PRESSEMITTEILUNG

Nr. 19 / Mittwoch, 30. April 2008

’Bayerns schönste Geotope’
Oberfranken: Geo-Gütesiegel für die Steinachklamm im Frankenwald

Auftakt der Geotop-Prämierungen 2008

Quelle: LfU
(Presseck) +++ Als erstes Geotop im Jahr 2008 wurde heute die Steinachklamm im Landkreis Kulmbach in die Bestenliste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen. „Die sagenumwobene Steinachklamm ist nicht nur ein landschaftliches Kleinod, sondern wegen ihres einzigartigen vulkanischen Gesteins auch ein besonderes Geotop“, sagte Dr. Bernd Matthes, Vizepräsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) bei der Übergabe des Geotop-Gütesiegels an den Forstbetrieb Nordhalben und an die Kommunen Presseck und Stadtsteinach. Als Kulmbacher kennt Matthes die Gegend wie seine Westentasche. Ursache der Engstelle ist der sogenannte „Quarzkeratophyr“, ein sehr hartes Gestein aus dem Erdaltertum, in dem der Fluss nur einen engen, felsigen Durchbruch schaffen konnte: die heutige Steinachklamm. Ein vom LfU herausgegebenes Faltblatt mit dem Titel „Eingeklemmt!“ erläutert die geologischen Besonderheiten und die Entstehung dieses „steinalten Naturschatzes“. +++

Geotope sind bemerkenswerte Werke der Natur, deren Attraktivität es zu erhalten und touristisch sowie naturschutzfachlich zu nutzen gilt. Für jeden Geotop bieten Internet-Informationen und Faltblätter in den Fremdenverkehrsämtern umfassende Erläuterungen. Hinweisschilder an den Wanderwegen leiten die Besucher zu den Naturschätzen und den dortigen Informationstafeln. Einheimische und Touristen haben so die Möglichkeit alles Wissenswerte über die Geologie ’mitzunehmen’. Einschließlich der Steinachklamm wurden bislang insgesamt 63 Objekte mit dem Gütesiegel "Bayerns schönste Geotope" ausgezeichnet, davon 12 in Oberfranken. In die Bestenliste wurden im Frankenwald bereits der Diabasbruch Galgenberg, der Marmorbruch Horwagen, Oertels Dachschieferbruch und der Eklogit am Weissenstein aufgenommen.

Nur wenige „Orte auf der Erdoberfläche“ (Geotope) ermöglichen es, das Wissen über die Entstehung unserer Erde und die Entwicklung des Lebens auf ihr zu gewinnen und zu vermehren. Geotope werden im Freistaat seit 1985 systematisch erfasst. Bisher wurden rund 2.900 vom Geologischen Landesamt (jetzt: Bayerisches Landesamt für Umwelt) detailliert beschrieben und im Geotopkataster Bayern aufgenommen. Weitere Informationen hierzu unter: http://www.geotope.bayern.de. Ein Gremium von Fachleuten des LfU – der obersten Fachbehörde für Geologie, Natur, Wasser und Umwelt – und der Umweltverwaltung wählt die 100 Geotope aus, die in die Bestenliste aufgenommen werden.

Fakten-Kasten zum Geotop ’Steinachklamm’


  • Das tief eingeschnittene Steinachtal, eines der eindrucksvollsten Täler des Frankenwaldes, ist für seinen vielseitigen geologischen Aufbau bekannt. Besonders auffällig ist hier die felsige Engstelle der Steinachklamm.

  • Die Felsen bestehen aus einem besonders harten vulkanischen Gestein. Wo und wann genau der zugehörige Vulkanismus stattfand, ist nicht bekannt. Das liegt daran, dass das Gestein der Steinachklamm ein nur wenige hundert Meter großes, isoliertes Vorkommen darstellt, das rundherum von anderen Gesteinen umgeben ist. Diese Situation kam zustande, als sich während einer Gebirgsbildung vor rund 350 Millionen Jahren bereits Teile des Gebirges heraushoben, während im benachbarten Meeresbecken noch Sedimente abgelagert wurden. Durch das ausgeprägte Relief und tektonische Bewegungen lösten sich Gesteinspakete und glitten in das tiefer liegende Becken, wo sie mit Sedimenten überdeckt wurden. Das Vulkangestein der Steinachklamm ist so eine exotische „Gleitscholle“.

  • In der Erdneuzeit hob sich das Gebiet des Frankenwaldes relativ zu seinem Vorland. Dadurch kam es zu verstärkter Erosion und einem tiefen Einschneiden der Täler. Durch die im Steinachtal liegende Scholle aus sehr hartem Gestein konnte der Fluss nur einen engen, felsigen Durchbruch, die heutige Steinachklamm, schaffen.




Redaktionelle Hinweise:
Weitere Informationen zur ’Steinachklamm’ im Internet unter
Bayerns schönste Geotope

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Bitte folgende Quelle angeben: Bayer. Landesamt für Umwelt.

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