PRESSEMITTEILUNG

Nr. 10 / Freitag, 20. März 2009

23. März: Weltwettertag
Tropfen für Tropfen: High Tech - Messungen für präzise Flut-Prognosen

Mehr als 300 automatische Niederschlagsmesser zeichnen Regenmengen auf / Landesamt-Präsident Göttle: Wichtiger Baustein für Hochwasservorhersagen

Quelle: LfU
(Augsburg) +++ Bayerns hochmodernes Niederschlagsmessnetz ist für eine präzise Hochwasser-Vorhersage unentbehrlich. Darauf hat heute Albert Göttle, der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU), anlässlich des Weltwettertags hingewiesen. Mehr als 300 vollautomatische Messeinrichtungen zeichnen Tropfen für Tropfen die Menge und Stärke des Regens auf und liefern die Daten online ins Internet. „Auch in Zeiten des Wetterradars sind die Stationen des Bodenmessnetzes unentbehrlich für präzise Prognosen“, sagte Göttle. Wetterbeobachter kontrollieren außerdem täglich die automatischen Stationen und führen im Winter Schneemessungen durch. Vor allem die aktuellen Wassergehalte des Schnees sind sehr wichtig für die Hochwasservorhersagen, wie der schneereiche Winter dieses Jahres erneut bewies. Alle Niederschlagsdaten und die numerischen Wettervorhersagen gehen in die sogenannten Niederschlags-Abfluss-Modelle ein. Damit errechnen die Wasser-Fachleute des LfU die Vorhersagen für mehr als ein Drittel aller Pegel des Bayerischen Hochwassernachrichtendienstes , die im Internet zugänglich sind (www.hnd.bayern.de). „Bei Hochwasser sind frühzeitige Warnungen und Prognosen entscheidend, denn schnelles Handeln braucht zuverlässige Vorhersagen“, hob Präsident Albert Göttle hervor. Rund zwei Millionen Euro hat der Freistaat im Rahmen des „Innovationsprogramms Gewässerkundlicher Dienst“ für das Niederschlagsmessnetz ausgegeben. +++

Für die Einsatzkräfte sind Hochwasservorhersagen unentbehrlich, um Sofortmaßnahmen zur Schadensabwehr zu planen, zum Beispiel beim Aufbau mobiler Schutzelemente oder bei Straßensperrungen. Von den verbesserten Vorhersagemöglichkeiten profitieren in erster Linie die Anlieger in hochwassergefährdeten Bereichen. Die Hochwasservorhersagezentralen des LfU und der Wasserwirtschaftsämter Weilheim und Kempten können dabei auf die Ergebnisse der Regen- und Schneemessungen online zugreifen.

Faktenkasten

  • Moderne Niederschlagsmesser registrieren „tröpfchengenau“: Eine hochempfindliche elektronische Waage erfasst jeden Regentropfen digital. Damit werden der Verlauf und die Menge des Regens im Minutenintervall gemessen und stündlich zentral abgerufen.
  • Mit Hilfe der Bodenmessungen werden die Wetterradarbilder online geeicht.
  • Die neuen Messstationen des Freistaats werden von Privatpersonen und von kommunalen oder staatlichen Verwaltungen täglich betreut und gewartet. Durch tägliche Kontrollmessungen der Beobachter wird die Datenqualität der Niederschlagsautomaten gesichert. Außerdem werden weitere Daten per Funkübertragung zur Verfügung gestellt (zum Beispiel die Schneehöhe, der Wassergehalt der Schneedecke, Schneebedeckung, Erdbodenzustand). An vier bayerischen Stationen werden die Schneehöhe und der Wassergehalt der Schneedecke auch schon automatisch erfasst.
  • Der Freistaat und der Deutsche Wetterdienst (DWD) arbeiten beim Betrieb der Niederschlags-Messstationen (Messnetz 2000) eng zusammen. Ein Drittel aller Stationen werden von der bayerischen Wasserwirtschaft betrieben, zwei Drittel unterhält der DWD. Auch die Oberlieger Österreich, Baden-Württemberg und Hessen stellen Niederschlagsdaten bereit.
  • Die aktuellen Niederschlagswerte sind eine wichtige Grundlage für Hochwasserprognosen, die mit Modellen berechnet werden. Für alle größeren bayerischen Flussgebiete sind maßgeschneiderte Modelle in der Anwendung, zum Beispiel für den Bereich Iller/Lech, den Inn, die Donau, den Main, die Regnitz und die fränkische Saale. Sie können den Zeitpunkt und die Höhe der Hochwasserwelle bis zu 24 Stunden vorhersagen. Für rund 70 Pegel werden bei Hochwasser mehrmals täglich Vorhersagen erstellt, die im Internet abrufbar sind.
  • An der Isar wird der Sylvensteinspeicher mit einem eigenen Modell gesteuert. Dies hat bereits mehrfach die Unterlieger von Bad Tölz bis Landshut vor größeren Hochwasserschäden bewahrt, zuletzt beim Hochwasser im August 2005.



Weitere Informationen
Karte Automatische Niederschlagsstationen (Messnetz 2000)

www.lfu.bayern.de/wasser/fachinformationen/niederschlagsmenge_messung/niederschlagsmessnetz/index.htm

www.hnd.bayern.de/karten/nhauptkarte.php



Redaktionelle Hinweise:
Für die Regionalisierung der Informationen kann für alle Regionen Bayerns ein Kontakt zu privaten Beobachtern vor Ort hergestellt werden.
Der Weltwettertag findet weltweit jährlich am 23. März statt: www.wmo.int/wmd/index_en.html

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