Vermeidung

Der Aspekt Vermeidung hat zum Ziel neue Schadenspotenziale in Gefahrengebieten zu vermeiden und bereits bestehende Risiken zu reduzieren. Die wirkungsvollste Strategie gegen Hochwasserschäden besteht deshalb darin, sensible Nutzungen in hochwassergefährdeten Gebieten zu vermeiden, die vorhandenen Nutzungen an das Hochwasserrisiko anzupassen oder bauliche Vorkehrungen zu treffen.

Sensible Nutzungen vermeiden

Werden natürliche Überschwemmungsgebiete vom Menschen genutzt, drohen gerade dort Schäden durch Hochwasser. Insbesondere durch die Entstehung von Siedlungen in diesen Gebieten werden hochwertige Nutzungen dem Hochwasserrisiko ausgesetzt. Die wirksamste Vermeidung von Hochwasserschäden ist deshalb der generelle Verzicht der Bebauung auf diesen Überschwemmungsflächen, sodass neue Risiken erst gar nicht entstehen. Die Flächenvorsorge bleibt ein wichtiges Ziel der Hochwasserschutzpolitik des Freistaats Bayern und muss auch in Zukunft weiter intensiviert werden. Um hochwassergefährdete Flächen konsequent von neuer Bebauung freizuhalten, hat sich das Instrument der Ermittlung und Festsetzung von Überschwemmungsgebieten als besonders effektiv erwiesen. In Einzelfällen kann auch eine Verlegung von Gebäuden oder Anlagen aus dem Gefahrengebiet heraus im Vergleich zu Schutzmaßnahmen sinnvoll und wirtschaftlich sein.

Kartenausschnitt mit einem Gewässer, das hauptsächlich durch landwirtschaftlich genutzte Gebiete verläuft und erst am oberen rechten Bildrand an besiedelte Bereiche grenzt. Entlang des abgebildeten Flusses breiten sich an beiden Seiten in blau dargestellte Überschwemmungsgebiete aus. Unterschiedliche Blautöne der Flächen entlang des Gewässers verdeutlichen verschiedene Wassertiefen im Hochwasserfall: Dunkelblaue Flächen, die häufig aber nicht ausschließlich in direkter Nähe zum Fluss liegen, repräsentieren einen höheren Wasserstand als die Mittel- und Hellblauen Flächen, die meist in weiterer Entfernung zum Fluss liegen. Der Kartenausschnitt zeigt, dass in einem Hochwasserfall auch die besiedelten Bereiche von unterschiedlichen Wassertiefen betroffen wären. Bild vergrössern Darstellung der Wassertiefen im Hochwasserfall aus dem Informationsdienst Überschwemmungsgefährdete Gebiete (IÜG)

Festgesetzt werden Überschwemmungsgebiete, die bei einem 100-jährlichen Hochwasser (HQ100) überschwemmt werden. In den letzten Jahren hat die bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung entlang von zahlreichen Gewässern Überschwemmungsgebiete ermittelt und die Unterlagen an die Kreisverwaltungsbehörde übergeben, die diese dann in einem Rechtsverfahren sichert. Die Städte und Gemeinden müssen Überschwemmungsgebiete in ihren städtebaulichen Planungen berücksichtigen und dürfen dort keine neuen Baugebiete ausweisen.

Bestehende Siedlungen, die im festgesetzten Überschwemmungsgebiet liegen, genießen zwar Bestandsschutz, jedoch gelten auch hier einige Auflagen, wie z.B. die Heizöllagerung regelmäßig von anerkannten Sachverständigen überprüfen zu lassen oder neue Gebäude hochwasserangepasst zu errichten und den Verlust an Rückhalteraum auszugleichen. Dadurch soll vermieden werden, dass das Risiko zunimmt. Die in Bayern vorläufig gesicherten und festgesetzten Überschwemmungsgebiete können im "Informationsdienst überschwemmungsgefährdete Gebiete" (IÜG) eingesehen werden.

Nutzungen anpassen – angepasst bauen

Eine sinnvolle Strategie, um Hochwasserschäden vorzubeugen, ist das hochwasserangepasste Bauen bzw. Nachrüsten. Als Beispiele können wasserdichte Kellerfenster oder die Höherlegung elektrischer Leitungen genannt werden. Sinnvoll ist dies vor allem in Siedlungen, in denen keine oder unzureichende Hochwasserschutzeinrichtungen vorhanden sind. Aber auch hinter Deichen oder in Gebieten, die bei einem Extremhochwasser betroffen wären, kann es sinnvoll sein, bauliche Vorkehrungen gegen Hochwasser-und Grundwasserschäden zu treffen.

Zwei aneinander grenzende Häuser, die beide einen Kellerabgang besitzen. Diese können durch Klappen, welche wie eine Art Flügeltür aussehen, abgedichtet und verschlossen werden. Bild vergrössern Beispiel für Hochwasserangepasste Bauweise: Abdichtung eines Kellerabgangs

Bauvorsorge gehört zur Eigenvorsorge und liegt somit in der Zuständigkeit des Bauherrn. Der Staat hat in diesem Bereich nur begrenzte Einflussmöglichkeiten. Er kann jedoch mit gutem Beispiel vorangehen und eigene Gebäude entsprechend hochwasserangepasst bauen oder nachrüsten und diese als "Good practice"-Beispiele publik machen. Der Freistaat Bayern strebt an, Konzepte des hochwasserangepassten Bauens verstärkt in der Forschung und der Hochschulausbildung für Architekten und Ingenieure zu etablieren.

Wohnhaus steht auf Betonsäulen in einem Bereich, der von Hochwasser durchflossen werden kann. Dahinter ist die Hochwasserschutzmauer aus Beton. Bild vergrössern Beispiel für hochwasserangepasste Bauweise: Aufständern von Gebäuden

Nicht zuletzt ist zu beachten, dass Wasser nicht nur "von oben", sondern auch "von unten" kommen kann. Hohe Grundwasserstände nahe den Flüssen und/oder nach längeren Regenfällen stellen ein nicht zu vernachlässigendes Risiko dar. Hier ist jeder Einzelne verantwortlich, sich zu informieren und die nötigen Vorkehrungen zu treffen.

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