Bayerisches Landesamt für
Umwelt

Wie viel Wildfleisch darf ich essen?

Foto: Pixelquelle.de

Zuerst einmal: Es gibt praktisch kein Lebensmittel, in dem nicht Spuren von Radioaktivität natürlichen Ursprungs zu finden sind. So ist beispielsweise das für den menschlichen Körper lebensnotwendige Kalium (K) in Nahrungsmitteln enthalten. Damit nimmt der Mensch mit der Nahrung auch die radioaktive Unterart des stabilen Kaliums, nämlich das Kalium-40 auf. Jeder menschliche Körper enthält ca. 4.000 Becquerel Kalium-40.

Die Wirkung der Radioaktivität einer radioaktiven Unterart (Nuklid) eines bestimmten chemischen Elements (z. B. K 40, Cs 137 etc.) auf den menschlichen Körper, "Dosis" genannt (ausgedrückt in der Einheit Sievert), lässt sich mit Hilfe des für dieses Nuklid charakteristischen Dosisfaktors ermitteln. Ob das Nuklid künstlichen oder natürlichen Ursprungs ist, spielt dabei keine Rolle.

Für Cs 137 hat dieser Dosisfaktor (DF) den Wert: 1,3 x 10-8 Sv/Bq (= Sievert pro Becquerel)

Für Fachleute: Obiger Dosisfaktor für Ingestion, Effektivdosis, Altersgruppe > 17 Jahre.

Mit diesem Dosisfaktor kann die Dosis durch eine Mahlzeit von belastetem Wildbret berechnet werden:

Die Messung des Wildbrets soll gerade als Messwert (M) den Grenzwert der Europäischen Union von 600 Bq/kg ergeben haben. Weiter nehmen wir für den Verzehr der Einfachheit halber die kräftige Portion von 0,5kg Wildbret (P) an. Wie ergibt sich nun für diese Mahlzeit die zugehörige Dosis D?

D = DF x M x P = 1,3x10-8 Sv/Bq x 600 Bq/kg x 0,5 kg = 3,9 x 10-6 Sv (= Sievert) oder

3,9 mikroSievert (µSv; µ = mikro = 1 Millionstel)

Dieser Zahlenwert allein sagt dem Laien wahrscheinlich nichts. Man muss hierzu Folgendes wissen:

Die durchschnittliche (sie kann höher oder niedriger sein) Strahlenbelastung der Bevölkerung (siehe unten bei Übrigens 1) durch die natürlichen Strahlenquellen in Deutschland beträgt pro Person und Jahr

2,1 milliSievert (mSv; m = milli = 1 Tausendstel)

Wir können nun fragen, wie viel Prozent dieser durchschnittlichen - von der Natur verursachten - Jahresstrahlenbelastung macht eine Wildbretmahlzeit (mit 600 Bq/kg Cs 137 und 0,5 kg-Portion) aus:

(3,9 µSv / 2,1 mSv) x 100 = 0,19 Prozent.

Daraus folgt, dass der normale Verzehr von Wildbret mit Kontaminationen um und unter dem EU-Grenzwert von 600 Bq/kg die individuelle Strahlenbelastung praktisch nicht erhöht. Auch müsste man

100 / 0,19 = 526-mal

eine solche 0,5kg-Mahlzeit (mit 600 Bq/kg) pro Jahr zu sich nehmen, um die Höhe der natürlichen Strahlenbelastung durch den Wildbretverzehr zu erreichen (siehe auch unten bei Übrigens 2).

Selbst beim Verzehr von hochbelastetem Wildbret mit ca 10.000 Bq/kg (was vereinzelt noch bei Wildschweinen gemessen wird) ergibt sich nur ein Prozentsatz von ca. 3 % der natürlichen Strahlenbelastung. Solch hochbelastetes Wildbret sollte allerdings wirklich nur gelegentlich verzehrt werden.

Ein weiterer Vergleich:

Strahlenbelastung durch einen Flug Frankfurt --> Palma de Mallorca --> Frankfurt:

6 µSv (vergleiche mit dem Wert weiter oben von 3,9 µSv)

Übrigens:

  • Die mittlere Strahlenbelastung der Bevölkerung ist höher als die oben angegebenen 2,1 mSv pro Jahr und Person, da noch zivilisatorische Strahlenbelastungen mit eingerechnet werden müssen. Die Hauptquelle dabei sind die Anwendungen in der Medizin mit durchschnittlich 2 mSv pro Jahr und Person, womit sich die durchschnittliche Jahresbelastung zu 4,1 mSv ergibt. Alle anderen zivilisatorischen Strahlenbelastungen sind im Vergleich zu der durch die medizinischen Anwendungen verursachten vernachlässigbar.
  • In manchen Gegenden der Welt (z. B. im Iran, in Indien, in Brasilien) ist die natürliche Strahlenbelastung durch die dortigen höheren Konzentrationen an natürlichen radioaktiven Stoffen wesentlich höher als in Deutschland. Die Bevölkerung dieser Weltgegenden wurde besonders gründlich auf eventuelle gesundheitliche Auswirkungen dieser erhöhten natürlichen Strahlung untersucht. Es wurden keine solchen Auswirkungen festgestellt.