Pilotprojekt "Energetische Optimierung von kommunalen Kläranlagen durch Nachrüstung einer anaeroben Klärschlammbehandlung"

Anlass für das Pilotvorhaben

Abbildung 1: Beispiel für eine Belebungsanlage mit aerober Schlammstabilisierung (Kläranlage Lenggries) Bild vergrössern Abbildung 1: Beispiel für eine Belebungsanlage mit aerober Schlammstabilisierung (Kläranlage Lenggries)
Die Mehrheit der Fachleute in der Abwassertechnik vertritt die Auffassung, dass bei einer Kläranlagen­ausbaugröße von mehr als 50.000 EW die anaerobe Schlammstabilisierung zu bevorzugen und im Übergangsbereich von 10.000 EW bis 50.000 EW für jede Kläranlage ein differenzierter Verfahrensvergleich zu empfehlen ist. Bis zu einer Ausbaugröße von 20.000 EW bilden die Anlagen mit Klärschlammfaulung bisher allerdings die Ausnahme.

Ziel des Pilotvorhabens ist es, den Einsatz der Anaerobtechnik bei den in Bayern vorhandenen rund 130 Kläranlagen mit aerober Schlammstabilisierung im Bereich von 10.000 EW bis 20.000 EW Ausbaugröße zu fördern. Unter energetischen und damit auch unter Klimaschutzgründen weist eine Klärschlammfaulung Vorteile auf, da wie bei einer Biogasanlage energiereiches Faulgas gewonnen werden kann. Bei der simultanen aeroben Stabilisierung dagegen kann die im Abwasser enthaltene Energie nicht verwertet werden. Vielmehr muss sogar zusätzliche Energie für die Belüftung eingesetzt werden, um den Klärschlamm zu stabilisieren.

Inhalt des Pilotvorhabens

Mit dem Pilotvorhabens "Energetische Optimierung von Kläranlagen durch Nachrüstung einer anaeroben Klärschlamm­behandlung" wird beispielhaft die bisher als aerobe Stabilisierungsanlagen betriebenen Kläranlage Bad Abbach (Landkreis Kehlheim) mit einer Klärschlammfaulung nachgerüstet werden.

Durch eine wissenschaftliche und ingenieurtechnische Begleitung werden folgenden Punkte erarbeitet:
  • Ausführliche Wirtschaftlichkeitsbetrachtung anhand der tatsächlichen Kosten nach Umbau der Anlage im Vergleich mit einer aeroben Stabilisierungsanlage. (incl. Sensitivitätsanalyse für Energiekosten und Kosten der Schlammentsorgung)
  • Erarbeiten eines hinsichtlich des Faulgasanfalls und der Stromproduktion optimierten Betriebskonzeptes.
  • Durchführung bzw. Koordinierung eines begleitenden Untersuchungsprogramms
  • Vergleich der Reinigungsleistung vorher – nachher.
  • Vergleich der Energiebilanz vorher – nachher. Dabei sind spezifische Kennzahlen (wie sie z.B. auch bei einer Energieanalyse ermittelt werden) zum Elektrizitäts- und Wärmeverbrauch (Gesamt, Belebung), Eigenversorgungsgrad Wärme und Elektrizität, Faulgasverwertung usw. zu ermitteln und gegenüberzustellen.
  • Dokumentation und Bewertung der während der Betriebsphase gemessenen Parametern und gesammelten Erfahrungen beim Betrieb.
  • Dokumentation und Bewertung der Ergebnisse der Marktrecherche zu den verfügbaren Technologien.
  • Bewertung der gewonnenen Erkenntnisse im Hinblick auf die Übertragbarkeit auf andere Anlagen und Erarbeitung von Empfehlungen für die Nachrüstung kleiner Kläranlagen mit einer anaeroben Klärschlammstabilisierung und deren Betrieb.


Weitere Projektinformationen

Projektbeteiligte

  • Markt Bad Abbach
  • Hochschule Weihenstephan Triesdorf
  • Ingenieurbüro ATM
  • BBI Bauer Beratende Ingenieure GmbH

Projektleitung:

Bayerisches Landesamt für Umwelt im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz

Laufzeit

November 2011 – Juli 2014