Gemeinsame PRESSEMITTEILUNGGemeinsame Pressemitteilung mit der Regierung von Mittelfranken

Nr. 15 / Mittwoch, 22. April 2009

Botanischer Artenschutz
Artenschutz konkret: Neuer Landeplatz für seltene "Pusteblumen" geschaffen

Artenhilfsprojekt in Mittelfranken schafft neuen Lebensraum für seltene Löwenzahn-Arten / erfolgreiche Umsetzung von Kartierungsergebnissen des LfU

Erfolgreiches Artenhilfsprojekt für seltene Löwenzahn-Arten (Pollichis Löwenzahn)
Erfolgreiches Artenhilfsprojekt für seltene Löwenzahn-Arten (Pollichis Löwenzahn) (Quelle: Foto: Andreas Zehm, LfU)
(Augsburg / Ansbach) +++ Löwenzahn ist eine Allerweltspflanze und die artenreichste Pflanzengattung Deutschlands. Kaum bekannt: nicht wenige der Löwenzahn-Arten sind bedroht und stehen auf der Roten Liste. Ein Artenhilfsprojekt in Mittelfranken schafft nun neuen Lebensraum für seltene Löwenzähne. Gemeinsam mit der Stadt Treuchtlingen, der Regierung von Mittelfranken und dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) konnte eine wilde Bauschuttablagerung im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen so weit abgeräumt werden, dass neue Wuchsbereiche für drei seltene Löwenzahn-Arten entstanden sind. Für den Erhalt dieser nur an wenigen Stellen in Deutschland vorkommenden Arten hat Bayern die weltweite Hauptverantwortung. Bislang hatten die Bestände auf dem rund einen Hektar großen Gebiet sehr unter den unkontrollierten, nicht genehmigten Ablagerungen gelitten. Doch wenn in den nächsten Tagen auch die letzten Erdhaufen entfernt worden sind, steht genau rechtzeitig zur Flugzeit offener Erdboden für eine Wiederbesiedlung durch die Samen-Fallschirme der Löwenzähne bereit. LfU-Botaniker Andreas Zehm: "Eine konkrete und erfolgreiche Umsetzung unseres laufenden Programms". Das LfU hat im letzten Jahr ein Artenhilfsprojekt für die besonders seltenen Löwenzahn-Arten gestartet und leistet damit einen wichtigen Beitrag für die Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie. +++

In Mittelfranken wurden 37 Stellen daraufhin untersucht, ob noch schützenswerte Löwenzahn-Arten zu finden sind. Mit erfreulichen Ergebnissen: die Artenvielfalt ist noch hoch, und eine Art - der Doppelzähnige Löwenzahn - konnte erstmals auch in Bayern nachgewiesen werden. Die Vorkommen sind allerdings über ganz Mittelfranken verstreut und inzwischen als kleine Inseln isoliert. Außerdem gefährden Überbauung, intensive Landwirtschaft oder Nutzungsaufgaben einen Großteil der Vorkommen. Mit der Räumung der Ablagerungen wird nun in Mittelfanken der Landeplatz für drei sehr seltene Arten von "Pusteblumen" wiederhergestellt.

Es sind über 400 Löwenzahn-Arten bekannt, fast die Hälfte davon in Bayern. Neben den Massenpflanzen, die auf gut gedüngten Wiesen wachsen, gibt es auch Seltenheiten, wie zum Beispiel den in Gundelsheim wachsenden Bayerischen Löwenzahn, den Namensvetter des Bayerischen Löwen. Die verschiedenen Löwenzahn-Arten besiedeln nahezu alle Lebensräume Deutschlands, sogar in Blumenkübeln der Innenstädte kann man sie finden.

Den Erfolg der Löwenzähne macht eine spezielle Eigenschaft möglich: Er kann sich auch ungeschlechtlich fortpflanzen; er kann also Samenstände ohne vorherige Befruchtung bilden. Dadurch wird eine rasche Evolution und eine optimale Anpassung an neue Standorte möglich. Ändern sich die Umweltbedingungen, dann verschwinden jedoch gerade die hoch spezialisierten Arten besonders schnell, weil sie mit ihren perfekt austarierten ökologischen Ansprüchen kaum Ausweichmöglichkeiten haben. Dies ist zum Beispiel das Problem der Sumpf-Löwenzähne, die an nährstoffarme, mittelfeuchte und niedrigwüchsige Wiesen angepasst sind, die selbst in Bayern immer seltener werden. Einige dieser Arten sind sogenannte Endemiten, die weltweit nur in einem engen Bereich vorkommen. Für diese Pflanzen zum Beispiel Pollichis Löwenzahn hat Bayern die alleinige Verantwortung zum Schutz. Das LfU hat deshalb ein spezielles Artenhilfsprojekt für stark gefährdete Pflanzen und Endemiten aufgelegt.

Weitere Infos:

Artenhilfsprogramm Botanik des LfU

Fachinformationen zu den Löwenzahn-Arten (Taraxacum bavaricum, Taraxacum madidum, Taraxacum trilobifolium)

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