Zurückhalten: Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken

Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken, mit denen das Wasser von dem zu schützenden Bereich ferngehalten werden sollen, stellen ein zentrales Instrument des technischen Hochwasserschutzes dar. Abhängig vom verfügbaren Hochwasserrückhalteraum und der Topografie des Flussgebietes wirken sie sich auch auf längere Flussstrecken hochwasserdämpfend aus. Dies unterscheidet Speicher von Hochwasserschutzanlagen wie Deiche und Mauern, deren Schutz überwiegend lokal begrenzt ist und die für Unterlieger mitunter eine abflussverschärfende Wirkung haben können. Diese muss durch geeignete Maßnahmen ausgeglichen werden.

Hochwasserrückhaltebecken sind Stauanlagen, die entweder direkt vom Fließgewässer durchströmt werden (im Hauptschluss)oder seitlich des Fließgewässers liegen (im Nebenschluss). Sie können jeweils ungesteuert oder gesteuert betrieben werden. Die Steuerung bietet den Vorteil, dass der verfügbare Rückhalteraum besser ausgenutzt werden kann. Als nachteilig kann aber der erhöhte Aufwand und die Abhängigkeit von guten Hochwasserprognosen angesehen werden.
Der Freistaat Bayern hat seit 1954 insgesamt 25 überregional wirkende große im Dauerstau befindliche Hochwasserrückhaltebecken und Talsperren errichtet, die insgesamt ein Hochwasserrückhaltevolumen von bis zu 220 Millionen Kubikmeter gewährleisten und für die bisher über 1 Mrd. Euro investiert wurden.

Grafik mit Möglichkeiten für die Lage eines Hochwasserrückhaltebecken am Fluss dar. Das obere Bild zeigt ein Hochwasserrückhaltebecken im Hauptschluss bei dem der Flusslauf, dargestellt durch einen blauen Streifen, durch eine Absperrbauwerk unterbrochen ist. Dies können z.B. Staudämme oder Staumauern sein. Im unteren Bild liegt das Hochwasserrückhaltebecken im Nebenschluss. Der Rückhalteraum neben dem Fluss wird durch Trenndeiche und –dämmen vom Fluss abgegrenzt und ist mit Einlass und Auslaufbauwerken versehen um ihn im Hochwasserfall gezielt zu fluten. Bild vergrössern Hochwasserrückhaltebecken im Hauptschluss und im Nebenschluss

Flutpolder stellen ein Beispiel für ein Hochwasserrückhaltebecken im Nebenschluss dar. Sie werden eingesetzt, wenn die Überlastung unterhalb liegender Schutzbauwerke droht. Durch Einlassbauwerke bzw. Überlaufstrecken kann der Retentionsraum geflutet und so das Risiko eines Überlastfalls gesenkt werden.

Die Wirkung von Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken wurde letztmalig während des Hochwassers 2013 eindrucksvoll bestätigt. Die im zeitlichen Rahmen des Aktionsprogramms 2020 (AP 2020) in Betrieb genommenen 62 Hochwasserrückhaltebecken haben ihren Teil dazu beigetragen, dass die Schäden beim Hochwasser 2013 in Relation zu vorhergegangenen Hochwasserereignissen insgesamt geringer ausgefallen sind.

Das haben wir im Aktionsprogramm 2020 schon erreicht

  • Zusätzlicher Schutz von rund 450.000 Einwohnern vor einem 100-jährlichen Hochwasser an Gewässern 1. und 2. Ordnung (durch Speicher und Schutzanlagen).
  • Flutpolder Weidachwiesen an der Iller.

Und darüber hinaus (Auswahl)

  • Förderung von Hochwasserschutzmaßnahmen der Gemeinden an Gewässern 3. Ordnung in Höhe von rund 130 Mio.€ (Speicher und Schutzanlagen).
  • Sanierungen und Nachrüstungen an staatlichen Wasserspeichern.

In Zukunft sollen weitere Standorte für Speicher untersucht und gegebenenfalls realisiert werden. Darüber hinaus soll die Steuerung überregional wirksamer Rückhalteräume zum Hochwassermanagement optimiert werden, was nur auf Basis einer weiteren Verbesserung der Hochwasservorhersagen möglich wird. Die Wirkungen der Rückhaltungen in ihrer Gesamtheit sollen dabei jeweils für ein ganzes Flussgebiet untersucht und bewertet werden. Beides sind wesentliche Bestandteile des erweiterten Rückhaltekonzeptes.

Im Rahmen des Aktionsprogramm 2020plus (AP 2020plus) wird der Ausbau überregional wirksamer Hochwasserrückhaltebecken an Gewässern 2. Ordnung in staatlicher Baulast sowie die Förderung kommunal betriebener Hochwasserrückhaltebecken an Gewässern 3. Ordnung intensiviert. Derzeit sind 17 staatlich betriebene Hochwasserrückhaltebecken fertig gestellt. An Wildbächen kommen darüber hinaus auch Rückhaltebecken zum Feststoffmanagement zum Einsatz, welche die zum Teil enormen Mengen an Kies und Geröll reduzieren sollen.

Das haben wir im Rahmen des Aktionsprogramm 2020plus noch vor

  • Zahlreiche weitere Schutzmaßnahmen an Gewässern 1. und 2. Ordnung mit hoher Priorität (Speicher und Schutzanlagen; ermittelt über sogenannte Basisstudien).
  • Bau neuer Flutpolder.
  • Kontinuierliche Überwachung und Sanierung.

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