PRESSEMITTEILUNG

Nr. 23 / Dienstag, 22. Juni 2010

Naturschutz
Moorrenaturierung stärkt Natur- und Klimaschutz

Neuer Handlungsschlüssel des Landesamtes mit Praxistipps für den Moorschutz vorgestellt

Quelle: LfU
(Weilheim) +++ "Moorrenaturierung hilft bedrohten Arten und schützt das Klima, ist aber äußerst anspruchsvoll, gilt es doch über jahrhundert wirkende natürliche Entstehungsprozesse im Zeitraffer zu aktivieren" betonte Albert Göttle, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU), anlässlich eines Workshops zur Moorrenaturierung in Weilheim. Über 70 -Experten diskutieren heute über konkrete Praxistipps zur Moorrenaturierung. Denn ob Torf oder mineralisches Material zur Aufschüttung von Dämmen verwendet wird, ob dabei zusätzlich hölzerne oder metallene Spundwände eingesetzt werden – das Ziel bleibt dasselbe: Das Grundwasser des Moores soll bis an die Geländeoberkante angestaut werden. Dann können sich die spezialisierten Moorpflanzen wieder einstellen und gleichzeitig wird die Freisetzung von Klimagasen aus dem entwässerten Moorkörper gestoppt. Die Erfahrung aus der Sanierung von 29 Mooren Bayerns stellt das LfU Naturschutzbehörden, Verbänden, Planern und Fachleuten zur Verfügung. Der neue Leitfaden unterstützt mit Schritt-für-Schritt-Entscheidungshilfen. "Die aktuell laufenden Renaturierungsprojekte in Regen- und Übergangsmooren können so das Renaturierungsziel je nach Wasserhaushalt, Relief und Zersetzungsgrad des Torfes optimal erreichen", so Göttle. +++

Moorrenaturierung steht derzeit auf der Agenda der Naturschutz-Experten des Landesamtes sehr weit oben: Allein bis 2010 stehen in Bayern acht Millionen Euro aus dem Klimaprogramm 2020 dafür zur Verfügung. Neben wissenschaftlichen Begleituntersuchungen zur Klimarelevanz von Mooren dienen diese Mittel vor allem dem Ankauf von entwässerten Moorflächen und ihrer Renaturierung. Fachleute des LfU und der Regierungen haben dabei vor allem Hochmoore im Auge. Langfristiges Ziel ist es, bis 2020 mindestens 50 ausgewählte Moore zu renaturieren. Ein besonders gelungenes Beispiel für eine klimafreundliche Hochmoor-Renaturierung ist das Schechenfilz bei Iffeldorf, das die Moor-Experten im Rahmen einer Exkursion besuchen.

Faktenkasten: Klimafaktor Moore

  • Zentral für den Moorschutz ist die Wiederherstellung des Wasserhaushaltes auf der Fläche: Er ist Voraussetzung für aktives Moorwachstum durch Torfbildung. In Bayern sind rund 95 Prozent der Moore entwässert und durch den Menschen stark verändert.
  • Moore sind Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten, die an die nassen und meist sehr nährstoffarmen Böden angepasst sind und nur hier überleben können: So stehen zum Beispiel mehr als drei Viertel der Pflanzenarten, die in Hochmooren wachsen, auf der Roten Liste.
  • Moore sind ein großer Kohlenstoffspeicher, denn wegen des hohen Wasserstandes wird das abgestorbene Pflanzenmaterial nicht weiter zersetzt, so dass sich der sogenannte Torf bildet. Weltweit ist rund ein Fünftel des gesamten Kohlenstoffs in Mooren gebunden. Eine zehn Zentimeter dicke Torfschicht enthält in etwa so viel Kohlenstoff wie ein hundertjähriger Wald. Wird ein Moor entwässert, entsteht daraus das Klimagas Kohlendioxid.
  • Allein in den noch bestehenden bayerischen Mooren sind schätzungsweise
  • 185 Millionen Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Das entspricht ungefähr 680 Millionen Tonnen CO2, wenn der gebundene Kohlenstoff über Abbauprozesse als CO2 freigesetzt wird. Zum Vergleich: Bayern plant, die jährlichen energiebedingten CO2-Emissionen von rund 90 Millionen Tonnen Ende der 90er Jahre auf 80 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2010 zu senken.



Weitere Informationen
Moorrenaturierung kompakt – Handlungsschlüssel für die Praxis: Der neue Leitfaden wird in den nächsten Tagen unter www.bestellen.bayern.de abrufbar sein.
Moorentwicklungskonzept Bayern: http://www.lfu.bayern.de/natur/fachinformationen/moorentwicklungskonzept.

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