Strahlenschutzvorsorge in Bayern

Wie kam es zum Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG)?

Die Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt begann in Bayern bereits in den fünfziger Jahren mit der Messung des radioaktiven Fallouts, der von den oberirdischen Kernwaffentests herrührte.

Mit dem Vertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) im Jahre 1957 übernahm Deutschland u.a. auch die Verpflichtung zur Überwachung der Umweltradioaktivität. 1960 wurden die Überwachungsaufgaben in Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern festgelegt.

Beim Reaktorunfall in Tschernobyl, Ukraine 1986, und der daraus resultierenden großräumigen Kontamination zeigte sich jedoch, dass uneinheitlich praktizierte Messverfahren, abweichende Interpretationen der Daten sowie sich widersprechende Empfehlungen von Bund und Ländern zur Verunsicherung und Verwirrung der Bevölkerung beigetragen haben. Diese Erfahrungen führten noch im selben Jahr zur Verabschiedung des "Gesetzes zum vorsorgenden Schutz der Bevölkerung gegen Strahlenbelastung", kurz Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG). Das Gesetz schreibt bei großräumig wirkenden Kontaminationen bundesweit einheitliche Kriterien vor. So ist ein wirksames und koordiniertes Vorgehen aller beteiligten Dienststellen in Bund und Ländern gewährleistet.

Wozu dient das Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG) ?

Das Strahlenschutzvorsorgegesetz bezweckt den Schutz der Bevölkerung.
Die Bevölkerung soll gegen die potenziellen gesundheitlichen Gefahren und Schäden, die durch Strahlenbealstungen im Falle von nuklearen Ereignissen mit nicht unerheblichen radiologischen Auswirkungen entstehen können, geschützt werden.

Im Gesetz werden auch die erforderlichen Maßnahmen für eine wirkungsvolle Vorsorge festgelegt.

Schutzmaßnahmen

Einheitliche Dosis- und Kontaminationswerte sowie Berechnungsverfahren können aufgrund des Strahlenschutzvorsorgegesetzes im Ereignisfall erlassen werden, die in Rechtsverordnungen festgelegt werden.

Auf Grundlage dieser Rechtsverordnungen können dann

  • Verbote und Beschränkungen für das Inverkehrbringen von Lebens- und Futtermitteln, Arzneimitteln
  • und sonstigen Stoffen (z.B. Reststoffen und Abfall) ausgesprochen und
  • die Befugnisse der Polizei- und Zollbehörden im grenzüberschreitenden Verkehr geregelt werden.

Im Ereignisfall mit überörtlichen Auswirkungen hat die Bundesregierung die alleinige Handlungskompetenz, Empfehlungen an die Bevölkerung bezüglich bestimmter Verhaltensweisen auszusprechen. Damit sollen widersprechende Empfehlungen von Bund und Ländern - wie sie nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl zu verzeichnen waren - vermieden werden.

Aufgabe der Länder beim Vollzug des Strahlenschutzvorsorgegesetzes ist damit im Wesentlichen die Umweltradioaktivitätsüberwachung und die Umsetzung der Weisungen und Empfehlungen des Bundes bei einer signifikanten Erhöhung dieser Umweltradioaktivität.

Vorsorgemaßnahmen

Die wichtigste Vorsorgemaßnahme ist die ständige Umweltüberwachung.
Die Überwachungsaufgaben sind zwischen Bund und Ländern arbeitsteilig aufgeteilt:

Aufgaben des Bundes sind die flächendeckende und großräumige Ermittlung

  • der Radioaktivität in Luft und Niederschlag,
  • der Radioaktivität in den Bundeswasserstraßen,
  • in Nord- und Ostsee einschließlich der Küstengewässer sowie
  • der Gamma-Ortsdosisleistung/äußeren Strahlenbelastung.


Aufgabe der Länder ist die Ermittlung der Radioaktivität in anderen Umweltbereichen.
Sie messen die Radioaktivität insbesondere

  • in Lebensmitteln,
  • in Futtermitteln,
  • in Trink- und Grundwasser, in oberirdischen Gewässern (Oberflächenwasser, Schwebstoffe und Sedimente),
  • in Abwässern und Klärschlamm, Abfällen,
  • in und auf dem Boden sowie in Indikatorpflanzen bei nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Wie wird das Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG) in Bayern vollzogen?

Die Umweltradioaktivitätsüberwachung in Bayern erfolgt durch die zuständigen Landesmessstellen auf der Grundlage der Messprogramme nach dem StrVG sowie nach erweiterten landeseigenen Messprogrammen.
In diesen Messprogrammen ist verbindlich und detailliert festgelegt:

  • wo und in welchen Zeitabständen,
  • welche Umweltbereiche,
  • nach welchen Vorgaben

zu überwachen sind.

Expositionspfade - ein Beispiel Bild vergrößern Expositionspfade - ein Beispiel;
Grafik : Informationskreis KernEnergie

Alle für eine mögliche Strahlenexposition der Bevölkerung relevanten Umweltbereiche sowie auch die Zwischenglieder möglicher Expositionspfade werden auf ihren Aktiviätsgehalt hin untersucht.

Die Probenentnahmeorte sind dabei so ausgewählt, dass sie möglichst gleichmäßig über Bayern verteilt liegen und damit großräumige Veränderungen des Pegels der Umweltradioaktivität erfasst werden können. Damit ist ständig ein flächendeckender und repräsentativer Überblick über die Umweltradioaktivität gewährleistet. Alle Proben werden gammaspektrometrisch und zum Teil auch auf alpha- und betastrahlende Radionuklide hin untersucht.

Aktuelle Messwerte