PRESSEMITTEILUNG

Nr. 08 / Donnerstag, 09. April 2015

Geologie
Vulkanausbruch in der Steinzeit ermöglicht Blick in die Vergangenheit

"Kraterfüllung konserviert wertvolle Informationen über Klimaentwicklung und Flora der Oberpfalz"

+++ Mit einer knapp 100 m tiefen Bohrung bei Neualbenreuth ist das Landesamt für Umwelt (LfU) einem steinzeitlichen Vulkanausbruch auf der Spur. Bei der routinemäßigen geologischen Erkundung des Oberpfälzer Untergrunds entdeckten die Geologen des LfU eine große kreisrunde Struktur – das beeindruckende Ergebnis einer Vulkanexplosion vor rund 200.000 Jahren. Glühend heiße Lava, die beim Aufstieg aus dem Erdinneren auf Grundwasser traf, löste eine so gewaltige Dampfexplosion aus, dass der Boden weggesprengt wurde und ein tiefes Loch entstand. Im Laufe der Zeit wurde dieser trichterförmige Krater, ein sogenanntes ‚Maar‘, durch Ablagerungen verfüllt. Ziel der Bohrung ist die Erkundung dieser Verfüllung. "Was für Archäologen verfüllte Brunnen sind, sind für Geologen mit eiszeitlichen Ablagerungen gefüllte Erdtrichter. Darin konservieren sich Spuren längst vergangener Zeiten" erklärt Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes am LfU beim Beginn der Forschungsbohrung im oberpfälzischen Stiftland. Neben den Resten vulkanischen Auswurfmaterials interessieren sich die Geologen für eingeschwemmte und eingewehte Pollen der umliegenden Bäume und Sträucher. Über Pollenanalysen und Radiokarbon-Datierungen lässt sich die Klima- und Vegetationsgeschichte der Oberpfalz der letzten 200.000 Jahre rekonstruieren. +++

Bereits vor gut 10 Jahren stießen die Geologen im angrenzenden Steinwald auf ein Maar. Dieses war jedoch hundert Mal älter und entstand vor etwa 20 Millionen Jahren. Die jetzt entdeckte Struktur wäre jünger als alle bisher in Bayern gefundenen vulkanischen Formationen. Wie Funde von Faustkeilen belegen, streiften zu dieser Zeit bereits steinzeitliche Jäger und Sammler durch die Oberpfalz und könnten Zeugen der Explosion gewesen sein. Nach den landesweiten Untersuchungen des Untergrunds sind Vulkanausbrüche in Bayern heutzutage ausgeschlossen. Viele versteinerte Vulkankrater vor allem in der Oberpfalz und in der Rhön zeugen aber von einer bewegten Vergangenheit.
Die Forschungsbohrung wird im Rahmen der Arbeiten zur geologischen Landesaufnahme Bayerns durchgeführt und dauert voraussichtlich eine Woche.

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