PRESSEMITTEILUNG

Nr. 18 / Mittwoch, 09. Juni 2010

’Bayerns schönste Geotope’
Erdgeschichte zum Anfassen: Geo-Gütesiegel für den "Wächter des Allgäus"

LfU-Präsident Göttle nimmt den Grünten mit dem Steinbruch an der Schanz in Bayerns Bestenliste der 100 schönsten Geotope auf

Quelle: LfU
(Burgberg i. A.) +++ Der "Wächter des Allgäus" bekam heute vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) das Gütesiegel: Damit gehört der Grünten nun offiziell zu den bedeutendsten geologischen Naturwundern Bayerns. Weithin sichtbar ragt der auffällige Gipfel über den Alpenrand bei Sonthofen. Seine Kalk- und Sandsteine stammen aus dem Helvetikum und sind bei Burgberg im Steinbruch an der Schanz wie kaum an einem anderen Ort lehrbuchhaft zu sehen: "Die Gesteine am Grünten beeindrucken durch ihre Farben und Strukturen. Hier haben wir Erdgeschichte zum Anfassen: An diesem natürlichen Archiv können wir die Vergangenheit studieren und damit den momentanen Zustand erklären und künftige Ereignisse einordnen", erklärte LfU-Präsident Albert Göttle heute beim Festakt und betonte auch den technischen Nutzwert der Gesteine am Grünten: "Hier werden seit Jahrzehnten hochwertige Baumaterialien insbesondere für den Wasserbau gewonnen." Göttle stammt selbst aus dem Oberallgäu und freut sich daher besonders, dass er den Steinbruch an der Schanz heute als 85. Geotop in das Programm "Bayerns schönste Geotope" aufnehmen konnte. +++

Ein Gremium von Fachleuten des LfU – der obersten Fachbehörde für Geologie, Natur, Wasser und Umwelt – und der Umweltverwaltung wählt die Geotope aus, die in die Bestenliste aufgenommen werden. Für jedes Geotop bieten Internet-Informationen und Faltblätter in den Fremdenverkehrsämtern der Gemeinden umfassende Erläuterungen. Hinweisschilder an den Wanderwegen leiten die Besucher zu den Naturschätzen und den dortigen Informationstafeln.

Geotope werden im Freistaat seit 1985 systematisch erfasst. Bisher wurden mehr als 3.100 detailliert beschrieben und in den Geotopkataster Bayern aufgenommen. Weitere Informationen hierzu unter: www.geotope.bayern.de.

Fakten-Kasten zum Helvetikum am Grünten

Die Gesteine am Grünten gehören zum so genannten Helvetikum, einer nach der Schweiz benannten Baueinheit der Alpen, die in Bayern nur im Allgäu großflächig verbreitet ist.

Im "Steinbruch an der Schanz" bei Burgberg ist auf engem Raum eine große Vielfalt helvetischer Schichten zu sehen. Die Abbauwand wird von grünlichen Sandsteinen und hellgrauem Kalkstein beherrscht. Am Südhang des Grüntens wurde früher Eisenerz abgebaut. Heute kann man im Schaubergwerk der Erzgruben-Erlebniswelt noch einen Eindruck davon gewinnen.

Entstanden sind die unterschiedlichen Gesteine in einem Meer am Südrand der Europäischen Kontinentalplatte zwischen der Kreide- und der älteren Tertiärzeit (vor ca. 35 bis 145 Millionen Jahren). Vor allem die Sandsteine aus der Mittleren Kreidezeit sind durch das Mineral Glaukonit auffällig grün gefärbt. Typisch für die Serien des Alttertiärs sind Eisenvererzungen.

Als während der Tertiärzeit das damalige Europa mit der Adriatisch-Afrikanischen Kontinentalplatte kollidierte, wurden die helvetischen Gesteinsschichten von ihrer Unterlage abgeschert, verfaltet und nach Norden verfrachtet. In Form von mächtigen tektonischen Baueinheiten ("Decken") stapelten sich Gesteine aus völlig unterschiedlichen Ablagerungsräumen übereinander. So bildet das Helvetikum heute ein tektonisches Stockwerk des alpinen Deckengebirges.



Redaktionelle Hinweise:
Weitere Informationen zum ’Helvetikum am Grünten’ im Internet unter
www.lfu.bayern.de/geologie/fachinformationen/geotope_schoensten/schwaben/88/index.htm

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