Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Messprogramme und Messhäufigkeit

Untersuchungsprogramme

Die Untersuchungsprogramme für das Landesmessnetz Grundwasserbeschaffenheit werden jährlich geprüft und hinsichtlich Probenahmeturnus, Parameterumfang und Messstellenkontingent neu festgelegt. Seit 2007 werden hierbei insbesondere die Anforderungen der EG-Wasserrahmenrichtlinie berücksichtigt. Parameter die den allgemeinen Zustand des Grundwassers beschreiben (Messprogramm Chemie Standard), werden mindestens einmal jährlich an allen 500 Messstellen untersucht. Auffällige Parameter mit Überschreitung von Grenzwerten nach WRRL und TrinkwV (Metalle, Pflanzenschutzmittel, VOC) werden jährlich aber nur an den betroffenen Messstellen (Trendmessstellen) bestimmt. Für Schadstoffe, die nicht großflächig im Grundwasser gefunden werden (PAK, SHKW), ist die Überwachung auf Teilmessnetze mit größeren Probenahmeintervallen festgelegt.
Die Probenahme erfolgt einmal im Frühjahr/Frühsommer.

Untersuchungsprogramm Probenahme

Probenahme an einer Grundwassermessstelle Bild vergrössern Probenahme an einer Grundwassermessstelle

Der richtige Zeitpunkt für die Probenahme wird beim Abpumpen u.a. anhand der Konstanz von Leitparametern wie Leitfähigkeit, pH-Wert und Sauerstoffgehalt ermittelt und in einem gesonderten Probenahmeprotokoll erfasst.

Die Kenngrößen und Randbedingungen der Probenahme dienen der Interpretation der Messgrößen, der Qualitätssicherung bei der Probenahme und der Prüfung des Zustandes der Messstelle.

Die nachfolgend genannten Parameter sind daher bei jeder Probenahme zu erfassen:

  • Probenahmegerät z.B. Unterwasserpumpe
  • Anlagenzustand
  • Grundwasserstand in Ruhe
  • Quellschüttung
  • Entnahmetiefe
  • Abgesenkter Grundwasserstand
  • Förderdauer des Freipumpens
  • Förderung während des Freipumpens

Untersuchungsprogramm Chemie Standard

Es wird die chemische Beschaffenheit des Grundwassers, deren Veränderung durch langfristige Umwelteinflüsse (z.B. Zunahme der Wasserhärte, Versauerung) sowie diffuse Schadstoffbelastungen aus verschiedenen Herkunftsbereichen erfasst:

  • Färbung, Trübung, Geruch, Wassertemperatur, Spektraler Absorptionskoeffizient 436 nm und 254 nm
  • Leitfähigkeit 20 °C, pH-Wert, Säurekapazität pH 4,3, Basekapazität pH 8,2, Sauerstoff
  • Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Mangan, Eisen
  • Ammonium, Fluorid, Chlorid, Sulfat, Nitrat, Nitrit, o-Phosphat, Kieselsäure, DOC

Untersuchungsprogramm Metalle mit ICP-MS

Bei insgesamt nachlassender Umweltgefährdung durch diffus verbreitete Schwermetalle ist das Grundwasser jedoch weiterhin gefährdet, vor allem bei vorbelasteten Böden, bei Böden mit geringer Retentionskapazität und durch die Wirkungen der atmosphärischen Deposition von Säure bildenden Stoffen. Die untersuchten Parameter decken die Erfordernisse der WRRL im Bereich Grundwasser ab und stellen darüber hinaus Hintergrundwerte für den Fließgewässerbereich zur Verfügung:

  • Aluminium, Antimon, Nickel, Barium, Bor, Cobalt, Kupfer, Lithium, Rubidium, Silber, Strontium, Zink
  • Arsen, Chrom, Cadmium, Quecksilber, Blei, Uran, Vanadium.

Untersuchungsprogramme Pflanzenschutzmittel (PSM)

Probenaufbereitung im Labor Bild vergrössern Probenaufbereitung im Labor

Das Grundwasser ist vielerorts durch Anwendungen von Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmitteln (PSM) und deren Rückständen belastet oder gefährdet. Eine intensive Überwachung ist auf Grund der Gefährdungssituation und zur Trendbewertung von Messdaten im Spurenbereich notwendig.

Neben den Wirkstoffen selbst sind bei der Überwachung von PSM auch Stoffwechselprodukte, Abbau- und Reaktionsprodukte zu berücksichtigen. Untersucht werden dabei vorrangig Metaboliten von Wirkstoffen, die in aktuell zugelassen Pflanzenschutzmitteln enthalten sind. Auffällige Befunde im Grundwasser in den letzten 5 Jahren haben erst zu einer Berücksichtigung dieser Stoffgruppe in der Analytik geführt. Die Parameterlisten werden daher ständig an den aktuellen Wissensstand angepasst.

Mit den Messprogrammen PSM mit HPLC/UV und Saure PSM wird ein wesentliches Spektrum wichtiger PSM abgedeckt.

Ausgewählte Messstellen in potentiellen Belastungsgebieten werden auf Glyphosat und weitere besondere bzw. regionalspezifische Wirkstoffe mit dem Untersuchungsprogramm PSM Sonderanalytik untersucht:

  • Glyphosat
  • Aminomethyl-phosphonsäure (AMPA)
  • Glufosinat-ammonium.

Glyphosat gehört zu den am häufigsten eingesetzten Herbizidwirkstoffen und wird vor allem durch seine Anwendung auf Nichtkulturlandflächen besonders überwacht.

Die Analyse auf PSM-Metaboliten erfolgt insbesondere an potentiell belasteten Messstellen. Der Parameterumfang des Untersuchungsprogrammes mit Aufnahme neuer Metaboliten ist dabei vorrangig vom analytischen Fortschritt, Methodenentwicklung im Labor, abhängig.

Untersuchungsprogramm Flüchtige organische Kohlenwasserstoffe (VOC)

Flüchtige organische Kohlenwasserstoffe können im Untergrund sehr langlebig und mobil sein. Diese Stoffgruppe hat zu massiven Untergrundverunreinigungen geführt. Die Emissionen von VOC sind seit längerem rückläufig. Flächenhaft ausgeprägte Schadensfälle befinden sich meist in der Sanierungsphase. Zur Identifizierung eventueller diffuser Einflüsse werden VOC weiterhin überwacht.

Untersuchungsprogramme SHKW und PAK

Diese langlebigen Schadstoffe sind auf Grund ihrer stofflichen Eigenschaften meist wenig mobil im Untergrund und daher im Grundwasser mit Ausnahme von lokalen Schadensfällen kaum zu erwarten. Eine Beprobung des Gesamtnetzes ist nicht vorgesehen. Es werden Messstellen mit landesweiter Verteilung beprobt, an denen auf Grund spezifischer Einflussfaktoren diffuse Belastungen auftreten können:

Untersuchungsprogramm Radioaktivität

Das Untersuchungsprogramm Radioaktivität dient der Erfassung der im Grundwasser enthaltenen Radionuklide (geogene/anthropogene Belastung):
Tritium, Gamma-Einzelnuklide, Alpha-Einzelnuklide, Sr 90.