PRESSEMITTEILUNG

Nr. 51 / Freitag, 02. Oktober 2009

’Bayerns schönste Geotope’
Geo-Gütesiegel für den Vulkankrater Gebirgsstein in der Rhön

Quelle: LfU
(Wildflecken) +++ Heute wurde der Steinbruch Gebirgsstein im Landkreis Bad Kissingen in die Bestenliste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen. "Durch den Basaltabbau wurde am Gebirgsstein die Struktur eines ehemaligen Vulkankraters wieder sichtbar. Wir befinden uns auf der heutigen Steinbruchsohle im Inneren des ehemaligen Vulkankraters.", sagte Ministerialrätin Christina von Seckendorff vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit bei der Übergabe des Geotop-Gütesiegels an die Bayerischen Staatsforsten sowie den Naturpark und Biosphärenreservat Bayerische Rhön. Normalerweise sind die Vulkane aus der Tertiär-Zeit so weit erodiert, dass ihre Kraterform nicht mehr zu erkennen ist. Der Steinbruch Gebirgsstein zeigt dagegen in einzigartiger Weise einen Querschnitt durch einen Schlackenkegel mit einem darin erstarrten See aus ehemals glutflüssiger Lava. Ein vom Landesamt für Umwelt (LfU) herausgegebenes Faltblatt mit dem Titel "Entschlacken am See?" erläutert die geologischen Besonderheiten und die Entstehung dieses "steinalten Naturschatzes". +++

Geotope sind bemerkenswerte Werke der Natur, deren Attraktivität es zu erhalten und touristisch sowie naturschutzfachlich zu nutzen gilt. Für jeden der schönsten Geotope bieten Internet-Informationen und Faltblätter in den Fremdenverkehrsämtern umfassende Erläuterungen. Hinweisschilder an den Wanderwegen leiten die Besucher zu den Naturschätzen und den dortigen Informationstafeln. Einheimische und Touristen haben so die Möglichkeit alles Wissenswerte über die Geologie ’mitzunehmen’. Einschließlich des Vulkankraters Gebirgsstein wurden bislang insgesamt 82 Objekte mit dem Gütesiegel "Bayerns schönste Geotope" ausgezeichnet, davon neun in Unterfranken. In die Bestenliste wurden in der Rhön bereits der Basaltbruch am Lindenstumpf, der Frickenhäuser See und das Schwarze Moor aufgenommen.

Nur wenige "Orte auf der Erdoberfläche" (Geotope) ermöglichen es, das Wissen über die Entstehung unserer Erde und die Entwicklung des Lebens auf ihr zu gewinnen und zu vermehren. Geotope werden im Freistaat seit 1985 systematisch erfasst. Bisher wurden rund 3.100 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt detailliert beschrieben und im Geotopkataster Bayern aufgenommen. Weitere Informationen hierzu unter: www.geotope.bayern.de. Ein Gremium von Fachleuten des LfU – der obersten Fachbehörde für Geologie, Natur, Wasser und Umwelt – und der Umweltverwaltung wählt die 100 Geotope aus, die in die Bestenliste aufgenommen werden.

Fakten-Kasten zum Geotop ’Vulkankrater Gebirgsstein’

  • In der Zeit des Tertiär fanden in Mitteleuropa bedeutende Bewegungen innerhalb der Erdkruste statt. Dort, wo an tief reichenden Brüchen vor etwa 10 bis 30 Millionen Jahren Magma aus dem Erdmantel bis an die Erdoberfläche steigen konnte, entstanden ausgedehnte Vulkangebiete wie z.B. in der Rhön.
  • Im Steinbruch Gebirgsstein kommen zwei verschiedene Gesteine vulkanischen Ursprungs vor: rote "Schlacke" und schwarzer "Basalt". Die Schlacke ist das Produkt einer explosiven Phase, die zur Bildung eines "Schlackenkegels" führte. Der Basalt entstand in einer ruhigeren Phase, als sich im Krater ein See aus glühender Lava bildete, der dort erstarrte. Durch die spätere Überdeckung mit jüngeren Schichten wurde der kleine Vulkankegel konserviert.
  • Der Steinbruch Gebirgsstein war von 1937 bis 1962 in Betrieb. Durch den Abbau wurde die Struktur des Vulkankraters wieder sichtbar. Der abgebaute Basalt wurde vor allem als Eisenbahnschotter, aber auch beim Straßenbau sowie für Pflastersteine verwendet. Heute ist der Steinbruch rekultiviert und stellt als Geotop ein wichtiges Forschungs- und Lehrobjekt dar. Er liegt in einem Naturschutzgebiet und darf im März und April nicht betreten werden.



Redaktionelle Hinweise:
Weitere Informationen zum ’Vulkankrater Gebirgsstein’ im Internet unter
www.lfu.bayern.de/geologie/fachinformationen/geotope_schoensten/unterfranken/84/index.htm

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