Sachverständigentätigkeit

Im Rahmen der Sachverständigentätigkeit nach §§ 4 bzw. 18 der Röntgenverordnung und § 66 der Strahlenschutzverordnung werden in Bayern Röntgenanlagen, Störstrahler, Beschleuniger und Bestrahlungsanlagen überprüft. Der Schwerpunkt der Prüfungen liegt im Bereich der Staatlichen Kliniken, Hochschulen und staatlichen Behörden (z. B. Justizvollzugsanstalten, Gymnasien) sowie bei Anlagen der Industrie. Es werden jedoch auch Prüfungen bei niedergelassenen Ärzten, Zahnärzten und Tierärzten sowie z.B. in Kreiskrankenhäusern durchgeführt. Zusätzlich werden auf Wunsch Gutachten und Sonderprüfungen für andere Behörden, Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte angefertigt bzw. durchgeführt.

Der Schwerpunkt der Sachverständigentätigkeit bei den medizinischen Röntgenanlagen liegt immer in der Dosisermittlung. Der Sachverständige untersucht, ob die erforderliche Bildqualität mit einer möglichst geringen Strahlenexposition erreicht wird. Da als Röntgendetektoren für die verschiedenen Röntgenanlagen konkurrierende Systeme wie z.B. Film-Foliensystemen, Speicherfoliensystemen, Festkörperflächendetektoren oder Röntgenbildverstärker angeboten werden, muss der Sachverständige in der Lage sein, zu entscheiden, ob das verwendete Detektorsystem für den jeweiligen Zweck eine optimale Bildqualität bei einer möglichst geringen Dosis ermöglicht. Diese Überprüfung ist besonders bei Mammographieeinrichtungen wichtig, weil hier besonders kleine Strukturen auf dem Röntgenbild erkannt werden müssen und gleichzeitig das Brustgewebe der Frau besonders strahlensensibel ist. Des Weiteren kontrolliert der Sachverständige die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte für die einzelnen Komponenten der Röntgenanlage wie z.B. Belichtungsautomatik, Schaltverhalten und Strahlenfeldbegrenzung. Die Einhaltung der vorgeschriebenen Grenzwerte, die in regelmäßigen Zeitabständen vom Gesetzgeber erneuert bzw. verschärft werden, ist besonders bei älteren Anlagen (älter als ca. 15 Jahre) oft schwierig (kostspielige Nachrüstungen erforderlich) bzw. unmöglich, weshalb die meisten medizinische Röntgenanlagen in Bayern nicht älter als 10 bis 15 Jahre sind. Ein weiterer Schwerpunkt der Sachverständigentätigkeit ist die Ermittlung der Ortsdosis. Der Sachverständige überprüft mit einem speziellen Strahlenmessgerät, ob die Röntgenanlage so gut abgeschirmt ist, dass unbeteiligte Personen keine Strahlung abbekommen bzw. der zulässige Grenzwert von 1 mSv/Jahr nicht überschritten wird. Zusätzlich führt der Sachverständige Streustrahlenmessungen an medizinischen Durchleuchtungsgeräten, die z.B. in der Chirurgie, Angiographie oder Kardiologie eingesetzt werden, durch, um die Strahlenbelastung für Ärzte und Assistenten, die direkt am Röntgengerät arbeiten müssen, zu ermitteln. Die Messergebnisse zeigen dann, ob weitere Abschirmmaßnahmen (z. B. bewegliche Bleiglasscheibe) erforderlich sind. Zusätzlich wird das Personal, das diese Durchleuchtungsgeräte bedient, beraten, wie die Strahlenbelastung minimiert werden kann (z.B. Verwendung von gepulster Strahlung, richtige Position zum Röntgengerät).

Eine weitere Aufgabe für den Sachverständigen ist die Überprüfung von technischen Röntgenanlagen, die z.B. zur Bestimmung des Aufbaus von kristallinen Stoffen, zur Materialuntersuchung oder zur Gepäckkontrolle eingesetzt werden. Im Vordergrund bei diesen Messungen steht die Vermeidung von unnötiger Strahlenbelastung des Bedienungspersonals. Der Sachverständige überprüft, ob das technische Röntgengerät so aufgebaut ist, dass der Betreiber, auch bei unvorsichtiger Bedienung des Röntgengerätes keiner unzulässigen Strahlenbelastung ausgesetzt wird. Hierzu werden Sicherheitsschalter, Warnlampen oder Türkontakte auf ihre Zuverlässigkeit getestet. Wie bei den medizinischen Röntgengeräten führt der Sachverständige abschließend auch bei den technischen Röntgengeräten Ortsdosismessungen durch, um sicherzustellen, dass unbeteiligte Personen keiner über dem Grenzwert liegenden Strahlenbelastung ausgesetzt sind.