Messdaten

Hochdruckflüssigchromatografie
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Hochdruckflüssigchromatografie

Das Grundwasser liefert 92% des Trinkwassers in Bayern. Aus versickernden Niederschlägen wird Grundwasser ständig neu gebildet und im porösen Untergrund bevorratet.

Gelöste Stoffe, zugeführt mit dem Sickerwasser und im Untergrund freigesetzt, bestimmen seinen chemischen Charakter, u.a. seine Härte. Die Zufuhr von Nähr- und Schadstoffen über das Sickerwasser führt zu Belastungen und Verunreinigungen. Abfließendes Grundwasser tritt dann mitsamt seiner Stofffracht an Quellen zu Tage und speist den Basisabfluss der Bäche und Flüsse wie auch grundwasserabhängige Landökosysteme.

Die Grundwasserbeschaffenheit in der Fläche, ihre zeitliche Entwicklung und ihre Beziehung zum Wasser- und Stoffkreislauf werden langfristig in zwei Messnetzen beobachtet:

  • Landesmessnetz Grundwasserbeschaffenheit (270 Messstellen bis 2006, 500 Messstellen seit 2007, bis zu 290 überwachte Stoffe)
  • Messnetz Stoffeintrag-Grundwasser (7 Intensivmessgebiete mit 61 Messstellen, ca. 30 überwachte Stoffe), siehe Kapitel
  • Wasser- und Stoffhaushalt

Großflächig bleibt die Auswaschung von Nitrat und Pflanzenschutzmitteln (PSM) aus landwirtschaftlichen Flächen ein wichtiges Überwachungsthema. Die hieraus resultierende Belastung des Grundwassers wird zusätzlich mit dem operativen Messnetz nach EG-WRRL überwacht.

Balkengrafik: Erläuterung im umliegenden Text
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Entwicklung der Nitratkonzentration im Grundwasser Zeitraum 1991-2011 (kontinuierlich gemessen an 160 Messstellen)

Nitrat-Stickstoff als wesentlicher Pflanzennährstoff stammt aus natürlichen Mineralisierungsprozessen im Boden sowie aus organischen und mineralischen Düngern. Bis zu 15 Milligramm pro Liter Nitrat können natürlicher Herkunft sein. Nitrat ist im Trinkwasser unerwünscht, deshalb gibt die Trinkwasserverordnung einen Grenzwert von 50 mg/l vor. In der europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist ein entsprechender Wert als Qualitätsstandard für das Grundwasser festgelegt. Nitrat trägt auch zur Nährstoffbelastung in Bächen, Flüssen und Meeren bei und wirkt bereichsweise versauernd.

In den vergangenen 2 Jahrzehnten haben sich die durchschnittlichen landesweiten Nitratgehalte im Grundwasser nicht wesentlich verändert. Der Anteil an Messstellen mit Nitratgehalten > 40 mg/l liegt aktuell bei rund 14%.

Flächen-/ Liniengrafik: Erläuterung im umliegenden Text
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Langjährige Entwicklung von Nitratkonzentration und Grundwasserstand einer Messstelle der östlichen Münchener Schotterebene

Im landwirtschaftlich beeinflussten Grundwasser der südbayerischen Schotterplatten liegen die Nitratgehalte verbreitet bei 20 bis 40 mg/l, so auch in der Münchener Schotterebene. Kräftige Grundwasserneubildung ist i.d.R. mit schubweiser Nitratauswaschung aus den Böden, entsprechend einer Konzentrationserhöhung, verbunden. Trotz dieses Effekts wirkten die überdurchschnittlichen Sickerwasserraten der Jahre 1999-2002 (mit Nachlauf im Trockenjahr 2003) in der Summe verdünnend auf die Nitratkonzentration. Seit 2004 nimmt der Nitratgehalt tendenziell ab. Es ist möglich, dass eine Verringerung von Nährstoffüberschüssen im Einzugsgebiet verstärkt zur Wirkung kommt.

Pflanzenschutzmittel sind im Grund- und Trinkwasser ebenfalls unerwünscht, weshalb die Trinkwasserverordnung und die europäische Wasserrahmenrichtlinie für Einzelstoffe einen strengen Grenzwert von 0,1 µg/l vorgeben. Für das Pflanzenschutzmittel Atrazin besteht seit 1991 ein Anwendungsverbot. Allerdings wird Atrazin, wie auch sein Abbauprodukt Desethylatrazin immer noch im Grundwasser nachgewiesen.

Liniengrafik: Erläuterung im umliegenden Text Bild vergrössern Entwicklung der Atrazin- und Desethylatrazinkonzentration einer Karstquelle (Fränkische Alb)

Die Messergebnisse aus dem Landesmessnetz zeigen aktuell für Atrazin an 3,6% der Messstellen eine Grenzwertüberschreitung auf. An weiteren 6% der Messstellen werden erhöhte Konzentrationen von Atrazin nachgewiesen. Langfristig ist mit einem allmählich weiteren Rückgang der Konzentrationen zu rechnen, insbesondere in ehemals hoch belasteten Grundwasservorkommen wie dem Karstgrundwasser der Fränkischen Alb.

Die zu Beginn der Messungen in 2001 mit 0,56 µg/l Atrazin hoch belastete Karstquelle zeigt bis 2011 einen deutlichen Rückgang auf 0,25 µg/l. Parallel hierzu liegt die Desethylatrazinkonzentration grundsätzlich über der von Atrazin und ging seit 2001 von 0,85 auf 0,42 µg/l zurück.

Weiterführende Informationen

Links

  • Hintergrunddokumente (bei der Aufstellung der aktuellen Bewirtschaftungspläne (BP) in Bayern verwendet)