Analyse der Energieverbrauchssituation im Gemeindegebiet

Eine wichtige Grundlage für ein wirksames kommunales CO2-Minderungskonzept ist die Kenntnis der Energieverbrauchssituation im gesamten Gemeindegebiet. Dies umfasst die kommunalen Liegenschaften, Privathaushalte, Gewerbebetriebe und den Verkehrsbereich. Was für das Kommunale Energiemanagement im kleinen Maßstab erhoben wurde (vgl. Unterseite "Energiemanagement in kommunalen Liegenschaften") soll nun auf das gesamte Gemeindegebiet übertragen werden. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass räumliche Verbrauchsschwerpunkte und mögliche Einsparpotenziale sichtbar gemacht werden.

Folgende Aspekte sind dabei entscheidend:

  • Örtliche Struktur der Energieversorgung: wo – wie viel – welche Energieträger?
  • Energieverbrauch im Gemeindegebiet: wo – von wem – wie viel – welche Nutzenergie?

Hierfür müssen zahlreiche Daten erhoben und bewertet werden. Grundsätzlich empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister (z.B. erfahrenem Planungsbüro, Energieagentur bzw. -berater), der seinerseits eng mit den Experten vor Ort (z.B. Energieversorger, Bauamt) kooperiert, die notwendigen Analysen und Bilanzen erstellt und die Kommunen hinsichtlich der daraus abzuleitenden Potenziale und Maßnahmen beraten kann. Sofern personen- bzw. haushaltsscharf zugeordnete Daten erhoben werden, sind für die Datenerhebung die Aspekte des Datenschutzes zu berücksichtigen.

In einem ersten Schritt ist die aktuelle Energieverbrauchssituation festzustellen (IST-Analyse). Dabei werden sämtliche energierelevanten Daten im kommunalen, privaten und gewerblichen Bereich erfasst und bewertet. Hierfür sind unterschiedliche Datenquellen und Erhebungsmethoden erforderlich. Zum Beispiel Angaben des örtlichen Energieversorgers (Öl, Strom und Erdgas bzw. Fernwärme) und Daten zur dezentralen Versorgung aus erneuerbaren Energien (z.B. Solaranlagen- und Wärmepumpenstatistiken). Angaben zur energetischen Gebäudestruktur sowie zum Energieverbrauch privater Wohngebäude können u.a. durch Befragungen - z.B. mit Hilfe von Fragebögen als Beilage im Gemeindeblatt und/oder auf der Homepage der Gemeinde - oder mit Vor-Ort-Begehungen recherchiert werden. In der Regel sind einige Daten allerdings nur teilweise oder nicht zu erhalten. Deshalb kann in einigen Fällen nur eine Abschätzung erfolgen.

Aus den ermittelten Daten lassen sich Kennzahlen ermitteln, die als Vergleichswerte und Planungsgrundlage dienen, z. B. Flächenkennzahlen für den Bedarf an Wärmeenergie (spezifischer Energiebedarf pro Quadratmeter für Heizen und Warmwasser) und Verbrauchskennzahlen (Pro-Kopf-Verbrauch an Warmwasser bzw. Treibstoffen).

Die Verbrauchswerte sollten bezogen auf die jeweils genutzten Energieträger (u.a. Öl, Strom, Gas, Fernwärme, Biomasse) für die einzelnen Nutzungs- bzw. Anwendungsbereiche (Raumwärme/Warmwasser, Prozesswärme, mechanische Energie, IT/Beleuchtung) und innerhalb der relevanten Verbrauchergruppen (Haushalte, Verkehr, öffentliche Hand etc.) ermittelt werden.

In einem weiteren Schritt ist es sinnvoll, die Gesamtheit der Energieströme innerhalb des Gemeindegebiets zu betrachten und in einer Energiebilanz darzustellen. Die vorhandenen Energieströme werden dabei nach Energieträgern, Verbrauchern und Nutzungsanwendungen gegliedert und analysiert. Zu berücksichtigen ist, dass bei der Erzeugung und bei der Verwendung von Energie häufig ein großer Teil ungenutzt bleibt und als Abwärme an die Umwelt abgeführt wird (Umwandlungsverluste, Prozessabwärme, etc.). Diese Energiepotenziale kann auch die Gemeinde ausschöpfen z.B. durch Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung und durch (Aus)Bau von Nahwärmenetzen.

Mögliches Energiefluss-Schema einer Kommune
Mögliches Energiefluss-Schema einer Kommune


















Detaildarstellung des Schemas in nachfolgender Datei.

Mit einer solchen Darstellung kann die Gemeinde im Rahmen der Beteiligung der Bürger, Verbände und Betriebe ein gemeinsames Verständnis schaffen, wo einzelne Anwendungsschwerpunkte liegen und welche Nutzer vorrangig als Zielgruppe anzusprechen sind. So zeigt sich, dass die Entwicklung konkreter Projektideen für den Bereich der Beleuchtung zwar zu erfolgreichen Einsparungen führt, damit aber nur wenige Prozentpunkte gewonnen werden. Interessanter könnte es daher sein, die Zeit vorrangig in die Entwicklung von Projekten zur Einsparung von Wärmeenergie zu stecken und die Einsparung bei der Beleuchtung "nebenbei" mitzuentwickeln. Denn in den Bereichen Raumwärme und Prozessenergie ist es eher möglich, "am großen Rad zu drehen".

Aus der Energiebilanz lassen sich die entsprechenden Treibhausgas-Emissionen für das gesamte Gemeindegebiet ermitteln und als CO2-Bilanz darstellen. Zur Erstellung der CO2-Bilanz werden die witterungsbereinigten Verbrauchswerte mit den Emissionsfaktoren der jeweiligen Energieträger (Öl, Gas, Fernwärme etc.) multipliziert. Mit dieser CO2-Bilanz ist es möglich, Zielwerte zur CO2-Minderung zu definieren und zu überprüfen.

Zur Erstellung von Energie- und CO2-Bilanzen werden auch softwarebasierte (in der Regel kostenpflichtige) Lösungen angeboten. Erfahrungen mit einem solchen Bilanzierungstool haben u.a. die Mitgliedskommunen im Klima-Bündnis e.V..

Die Datenerfassung sowie die Energie- und CO2-Bilanz sollte in regelmäßigen Abständen aktualisiert bzw. fortgeschrieben werden, um die Effekte von realisierten Klimaschutzmaßnahmen nachprüfen zu können (Monitoring).