Flussbauliche Konzepte
Fließgewässer unterliegen ständigen, teils natürlich oder teils künstlich hervorgerufenen Gestaltungsvorgängen, die sowohl im Grundriss durch Laufverlagerungen als auch im Längs- und Querschnitt durch Eintiefung oder Aufhöhung sichtbar werden. Die ständigen Gestaltungsvorgänge stehen in Wechselbeziehung zu den anthropogenen Nutzungen (insbesondere dem Hochwasserschutz) und den naturräumlichen Anforderungen.
Die flussmorphologische Bestandsanalyse von Fließgewässern umfasst i.d.R. folgende Themen:
- Problemstellung (Anlass, verfügbare Unterlagen),
- Geologische Situation (Situation, Entwicklung, Aufschlüsse, Erosionsgefährdung),
- Flussgeschichte (Einzugsgebiet, Laufbeschreibung, Korrektionsgeschichte, flussbauliche Maßnahmen, Wasserkraft),
- Abflussverhältnisse (Zuflüsse, Pegel, Hauptwerte, Extremwerte, Abflussdauerlinien, Jahresmittelwasserstände, Retention, Ausuferung)
- Flussbettgestaltung und -entwicklung (Flussaufnahmen, Luftbilder, Querprofile, Wasserspiegelfestlegungen, Mittlere Sohle, Talweg, Gefälleverhältnisse, Sohlzustand, morphologische Typisierung, Rehnenbildung, Rinnenbildung, Sohldurchschlag),
- Feststoffhaushalt (Geschiebe, Schwebstoff, Kornzusammensetzung, Abrieb, Feststoffherde, Feststoffeintrag, Entnahmen, Zugaben, Massenbilanzierung, Geschiebedurchgängigkeit, Sohlbeanspruchung, Geschiebetransportvermögen) und
- Schlussfolgerungen (Empfehlungen für Entwicklung und Umgestaltung)
Die flussmorphologische Bestandsanalyse baut auf den Ergebnissen eines kontinuierlichen Gewässer-Monitorings auf, dessen flussmorphologische Anforderungen im Merkblatt "Flussausstattung, Flussaufnahmen und deren Dokumentation" (Teil 5.4 - Gewässermorphologie, Hydraulik) zusammengestellt sind. Die Ergebnisse der flussmorphologischen Bestandsanalyse sind unverzichtbare Basis für flussbauliche Konzepte, die unterschiedlichsten Ansprüchen genügen müssen.
Der Ausbau von Gewässern benötigt die Grundlagen u.a. aus der Gewässerentwicklung, Gewässermorphologie, Hydrologie, Fluss- und Seenvermessung, die in ein flussbauliches Konzept für das zu bearbeitende Projekt eingehen. Die Ausarbeitung der Konzepte erfolgt je nach Zielsetzung und Komplexität der Aufgabenstellung in unterschiedlicher Bearbeitungstiefe durch die Wasserwirtschaftsämter.
Beim naturnahen Ausbau von Gewässern kommen unterschiedliche Elemente und Bauweisen zum Einsatz wie: Uferrückbau, Aufweitung, Sohlrollierung, Grobkornanreicherung, Sohlgurte, Rampen etc. Die Kombination und lokale Positionierung dieser Elemente ist gewässerspezifisch:
Ein "Anzug von der Stange" ist nicht möglich, jedes Gewässer bedarf seines "Maßanzuges", nicht zuletzt wegen der gewachsenen Nutzungen in und am Gewässer und der differenzierten naturräumlichen Anforderungen.
Die nachfolgenden Dokumente zeigen Beispiele dieser Elemente und projektbezogene Anwendungen.
