Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft

Nr. 72 / Montag, 20. Oktober 2008

Landwirtschaft und Naturschutz
Streuwiesentag bei Seebruck: Neues Interesse für traditionsreiche Nutzung

Streuwiesenmahd bringt wertvolle Streu und erhält den Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste / Streuwiesentag des LfU-Projekts "Riedteufel" am 6.10. bei Seebruck

Quelle: LfU
(Augsburg/ Freising-Weihenstephan) +++ Bei Seebruck am Chiemsee trafen sich heute rund 40 Landwirte, um sich beim Streuwiesentag über eine althergebrachte, aber wieder aktuelle Nutzungsform zu informieren: die Streuwiesen-Mahd. Über dieses große Interesse freut sich Albert Göttle, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU): "Die Landwirte erhalten damit den Lebensraum für viele wertvolle Tiere und Pflanzen", erläuterte er. Denn die blumenreichen Streuwiesen verschwanden in den letzten Jahrzehnten immer mehr: Ohne eine schonende, späte Mahd rauben schnellwachsende Gehölze den kleineren Wiesenpflanzen das Licht. Dann verschwinden die prächtigen Arten der Streuwiesen wie Sumpfgladiole, Schlauchenzian oder Sibirische Schwertlilie. Aber auch Arten wie der Riedteufel, ein eher unscheinbarer Schmetterling, sind heute stark gefährdet. Das Interesse der Landwirte an einer erneuten Nutzung der Streuwiesen ist erfreulich hoch, da das Mähgut beispielsweise als Dämm- oder Brennmaterial und in Biogasanlagen innovativ verwendet werden kann. Daher wirbt auch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) für die Streuwiesennuztung. Für die Landwirte selber standen am Streuwiesentag praktisches Know-How und der Erfahrungsaustausch im Vordergrund: Es zeigt sich, dass hochwertige Streu für die Kälberhaltung geeignet ist, so die LfL-Experten. Die Tiere fressen die schmackhaften und gesunden Kräuter aus der Streu sehr gerne – man holt sich quasi die Apotheke in den Stall. Das LfU investiert im "Riedteufel"-Projekt in vier Jahren knapp 90.000 Euro, um gemeinsam mit der LfL praxistaugliches Wissen zu erarbeiten und weiterzugeben. +++

Mit dem Projekt "Riedteufel" hat sich das LfU zur Aufgabe gemacht, die Streuwiesennutzung in den großen Mooren des Voralpenlandes gezielt zu fördern. Dazu nutzt das LfU seit 2007 die Expertise der Arbeitsgemeinschaft der Öko-Erzeugerringe: Deren Fachleute sammeln praxistaugliches Know-How. Sie untersuchen die Eignung des Streuwiesen-Materials für verschiedene Stalltypen und Einstreusysteme. Mahd, Einbringung und Handhabung im Stall werden dabei ebenso unter die Lupe genommen wie die Qualität der Streu und ihre hygienischen Eigenschaften zum Beispiel im Kälberstall. Außerdem werden Biobauern gezielt beraten, die bis 2010 ihre Ställe umbauen müssen und vermehrt auf Einstreu zurückgreifen können. Im Rahmen des Projekts werden jährlich vier Streuwiesentage in verschiedenen Regionen des Voralpenlandes veranstaltet, die der Information und dem Erfahrungsaustausch von Landwirten dienen. Landwirte können die jährliche Bewirtschaftung der Streuwiesen im Rahmen des Erschwernisausgleichs durchführen, für die Wiederherstellung von Brachen gewährt der Freistaat Landschaftspflegemittel.

Faktenkasten Streuwiesen

  • Streuwiesen sind nährstoffarme, feuchte Wiesen, die traditionell nicht gedüngt und nur einmal spät im Jahr gemäht werden. Ihre gröberen Stängel werden nicht als Futter, sondern als Einstreu verwendet. Nur durch regelmäßig späte Nutzung bleibt die Artenzusammensetzung der Pflanzenbestände erhalten, die wiederum die Lebensgrundlage für hoch spezialisierte Tierarten bilden.
  • Am Ufer des Chiemsees oder an Geländekanten treten kleinflächig Quellen zu Tage, in Mulden finden sich Versumpfungsmoore. Dort sind schwachwüchsige Kleinseggenrasen mit Glanzstendel, einer Orchideenart, und Schlauch-Enzian zu finden. Für beide Arten trägt Bayern europäische bzw. weltweite Verantwortung. Darüber hinaus kommt im Chiemseegebiet die stark gefährdete Fadenwurzelige Segge und die Bekassine vor.
  • Charakteristisch für die im Sommer blumenbunten und im Herbst leuchtend gelben bis orangeroten Streuwiesen sind die vielen hoch bedrohten Tagfalterarten wie der Riedteufel. Die Streuwiesen dienen ihnen als wichtige "Nektartankstellen".
  • Neun Prozent der Rote-Listen-Arten kommen auf pflegeabhängigen Niedermoorstandorten oder in Streuwiesen vor, zum Beispiel Torfmoose, Enziane und Orchideen. Für einige Streuwiesen-Arten trägt Bayern europäische oder sogar weltweite Verantwortung, zum Beispiel für Schlauch-Enzian, Sumpfgladiole und Schwarzblauen Ameisenbläuling.



Redaktionelle Hinweise:
Merkblatt "Streuwiesen nutzen – Artenvielfalt erhalten":
http://www.lfu.bayern.de.
Informationen über Streuwiesenprojekte auf der Seite der Landschaftspflegeverbände: www.lpv.de

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