Gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen

Über die Luft eingeatmetes Radongas wird zum überwiegenden Teil gleich wieder ausgeatmet. Die größte gesundheitliche Gefährdung geht nicht vom radioaktiven Edelgas Radon aus, sondern von den Zerfallsprodukten des Radon, kurzlebigen ebenfalls radioaktiven Schwermetallen. Die in der Raumluft vorhandenen Zerfallsprodukte lagern sich an luftgetragene Schwebteilchen (Aerosole) an. Beim Atmen werden die Zerfallsprodukte und die Aerosole mit den anhaftenden Radon-Zerfallsprodukten in der Lunge abgelagert. Von dort senden sie radioaktive Strahlung aus, die das unmittelbar umgebende Lungengewebe schädigen kann.

Nach derzeitigem Kenntnisstand wird das durch Radon verursachte Lungenkrebsrisiko folgendermaßen eingeschätzt:

Aus den epidemiologischen Studien wird abgeleitet, dass bei einer Zunahme der Radonkonzentration um 100 Becquerel pro Kubikmeter sich das Lungenkrebsrisiko um 10 % erhöht. Die mittlere Radonkonzentration in Wohngebäuden in der Bundesrepublik liegt bei ca. 50 Becquerel pro Kubikmeter Luft, in der Außenluft beträgt die Radonkonzentration etwa 10 Becquerel pro Kubikmeter.

Bei der Risikobetrachtung darf das Rauchen nicht außer Acht gelassen werden. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister entfielen im Jahr 2000 in Deutschland 26,8 % der Krebstodesfälle bei Männern und 9,8 % der Krebstodesfälle bei Frauen auf Lungenkrebs. Insgesamt starben im Jahr 2000 39.000 Menschen an Lungenkrebs. Für die meisten (bis 90 %) dieser Lungenkrebstodesfälle war Rauchen verantwortlich. Es ist aber anzunehmen, dass das Lungenkrebsrisiko durch Radon bei gleichzeitigem Rauchen erhöht wird. So treten - in absoluten Zahlen betrachtet - die meisten radonbedingten Lungenkrebsfälle bei Rauchern auf. Die Tabelle zeigt das Risiko einer Erkrankung an Lungenkrebs. Betrachtet wird das Risiko bei einer hypothetischen Radonkonzentration von 0 Bq/m3 und bei 800 Bq/m3.

Tabelle: absolutes Risiko, bis zum Alter von 75 Jahren an Lungenkrebs zu versterben
Radonkonzentration
0 Bq/m3
Radonkonzentration
800 Bq/m3
Lebenslange Nichtraucher 0,4 % 0,7 %
Raucher*) bis zum 30. Lebensjahr 2,3 % 3,7 %
Raucher*) bis zum 50. Lebensjahr 4,3 % 7,2 %
Raucher*) bis zum 75. Lebensjahr 10.4 % 16,9 %

*) Zigarettenkonsum 15-24 Zigaretten täglich

Quelle: gsf mensch+umwelt spezial: Strahlung, 18. Ausgabe - 2006