PRESSEMITTEILUNG

Nr. 55 / Freitag, 19. September 2008

’Bayerns schönste Geotope’
"Ammergauer Wetzsteine" mit dem Geo-Gütesiegel ausgezeichnet

Quelle: LfU
(Unterammergau) +++ Die "Ammergauer Wetzsteine" wurden heute vom Umweltministerium prämiert und gehören damit offiziell zu den 100 bedeutendsten geologischen Naturwundern Bayerns. Über Jahrhunderte hinweg wurden in den Ammergauer Bergen besondere Gesteine zur Gewinnung von Wetzsteinen abgebaut. "Die Schleifmühlklamm und die ehemaligen Wetzsteinbrüche bei Unterammergau sind einmalige Dokumente der Natur- und Kulturgeschichte der Region", erklärte Ministerialrätin von Seckendorff heute beim Festakt. "Mit Hilfe solcher Geotope sensibilisieren wir die Menschen für unser Naturerbe und fördern damit gleichzeitig den sanften Tourismus." Vier Geotope werden an diesem Wochenende anlässlich des bundesweiten Tags des Geotops in das Programm "Bayerns schönste Geotope" aufgenommen. Mit dem Arzberg erhielt zum 15. Mal ein oberbayerisches Geotop die begehrte Auszeichnung. +++

Bei Unterammergau wurden mit harter Arbeit jahrhundertelang Wetzsteine hergestellt. Das Rohmaterial gewann man in den nahen Steinbrüchen, mit Hilfe der Wasserkraft wurde es zu einer begehrten Handelsware veredelt und auf Flößen bis in die Donauländer verschifft. "Steinreich" wurde man von der harten Arbeit zwar kaum, jedoch konnte jeder "Steinheigel" zu recht stolz darauf sein, mit seiner Hände Arbeit etwas geleistet zu haben. Grundlage dieses Erwerbszweiges waren einzelne Gesteinslagen innerhalb der so genannten Ammergauer Schichten: die Wetzsteinkalke. Dies sind einzelne dünne Lagen, die bis 12,5 % sehr fein verteilter Kieselsäure enthalten – überwiegend in Form von winzigen Einzellerskeletten. Diese harten Kieselsäurepartikel eignen sich zum Schleifen von Stahl, während die weichere Matrix aus Kalk- oder Mergelstein relativ einfach zu Schleifsteinen zu formen war.

Für jeden Geotop in der Bestenliste bieten Internet-Informationen und Faltblätter in den Fremdenverkehrsämtern der Gemeinden umfassende Erläuterungen. Hinweisschilder an den Wanderwegen leiten die Besucher zu den Naturschätzen und den dortigen Informationstafeln.

Seit 1985 werden Geotope im Freistaat systematisch erfasst. Über 2.900 Einträge umfasst der GEOTOPKATASTER BAYERN des Bayerischen Landesamts für Umwelt. Weitere Informationen hierzu unter: www.geotope.bayern.de und in der neu erschienenen Broschüre "Geotope in Oberbayern".

Info-Kasten zur Entstehung der Ammergauer Schichten

  • Die Ammergauer Schichten entstanden vor über 140 Millionen Jahren am Grund eines Meeres. Kalkpartikel und abgestorbene Einzeller sanken auf den Grund der damaligen Tiefsee, so dass sich im Lauf von Jahrmillionen Schicht über Schicht ablagerte. Die Eigenschaften der Schichten wechseln in Abhängigkeit mit den jeweiligen Umwelt- und Lebensbedingungen zur Zeit ihrer Ablagerung.
  • In ihnen enthalten sind dünne Lagen von Wetzsteinkalken, die bis 12,5 Prozent sehr fein verteilter Kieselsäure enthalten – überwiegend in Form von winzigen Einzellerskeletten.
  • Sehr viel später führten tektonische Bewegungen in der Erdkruste zur Entstehung der Alpen. Die ehemals im Meer flach abgelagerten Schichten finden wir heute steil aufgerichtet am Nordrand der Kalkalpen wieder.



Redaktionelle Hinweise:
Weitere Informationen zu den Ammergauer Wetzsteinen im Internet unter
http://www.lfu.bayern.de

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