Flussbauliche Konzepte

Fließgewässer unterliegen ständigen, teils natürlich oder teils künstlich hervorgerufenen Gestaltungsvorgängen, die sowohl im Grundriss durch Laufverlagerung als auch im Längs- und Querschnitt durch Eintiefung oder Anlandung sichtbar werden. Die Gestaltungsvorgänge setzen sich aus einer Wechselbeziehung von naturräumlichen Randbedingungen (Untergrund, Klima, Wasserhaushalt) und anthropogenen Nutzungen (insbesondere dem Hochwasserschutz und der Wasserkraft) zusammen. Ursachen und Auswirkungen dieser Gestaltungsvorgänge können mit Hilfe einer flussmorphologischen Bestandsanalyse ermittelt werden. Basis dafür ist ein kontinuierliches Gewässer-Monitoring (z.B. regelmäßige Querprofilaufnahmen), dessen Anforderungen im LfU-Merkblatt "Flussausstattung, Flussaufnahmen und deren Dokumentation" (Teil 5.4 - Gewässermorphologie, Hydraulik) zusammengestellt sind. Eine flussmorphologische Bestandanalyse umfasst neben der Beschreibung der geologischen Situation (Entwicklungsgeschichte, Untergrundverhältnisse) und der Flussgeschichte (Laufbeschreibung, Korrektionsgeschichte, flussbauliche Maßnahmen) i.d.R. folgende drei wesentlichen Bausteine:

  • Morphologie (Flussbettausprägung und -entwicklung)
  • Feststoffhaushalt (Geschiebe- und Schwebstofftransport, Massenbilanzierung)
  • Abflussgeschehen (Abflussdynamik, Hochwasserhäufigkeit, Aus- und Einleitungen)

Ein flussbauliches Konzept ist beispielsweise dann erforderlich, wenn durch fortschreitende Tiefenerosion die Standsicherheit von Bauwerken und Infrastruktureinrichtungen oder durch Anlandungen der Hochwasserschutz gefährdet ist. Es gibt aufbauend auf der Bestandsanalyse Empfehlungen für die Entwicklung und Umgestaltung eines Gewässers. Flussbauliche Konzepte wurden beispielsweise für Teilabschnitte der meisten alpin geprägten großen Flüsse (z.B. Salzach, Saalach, Isar) aufgestellt. Die jüngst fertiggestellte Alzstudie können Sie in der rechten Spalte abrufen.

Bei der Planung von Maßnahmen ist darauf zu achten, dass weitere gewässerbezogene Konzepte berücksichtigt und ggf. einbezogen werden. Hier sind insbesondere die Gewässerentwicklungskonzepte zu nennen. Bei der Umsetzung flussbaulicher Konzepte sind seit mehr als 20 Jahren naturnahe Methoden des Wasserbaus die Regel. Dabei kommen unterschiedliche Elemente und Bauweisen zum Einsatz: Uferrückbau, Flussbettaufweitung, Sohlrollierung, Grobkornanreicherung, Sohlgurte, Rampen etc. Die Kombination und lokale Positionierung dieser Elemente ist gewässerspezifisch.