Hochwasser in Wildbächen

Wildbäche im Bergland sind charakterisiert durch:

  • zeitweise hohe Geschiebeführung
  • teilweise hohen Wildholzanfall
  • ein steiles Gefälle der Bachsohle
  • stark und rasch wechselnde Wasserführung
  • relativ kleine Einzugsgebiete (nur etwa 20% aller Wild-
    bäche in Bayern haben ein Einzugsgebiet größer als
    25 km2)

Aus diesen Randbedingung ergibt sich die spezifische Charakteristik der Hochwässer an Wildbächen. Auslösende Wetterlage sind oft starke, heftige Sommergewitter. Niederschläge bis zu 90 Liter pro m2 in nur 30 Minuten wurden bereits gemessen. Dementsprechend rasch und heftig steigt der Abfluss in den Bächen.

Die Abfluss-Spitze wird meist schon in weniger als einer Stunde nach Regenbeginn erreicht, das ganze Hochwasserereignis dauert meist weniger als 1 bis 1,5 Stunden. Aus diesem Grund ist die Vorwarnzeit zu kurz, um einen wirkungsvollen Warndienst einzurichten, wie er für die größeren Talflüsse im Hochwassernachrichtendienst besteht.

Verschärft wird die Situation in Wildbächen noch durch die i.d.R. starke Geschiebeführung und teilweise hohen Wildholzanfall. Durch Ablagerungen im Bachbett oder Verklausung von Brücken kann das Wasser an Stellen ausbrechen, die für den reinen Abfluss ausreichend leistungsfähig wären. Insgesamt machen die komplexen Vorgänge beim Ablauf eines Hochwassers in einem Wildbach sowohl die Bemessung der Bauwerke, als auch die Einschätzung von Gefahrenpotenzialen schwierig. Mit einem Restrisiko muss immer gerechnet werden, auch wenn Sicherungsbauwerke errichtet wurden.