Sanierung von Hochwasserschutzanlagen

Trotz einer guten und konstanten Unterhaltung der baulichen Anlagen nagt der Zahn der Zeit an den technischen Schutzeinrichtungen jeglicher Art. Nach einer gewissen Zeit wird die Sanierung einer Hochwasserschutzanlage zur Erhaltung der Schutzwirkung notwendig. Zusätzlich wird im Zuge einer Sanierung eine Anpassung an die sich ändernden technischen Normen, Vorschriften und Gesetze in der langen Betriebszeit der baulichen Schutzanlagen durchgeführt.

Der überwiegende Teil der Deiche in Bayern wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts errichtet und konnte daher die Ende der 1990er-Jahre eingeführten technischen Standards für Hochwasserschutzanlagen nicht oder nur bedingt erfüllen. Viele dieser Bauwerke wurden zudem ursprünglich vorrangig für den Schutz landwirtschaftlicher Flächen angelegt und ihnen fielen erst im Zuge der mittlerweile erfolgten Nutzungsintensivierung in den geschützten Gebieten die heute relevanten Hochwasserschutzfunktionen zu.

Historische Deiche stellen häufig hochwertige Landschaftsbestandteile von Flussauen dar. Eingriffe in diese Naturräume können aufwendige Genehmigungsverfahren sowie umfangreiche Ersatz- und Ausgleichsverfahren erfordern. Häufig stehen Eingriffe in die Auen auch im Widerspruch zu wasserwirtschaftlichen Zielen der Gewässerentwicklung. Daher wurden im Rahmen des Aktionsprogramms 2020 Bauweisen entwickelt, mit denen die ökologischen Funktionen bestehender Deiche erhalten und Eingriffe in den Naturhaushalt sowie privates Grundeigentum vermieden werden können. Neben Stahlspundwänden werden hierzu Bauweisen mit tiefreichenden Bodenverfestigungen (Bodenvermörtelungen) eingesetzt. Aufgrund der deutlich geringeren Aufwendungen für Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen sowie Grunderwerb sind diese angepassten Bauweisen trotz insgesamt etwa 1,5- bis 2,5-fach höheren Baukosten häufig die wirtschaftlichste Lösung. Darüber hinaus sind solche Lösungen überströmbar und erfüllen somit die Vorgaben an resiliente Bauweisen. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, dass bei längerer und höherer Überströmung eine Erosion am Deichkörper stattfindet und die Dichtwand dann teilweise frei steht. Dies muss bei der Berechnung der Statik berücksichtigt werden.

Darstellung eines Sanierungsquerschnitts eines Deiches.Bild vergrössern Deichquerschnitt.
Quelle: Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V., Merkblatt DWA-512-1 "Dichtungssysteme im Wasserbau: Erdbauwerke"

Die geschilderten Vorteile dieser Bauweise rechtfertigen, dass künftig als wichtig eingestufte Deichabschnitte – sogenannte systemrelevante Deiche – grundsätzlich mit Dichtwänden nachgerüstet werden. Wo möglich und sinnvoll, sollten sie auch auf Überströmung ausgelegt und statisch nachgewiesen werden.

Im Zuge des Aktionsprogramms 2020 wurden seit 2001 bereits 300km Deiche saniert und 120km neu gebaut sowie 10km Hochwasserschutzwände saniert und 38km neugebaut. Die sanierten und neu gebauten Bereiche haben sich bei dem Hochwasser 2013 bewährt und den Fluten sicher standgehalten.

Bereits geplante Bau- und Sanierungsmaßnahmen sollen daher zügig abgeschlossen werden. Das prominenteste Beispiel für derzeit laufende Vorhaben an staatlichen Wasserspeichern stellt die Sanierung der Talsperre Sylvenstein dar, die bis 2015 abgeschlossen werden soll. Durch den Einbau einer Dichtwand und die Neuerrichtung eines Sickerwasser-Messsystems werden Funktion und Betrieb langfristig gesichert und die grundlegenden Voraussetzungen für weitere Optimierungen des Betriebsregimes geschaffen.

Die bisher in die Anpassung des technischen Hochwasserschutzes investierten Mittel sind in Anbetracht der privat- wie volkswirtschaftlich immensen Schadenpotenziale in diesen Bereichen mehr als gerechtfertigt. Die Notwendigkeit der kon¬sequenten und beschleunigten Fortführung der noch erforderlichen Sanierungen verdeutlichen nicht zuletzt die verheerenden Auswirkungen der Deichbrüche noch nicht sanierter bzw. angepasster Altdeiche an der Isar (Deggendorf-Fischerdorf) sowie der Donau (Winzer-Auterwörth) während des Hochwassers 2013. Die Sanierung und Anpassung des Bestandes an die geltenden bautechnischen Regeln und die wasserwirtschaftlichen Standards hat daher uneingeschränkt Vorrang.

Deichabschnitt, dessen Krone offen liegt und die darin eingebauten neuen Stahl-Beton-Stützen zu sehen sind.Bild vergrössern Deichsanierungen an der Isar

Weitergehende Sanierungen werden häufig erforderlich, wenn im Rahmen einer grundlegenden Überprüfung Defizite in der Schutzwirkung festgestellt werden oder Systeme hinsichtlich der Resilienz angepasst werden sollen. Hierzu können zusätzlich z.B. gesteuerte Flutpolder oder Überlaufstrecken vorgesehen werden. Lokal können darüber hinaus auch Deichrückverlegungen und Strukturmaßnahmen im Vorland (Flutrinnen, Vorlandabsenkungen) Wasserspiegelabsenkungen bewirken und damit zur Sicherstellung der Hochwasserschutzfunktionen oder zur Verbesserung der Anlagensicherheit beitragen. Rückverlegungen stärken auch den natürlichen Rückhalt. Als alleinige Maßnahmen zur Sanierung technischer Hochwasserschutzanlagen sind sie in der Regel aber nicht ausreichend.