PRESSEMITTEILUNG

Nr. 51 / Sonntag, 14. September 2008

’Bayerns schönste Geotope’
Frankenwald: Geo-Gütesiegel für die Stockheimer Steinkohle

Auftakt zum Tag des Geotops 2008

Quelle: LfU
(Stockheim) +++ Heute wurde die Stockheimer Steinkohle im Landkreis Kronach in die Bestenliste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen. "Die Stockheimer Steinkohle war einst Bayerns bedeutendstes Steinkohlebergwerk – heute ist sie ein besonderes Geotop und erinnert an einen traditionsreichen Bergbaustandort", sagte Dr. Richard Fackler, Vizepräsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) bei der Übergabe des Geotop-Gütesiegels an die Gemeinde Stockheim. Nur an wenigen Stellen in Bayern wurde vor Jahrmillionen pflanzliches Material in Steinkohle umgewandelt: in den sogenannten Rotliegend-Becken, einer speziellen Formation im Norden Frankens. Fackler freute sich, dass Besucher heute in Stockheim das einzige noch zugängliche Steinkohleflöz in ganz Bayern finden: "Jahrzehnte nach der Nutzung wurde das Steinkohleflöz auf dem Gelände der ehemaligen Katharinenzeche wieder aufgeschürft". Ein vom LfU herausgegebenes Faltblatt mit dem Titel "Her mit der Kohle!" erläutert die geologischen Besonderheiten und die Entstehung dieses "steinalten Naturschatzes". +++

Geotope sind bemerkenswerte Werke der Natur, deren Attraktivität es zu erhalten und touristisch sowie naturschutzfachlich zu nutzen gilt. Für jeden der schönsten Geotope bieten Internet-Informationen und Faltblätter in den Fremdenverkehrsämtern umfassende Erläuterungen. Hinweisschilder an den Wanderwegen leiten die Besucher zu den Naturschätzen und Informationstafeln. Einheimische und Touristen haben so die Möglichkeit, alles Wissenswerte über die Geologie ’mitzunehmen’. Einschließlich der Stockheimer Steinkohle wurden bislang insgesamt 69 Objekte mit dem Gütesiegel "Bayerns schönste Geotope" ausgezeichnet, davon 13 in Oberfranken. In die Bestenliste wurden im Frankenwald bereits der Diabasbruch Galgenberg, der Marmorbruch Horwagen, Oertels Dachschieferbruch, der Eklogit am Weissenstein und die Steinachklamm aufgenommen.

Nur wenige "Orte auf der Erdoberfläche" (Geotope) ermöglichen es, das Wissen über die Entstehung unserer Erde und die Entwicklung des Lebens auf ihr zu gewinnen und zu vermehren. Geotope werden im Freistaat seit 1985 systematisch erfasst. Bisher wurden rund 3.000 vom Geologischen Landesamt (jetzt: Bayerisches Landesamt für Umwelt) detailliert beschrieben und im Geotopkataster Bayern aufgenommen. Weitere Informationen hierzu unter: http://www.geotope.bayern.de. Ein Gremium von Geologie-Experten des LfU und der Umweltverwaltung wählt die 100 Geotope aus, die in die Bestenliste aufgenommen werden.

Fakten-Kasten zum Geotop ’Stockheimer Steinkohle’

  • Das "Stockheimer Becken" ist eines von mehreren Becken, die sich vor über 300 Millionen Jahren innerhalb eines kurz vorher entstandenen Hochgebirges bildeten. In diesen Becken wurde der Abtragungsschutt des Gebirges abgelagert. Aufgrund der häufig intensiv roten Farbe der Ablagerungen werden diese als "Rotliegend" bezeichnet. Derartige Gesteine sind in Nordbayern im tieferen Untergrund weit verbreitet, an der Erdoberfläche aber nur an wenigen Stellen – wie um Stockheim – zu finden.
  • Die untersten Schichten im Stockheimer Becken wurden im oberen Karbon abgelagert, einem Erdzeitalter, in dem hier tropische Klimaverhältnisse herrschten. Unter den feucht-warmen Bedingungen reicherten sich große Mengen von unzersetztem pflanzlichen Material z. B. in Sumpfwäldern und Mooren an, oder es wurde an anderen Orten von Flüssen zusammengeschwemmt.
  • Wenn das pflanzliche Material im Lauf von jüngeren Ablagerungen überdeckt und unter dem Einfluss von Druck und Temperatur umgewandelt wurde, entstand daraus Kohle. In Bayern herrschten nur in den Rotliegend-Becken für die Bildung von Steinkohle ausreichende Temperaturen; die wesentlich jüngeren, aus der Tertiärzeit stammenden Kohlen des Naabtales und des Alpenvorlandes dagegen sind Braunkohlen.
  • Bei Stockheim und Reitsch befanden sich früher die wirtschaftlich bedeutendsten Steinkohle-Bergwerke in Bayern. Das auf dem Gelände der ehemaligen Katharinenzeche, die als letztes Bergwerk bis 1968 in Betrieb war, wieder aufgeschürfte Steinkohleflöz ist das einzige heute noch zugängliche in Bayern. Es eriinnert an historischem Ort an die einstige wirtschaftliche Nutzung der Steinkohle.



Redaktionelle Hinweise:
Weitere Informationen zur ’Stockheimer Steinkohle’ im Internet unter http://www.lfu.bayern.de/

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