Pilotprojekt "Deammonifikation"

Anlass für das Pilotvorhaben

Die Deammonifikation ist ein relativ neu entwickeltes Verfahren zur Stickstoffelimination, das Einsparpotenziale hinsichtlich Energie und Betriebskosten aufweist. Folgende Vorteile werden erwartet:
  • Rückgang des Energiebedarfs gegenüber dem üblichen Verfahren der Nitrifikation und Denitrifikation aufgrund des geringeren Bedarfs für die Sauerstoffversorgung um bis zu 60 %
  • Bei der Deammonifikation wird keine Kohlenstoffquelle benötigt. Im Bereich der Prozesswasserbehandlung ist der Verzicht auf eine externe Kohlenstoffzugabe (z.B. Methanol) möglich. Interne Kohlenstoffquellen wie z.B. aus der Vorklärung stehen der Biogasproduktion zur Verfügung.
Ermöglicht wird dies durch den Einsatz spezialisierter Bakterien, den sogenannten Planktomyceten. Dem Verfahren der Deammonifikation wird insbesondere Entwicklungspotenzial bei der separaten Schlammwasserbehandlung auf großen und größeren Kläranlagen eingeräumt.

Deammonifikationsreaktor auf der Kläranlage IngolstadtBild vergrössernDeammonifikationsreaktor auf der Kläranlage Ingolstadt
Allerdings ist die Funktionsweise der Deammonifikation noch nicht vollständig untersucht und im Betrieb vergleichsweise anspruchsvoll. Risiken wie teilweiser bis vollständiger Ausfall oder Beeinträchti­gungen der Stickstoffelimination durch Störungen der Deammonifikation lassen sich beim derzeitigen Wissenstand nicht sicher ausschließen.

Inhalt des Pilotvorhabens

Mit dem Forschungsprojekt zur Deammonifikation auf der Kläranlage Ingolstadt soll die Einführung der Deammonifikation in Bayern vorangetrieben werden. Betreibern und Ingenieurbüros soll mit den Ergebnissen des Pilotprojekts die Möglichkeit gegeben werden auf Grundlage gesicherter großtechnischer Erkenntnisse die Deammonifikation für die Prozesswasserbehandlung einsetzen zu können. Durch eine intensive wissenschaftliche Begleitung werden zusätzlich grundsätzliche Fragestellungen zur Deammonifikation bearbeitet.

Insbesondere sollen zu folgenden Punkten Aussagen erarbeitet werden:
  • Bemessungskriterien und -größen der Deammonifikation
  • (Mess)Gerätetechnische Voraussetzungen
  • Kriterien zur Steuerung des Prozesses
  • Konstruktive Hinweis

Weitere Informationen

Projektbeteiligte

  • Stadt Ingolstadt
  • TU München, Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft (2010 – 2011) bzw. Karlsruher Institut für Technologie (2012 – 2013)
  • Ingenieurbüro Dr.-Ing. Schreff, Dr.-Ing. Steinle Ingenieurgesellschaft, Ingenieurbüro ATEMIS

Projektleitung

Bayerisches Landesamt für Umwelt im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz

Laufzeit

August 2010 – August 2013