PRESSEMITTEILUNG

Nr. 48 / Montag, 21. September 2009

’Bayerns schönste Geotope’
"Knolliger Kalk für Küche und Kirche": Steinerne Archive bei Ruhpolding mit dem Geo-Gütesiegel ausgezeichnet

LfU-Präsident Göttle bei Festakt: "Ruhpoldinger Marmor ab sofort in Bayerns Bestenliste der 100 schönsten Geotope"

Quelle: LfU
(Ruhpolding) +++ Der "Ruhpoldinger Marmor" am Haßlberg wurde heute vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) prämiert und gehört damit offiziell zu den 100 bedeutendsten geologischen Naturwundern Bayerns. Gelegen in den Chiemgauer Alpen bei Ruhpolding, beeindrucken diese sehr dekorativen Naturwerksteine bei Ruhpolding nicht nur durch ihre Farben und Strukturen, sie vermitteln auch einmalige Einblicke in die Erdgeschichte: "Geotope sind natürliche Archive und Labore, die uns helfen, durch die Kenntnis der Vergangenheit die Gegenwart zu verstehen und zukünftige Ereignisse besser einzuordnen", erklärte LfU-Präsident Albert Göttle heute beim Festakt. Heuer ist es bereits das vierte Geotop, das das Landesamt in das Programm "Bayerns schönste Geotope" aufgenommen hat. Mit dem Ruhpoldinger Marmor erhielt zum achtzehnten Mal ein oberbayerisches Geotop die Auszeichnung. +++

Der rötliche Ruhpoldinger Marmor gehört zu den bunten Kalksteinen des alpinen Jura. Besonders auffällig sind die in der braunroten Grundmasse liegenden, etwas helleren Knollen, die teils auf Ammoniten (Cephalopoden), teils auf Schlickgerölle zurückzuführen sind. In dem gut erhaltenen und gut zugänglichen, ehemaligen Steinbruch am Haßlberg südwestlich von Ruhpolding wurde der rötliche Ruhpoldinger Marmor früher als Dekor- und Baustein gewonnen. Daneben sind dort graue, braune und rote Kalksteine und Knollenflaserkalke mit unterschiedlichen Strukturen und Fossilresten, wie Seelilien zu sehen.

Obwohl es sich bei dem Gestein nicht um einen echten Marmor, also ein metamorphes Karbonatgestein, handelt, hat sich auf Grund seines Aussehens, der guten Bearbeitbarkeit und seiner Schleifbarkeit der Begriff Marmor über Jahrhunderte gehalten. Die einstige Bedeutung des Ruhpoldinger Marmors als Dekorstein (z.B. für Bodenplatten, Taufbecken) ist noch heute an vielen Gebäuden in der Region erkennbar.

Ein Gremium von Fachleuten des LfU – der obersten Fachbehörde für Geologie, Natur, Wasser und Umwelt – und der Umweltverwaltung wählt die Geotope aus, die in die Bestenliste aufgenommen werden. Für jedes Geotop bieten Internet-Informationen und Faltblätter in den Fremdenverkehrsämtern der Gemeinden umfassende Erläuterungen. Hinweisschilder an den Wanderwegen leiten die Besucher zu den Naturschätzen und den dortigen Informationstafeln.
Geotope werden im Freistaat seit 1985 systematisch erfasst. Bisher sind rund 3.100 detailliert beschrieben und im Geotopkataster Bayern des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) aufgenommen. Weitere Informationen hierzu unter: www.geotope.bayern.de.

Fakten-Kasten zur Entstehung des Ruhpoldinger Marmors

  • Hauptsächlich während der Triaszeit entstanden in einem tropischen Flachmeer auf einem Kontinentalschelf die Gesteine der Nördlichen Kalkalpen. Zu Beginn der Jurazeit vor ca. 200 Millionen Jahren zerbrach die Schelfplattform und das Meer gliederte sich in Becken und Schwellen, wo verschiedenartige Sedimentgesteine gebildet wurden. In den Becken setzten sich Tiefseesedimente ab, während auf den Schwellen verschiedene bunte Kalksteine entstanden. Zu den bunten Kalken des Oberen Jura (Malm) rechnet man vor allem rötliche Kalksteine wie den Ruhpoldinger Marmor, die vor etwa 150 Millionen Jahren entstanden und heute am Alpenrand zwischen Tegernsee und Inzell zu finden sind. Bei Ruhpolding wurden diese rötlichen Kalksteine das erste Mal wissenschaftlich beschrieben – der "Ruhpoldinger Marmor".
  • Wie die anderen bunten Jurakalke, entstand auch der Ruhpoldinger Marmor im Bereich einer untermeerischen Schwelle. Unruhige Ablagerungsbedingungen führten zu Umlagerungsvorgängen im noch nicht verfestigten Material, Lebewesen durchwühlten das frische Sediment, und Kalk ging teilweise wieder in Lösung. Diese Vorgänge führten dazu, dass das Gestein heute nur grob gebankt ist und unregelmäßige, knollige Sedimentstrukturen aufweist.



Redaktionelle Hinweise:
Weitere Informationen zum ’Ruhpoldinger Marmor’ im Internet unter www.lfu.bayern.de/geologie/fachinformationen/geotope_schoensten/oberbayern/79/index.htm.

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