PRESSEMITTEILUNG

Nr. 08 / Donnerstag, 28. Februar 2013

Geologie
Landesamt für Umwelt entdeckt im Chiemgau 200.000 Jahre alte Pollen des Zürgelbaums

„Hinweise auf eine in Süddeutschland bisher unbekannte Warmzeit“

200.000 Jahre alte, fossile Polle des Zürgelbaums (schwarze Linie: 10 Mikrometer = 0,01 Millimeter)
200.000 Jahre alte, fossile Polle des Zürgelbaums (schwarze Linie: 10 Mikrometer = 0,01 Millimeter) (Quelle: LfU)
+++ Neueste Erkenntnisse des Landesamtes für Umwelt (LfU) lassen darauf schließen, dass es während der vorletzten Eiszeit im Chiemgau einen bislang unbekannten Wärmeeinbruch gegeben haben muss. Das teilte Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes am LfU, heute nach der Untersuchung von 200.000 Jahre alten Bodenproben mit. Eichhorn: „Es war ein geologischer Glücksfall, dass in einem Graben bei Rohrdorf am Inn ein eiszeitlicher Boden bis heute erhalten blieb. Denn er hielt eine Überraschung parat: Die darin gefundenen Pollen des äußerst seltenen Zürgelbaums lassen sich nur durch Tauwetter in der Eiszeit erklären.“ Die Pollen belegen eine für Süddeutschland bislang einzigartige Vegetationsentwicklung mit Wärme liebenden Ulmen, Eichen, Eschen, Haseln, Hainbuchen und dem in unseren Breiten äußerst seltenen Zürgelbaum. Eichhorn: „Eigentlich sollte es zwischen 325.000 und 120.000 Jahre vor heute ununterbrochen eisig kalt gewesen sein. Jetzt haben wir erstmals Belege, dass damals im Chiemgau fast mediterrane Verhältnisse geherrscht haben müssen – und das vermutlich 10.000 Jahre lang.“ +++

Insgesamt wurden von einer Pollenexpertin aus Weissach im Auftrag des LfU 125 Bodenproben aus dem Chiemgau nach eiszeitlichen Pollen durchsucht und analysiert. Die Proben wurden unter dem Mikroskop bei 500-facher Vergrößerung bestimmt, in schwierigen Fällen wurden die Pollen sogar 1.250-fach vergrößert. Die Altersbestimmung der Proben erfolgte durch ein Speziallabor am Geologischen Institut der Universität Innsbruck. Dabei wurde die für Süddeutschland bislang einzigartige, uralte Vegetationsabfolge entdeckt.

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