Abschätzung der Potenziale im Gemeindegebiet

Angesichts der globalen Treibhausgas-Reduktionsziele sowie der zu erwartenden Energiepreisentwicklung sind auch die Kommunen gefordert, sparsam mit Energie umzugehen. Potenziale zur Energieeinsparung, zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Nutzung von erneuerbaren Energien sind im gesamten Gemeindegebiet in vielfacher Weise vorhanden. Diese gilt es zu identifizieren und gezielt zu nutzen. Grundlage für die Potenzialabschätzungen sind die Energieverbrauchsanalyse und die lokale Energiebilanz (vgl. Unterseite "Analyse der Energieverbrauchssituation im Gemeindegebiet"). Leitfragen sind u.a.:

  • Wo bzw. in welchem Bereich sind Potenziale identifizierbar?
  • Wer kann diese zur Verfügung stellen?
  • Wie groß sind die Potenziale?
  • Durch welche Maßnahmen können diese genutzt werden?

In der öffentlichen Energiediskussion wird häufig der Einsatz erneuerbarer Energien als Lösung der Klimaproblematik präsentiert. Die weitaus größten Potenziale zur Energieeinsparung und damit zur CO2-Reduktion bieten jedoch Maßnahmen, welche eine effizientere Nutzung von Energie gewährleisten. Die Kommunen sollten deshalb in erster Linie ihre Potenziale zur Energieeinsparung und zur Steigerung der Energieeffizienz ausschöpfen, um den Energieverbrauch zu verringern. Diese liegen schwerpunktmäßig im Gebäudebereich, bei Gemeinden mit größeren Ansiedlungen von Industrie und Gewerbe finden sich auch häufig hohe Abwärmepotentiale, die ebenfalls zu einer erheblichen Steigerung der Energieeffizienz beitragen, sofern sie einer Nutzung zugeführt werden können. Entsprechend der Logik des Energie-3-Sprungs sollten sich Überlegungen für die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien dann am veränderten (prognostizierten) Energiebedarf orientieren.

Potenziale zur Reduzierung der Energieverbrauchsmenge werden gemäß der Energiebilanz innerhalb bestimmter Nutzergruppen und -anwendungen wie Raumwärme/Warmwasser, Beleuchtung oder Prozesswärme ermittelt. Vielfach sind hierfür nur Schätzungen möglich, da die Daten teilweise eingeschränkt verfügbar oder nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand zu ermitteln sind. Für entsprechende Arbeiten sollten ggf. Fachleute (z.B. Energieberater) hinzugezogen werden. Häufig können Maßnahmen abgeleitet werden, die ohne größere finanzielle Investitionen auskommen und sich positiv auf die Energiebilanz auswirken, wie z.B. das Optimieren der Heizungsregelungen oder ein verändertes Nutzerverhalten.

Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz hat die Gemeinde v.a. im Bereich der energetischen Gebäudesanierung (vgl. Unterseite "Energieoptimiertes Sanieren und Bauen") sowie im Bereich der Straßenbeleuchtung. Durch fachgerechte Wärmedämmung und durch Erneuerung der Haustechnik sind Energieeinsparungen von 50 – 80% möglich. Allerdings variieren die Einsparpotenziale je nach Bautyp und Alter des Gebäudes; außerdem ist es schwierig zu definieren, wo die wirtschaftliche Grenze für eine Sanierung liegt. Eine langfristige Betrachtung mit Lebenszyklusanalyse kann hier hilfreich sein.

Auch im Bereich der Energieversorgung kann die Gemeinde ihre Potenziale zur Effizienzsteigerung nutzen. Ist die Gemeinde selbst Energieerzeuger sollte u.a. untersucht werden, ob und in welchen Bereichen der Ausbau der Kraft-Wärme-Koppelung möglich ist. Insbesondere für den Bedarf an thermisch genutzter Energie innerhalb einer Kommune oder einzelner Stadt- bzw. Ortsteile bietet es sich an, nutzbare Abwärmepotenziale - auch industrielle/gewerbliche - zu recherchieren und ggf. zu erschließen. Die vorhandene Infrastruktur sollte in jedem Fall mitberücksichtigt werden. Hier kann man z.B. prüfen, welche bestehenden Leitungsnetze in die Planungen integriert werden können.

Bei der Potenzialanalyse für den Einsatz erneuerbarer Energien ist in besonderem Maße zu beachten, dass die Verfügbarkeit regenerativer Energieträger je nach lokalen Verhältnissen sehr unterschiedlich sein kann. Zum Beispiel erfordert die Nutzung der Geothermie u.a. besondere hydrogeologische Verhältnisse und nicht alle Regionen sind für Windkraftanlagen geeignet. Auch bei den nachwachsenden Energieträgern, z.B. bei den Energienutzpflanzen für die Produktion von Biogas, sind der Nutzung Grenzen gesetzt (vgl. Unterseite "Nutzung erneuerbarer Energien im Gemeindegebiet").

Die potenziellen Maßnahmen müssen hinsichtlich ihrer technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit geprüft werden. Es ist zu prüfen, in welchen Bereichen die vergleichsweise hohen finanziellen Investitionen für den Bau von Kraftwerken, die Sanierung von Gebäuden, Erneuerung von Heizungsanlagen und Installation von Photovoltaikanlagen usw. mittel- bis langfristig gesehen volkswirtschaftlich am effizientesten angelegt sind.
Die Bayerische Staatsregierung hat die Entwicklung eines Energie-Atlas Bayern beauftragt. Über dieses Energie-Portal werden im Internet zukünftig u.a. umfangreiche Daten und Informationen zu nutzbaren Energiepotenzialen in Bayern zur Verfügung stehen. Die 1. Stufe des Energie-Atlas Bayern wird Ende 2010 ans Netz gehen.