ermöglicht. Zur Verdeutlichung des Restrisikos, das auch außerhalb festgesetzter Überschwemmungsgebiete oder hinter technischen Hochwasserschutzeinrichtungen verbleibt, werden von der Wasserwirtschaftsverwaltung auch Karten für extreme Hochwasserereignisse (HQextrem) erarbeitet. Aus ihnen wird ersichtlich, welche Folgen sehr selten eintretende Hochwasserereignisse haben können, wenn weiter vom Gewässer entfernte Flächen überflutet werden oder Schutzeinrichtungen versagen. Die Karten stellen damit eine gute Grundlage für eine Diskussion über den Umgang mit dem Restrisiko und für die Planung von Maßnahmen der Eigenvorsorge dar.


  • Informationen über die aktuelle Hochwassersituation:
    Aktuelle Informationen können in den Warndiensten abgerufen werden. Sie geben Antwort auf die Frage "Wie hoch steht das Wasser gerade in meiner Gemeinde?". In Bayern werden für insgesamt 40 Flüsse mit rund 5.000 Flusskilometern Hochwasserwarnungen erstellt: 320 Pegel liefern Wasserstands- und Abflussmeldungen, die zu Hochwasserzeiten stündlich im Internet zur Verfügung gestellt werden. Oft entscheidet die Vorwarnzeit über das Ausmaß der Schäden eines Hochwassers. Daher verfügt die Wasserwirtschaftsverwaltung über ein modernes Frühwarnsystem. Durch die Warndienste im Internet, Radio, Fernsehen, Presse, Videotext und per Telefonansage werden die Vorhersagen, wie sich die Situation weiter entwickeln wird, der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Dies ermöglicht den Bürgern angemessen reagieren zu können und zielgerichtet weitere Schritte einzuleiten. Die Hochwasservorhersage stößt jedoch in kleinen Einzugsgebieten an ihre Grenzen. Dort ist die Zeit zwischen dem Niederschlagsereignis und dem Hochwasser oftmals zu kurz für eine Warnung der Betroffenen.

Karte mit den größten bayerischen Gewässern. An den Flüssen sind mit grünen Punkten die Meldepegel eingezeichnet, die Wasserstands- und Abflussmeldungen liefern und im Hochwasserfall die Grundlage für Hochwasserwarnungen bilden.Bild vergrössern Meldepegel in Bayern

Um frühzeitiger und präziser warnen zu können, werden die vorhandenen Systeme permanent weiterentwickelt. Auch die Erfahrungen bei der Bewältigung vergangener Hochwasserereignisse, z.B. dem Hochwasser im Juni 2013, fließen hierbei ein. Zudem ist den neuesten technischen Entwicklungen wie auch den Weiterentwicklungen der Niederschlagsvorhersagen der Wetterdienste Rechnung zu tragen. So hat das Aktionsprogramm 2020plus unter anderem die Weiterentwicklung und Pflege der Vorhersagemodelle und -werkzeuge, insbe¬sondere im Hinblick auf besondere Situationen (z.B. Deichbrüche), die Verbesserung der Vorhersagegüte und die Vertiefung der Grundlagen für eine Hochwasserwarnung für kleine Gebiete zum Ziel.

Alarm und Einsatzpläne

Mit diesen Informationen können alle Beteiligten in Ihrem Bereich die nötigen und sinnvollen Maßnahmen ergreifen. Ein ganz wesentlicher Baustein einer wirksamen Vorsorgestrategie ist eine rechtzeitige Vorbereitung auf den "Ernstfall": So sollten in bestmöglicher Zusammenarbeit aller Beteiligten die Notfallpläne für Hochwasserereignisse aktualisiert und verbessert werden. Hier wirken Wasserwirtschaft, Gemeinden, und Katastrophenschutz eng zusammen.

Regelmäßige Übungen, wie im Fall der Fälle schnell und richtig gehandelt wird, ergänzen die bestmögliche Vorbereitung auf den Hochwasserfall. Auch hier arbeiten Wasserwirtschaft und die Katastrophenschutzbehörden eng zusammen.

Auf Gemeindeebene erleichtern örtlich angepasste Alarm- und Einsatzpläne den Hilfskräften das Eingreifen und sorgen für eine zügige Information aller Betroffenen. So können Güter rechtzeitig aus der Gefahrenzone entfernt werden, Verkehrswege gesperrt, Versorgungsanlagen (Gas, Wasser, Strom und Öl) gesichert und Evakuierungen vorgenommen werden. Der Bayerische Gemeindetag hat den Praxisratgeber "Hochwasserschutz für Kommunen" herausgegeben, der die Städte und Gemeinden bei ihren Planungen unterstützt. Für Gemeinden stellt das Audit "Hochwasser – wie gut sind wir vorbereitet?" (Merkblatt 551 der Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA)) eine gute Möglichkeit dar, Schwachstellen und den aktuellen Stand der Vorsorge zu identifizieren und weiter zu verbessern.

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