PRESSEMITTEILUNG

Nr. 17 / Freitag, 25. April 2008

Botanischer Artenschutz
Löwenzahn auf der Roten Liste?

Artenhilfsprogramm stützt seltene Löwenzahn-Arten / Kartierer für die Sumpf-Löwenzähne in Mittelfranken unterwegs


"gewöhnlicher" Wiesen-Löwenzahn (Quelle: LfU)
(Augsburg) +++ Den Löwenzahn kennt jeder – und derzeit ist er wirklich unübersehbar: Seit ein paar Tagen färbt er jeden Morgen die Wiesen leuchtend gelb. Dieses Jahr ist das sogar besonders eindrucksvoll, weil durch das kühl-feuchte Wetter der letzten Tage die Blütenköpfe gut entwickelt sind. Millionen schlafender Knospen haben nur noch auf warme Sonnentage gewartet. Anscheinend also eine Allerweltspflanze – aber auf den zweiten Blick wird deutlich, welche Vielfalt sich dahinter verbirgt: Die Löwenzähne sind die artenreichste Gattung in Deutschlands Pflanzenwelt. Allein in Bayern gibt es rund 160 verschiedene Löwenzahn-Arten, darunter die Massenpflanzen der nährstoffreichen Wiesen, aber auch seltenere wie den Bayerischen Löwenzahn. Viele dieser seltenen Arten sind sehr empfindlich gegenüber Veränderungen ihres Lebensraumes. In der Roten Liste findet man daher etliche von ihnen. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat nun dieser Artengruppe ein spezielles Artenhilfsprojekt gewidmet. Als ersten Schritt für Schutzmaßnahmen laufen derzeit Kartierungen von Sumpf-Löwenzähnen, schwerpunktmäßig in Mittelfranken. +++

Löwenzähne sind ökologisch enorm erfolgreich: Sie besiedeln nahezu alle Lebensräume Deutschlands von mageren Sanddünen der Küsten bis hin zu gut gedüngten Wiesen, vom Tiefland bis hin zu den hochalpinen Matten der Bayerischen Alpen. Sogar in den Blumenkübeln der Innenstädte kann man diese vielseitige Gattung finden. Diesen Erfolg macht eine spezielle Eigenschaft möglich: Der Löwenzahn kann sich ungeschlechtlich fortpflanzen – er kann also auch ohne Befruchtung neue Samenstände bilden. So wird eine rasche Evolution und damit eine optimale Anpassung an neue Standorte möglich, weil selbst kleine Mutationen sehr schnell genetisch fixierte Löwenzahn-Populationen bilden. So günstig diese Strategie bei der Anpassung an neue Lebensräume ist, so negativ wirkt sie sich bei Umweltveränderungen aus: Dann verschwinden gerade hoch spezialisierte Arten besonders schnell, da sie mit ihren sehr speziellen ökologischen Ansprüchen kaum Ausweichmöglichkeiten haben. Dies ist zum Beispiel das Problem der Sumpf-Löwenzähne, von denen zwei Arten weltweit nur im nördlichen Alpenraum und im bayerischen Alpenvorland vorkommen, wo sie auf nährstoffarmen, mittelfeuchten und niedrigwüchsigen Wiesen wachsen. Diese Wiesentypen werden heute immer seltener, so dass die beiden Sumpf-Löwenzähne mittlerweile vom Aussterben bedroht sind.

Das LfU hat bereits seit 1991 spezielle Artenhilfsprogramme für stark gefährdete Pflanzen und Endemiten aufgelegt. Dieses Jahr wird ein spezielles Projekt für Löwenzähne gestartet, für das zunächst die Sumpf-Löwenzähne vor allem in Mittelfranken kartiert werden. Die Kartierung der rund 40 Wuchsorte wird voraussichtlich bis Juni abgeschlossen sein. Darauf aufbauend sollen dann gezielte Schutzmaßnahmen erarbeitet werden. Zusätzlich werden Materialproben an der Universität Regensburg genetisch untersucht. Die Fachleute wollen so die Verwandtschaftsverhältnisse klären und unbekannte Arten neu beschreiben. Der Botanische Garten wird zudem Erhaltungszuchten für einzelne besonders bedrohte Arten anlegen. Auch die Botanische Staatssammlung München arbeitet am Projekt mit.

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