PRESSEMITTEILUNG

Nr. 13 / Freitag, 04. April 2008

Naturschutz in Bayern
Schmetterlingsschutz ist Lebensraumschutz

Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt Bayerns – Tagfalter überdurchschnittlich gefährdet – Artenhilfsprogramme müssen bei den Lebensräumen ansetzen / Expertentreffen am Bayerischen Landesamt für Umwelt bereitet Tagfalteratlas vor

Apollofalter bei der Paarung im Projektgebiet des Artenhilfsprogrammes in der Nördlichen Frankenalb, Landkreis Lichtenfels. (Foto: A. Geyer)
Apollofalter bei der Paarung im Projektgebiet des Artenhilfsprogrammes in der Nördlichen Frankenalb, Landkreis Lichtenfels. (Foto: A. Geyer) (Quelle: LfU)
(Augsburg) +++ Schmetterlingsschutz ist Lebensraumschutz – unter diesem Leitmotiv steht das Expertentreffen der Tagfalterspezialisten am Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg. Weil viele der 172 Tagfalterarten im Freistaat ganz spezielle Ansprüche an ihre Biotope stellen, müssen Artenhilfsprogramme gezielt bei den Lebensräumen ansetzen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Biodiversität in Bayern geleistet. Tagfalter zählen zu den überdurchschnittlich gefährdeten Tiergruppen Bayerns: fast zwei Drittel stehen auf der Roten Liste. Positivbeispiele wie das Naturschutzgroßprojekt Murnauer Moos oder das Artenhilfsprogramm Apollofalter zeigen jedoch, dass den schönen „"Sommervögeln“" wirksam geholfen werden kann, wenn genügend über die ausgeklügelte Ökologie der einzelnen Arten bekannt ist. Die Verbreitung der Arten in Bayern haben ehrenamtliche Schmetterlingskundler von der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Entomologen e.V. (ABE) zusammen mit dem LfU genauer unter die Lupe genommen. Bis 2010 soll der erste bayerische Tagfalteratlas erscheinen, dem rund 450.000 Artnachweise zu Grunde liegen. +++

Infokasten Tagfalter

Tagfalter haben sich vor rund 70 Millionen Jahren entwickelt. Mit den Nachtfaltern und den Kleinschmetterlingen gehören sie zur Insektenordnung der Schmetterlinge, die überall auf der Welt vorkommt und damit eine der erfolgreichsten Tiergruppen überhaupt ist. In den letzten Jahrzehnten sind ihre Bestände jedoch empfindlich geschrumpft, weil ihre Lebensräume stark verändert wurden. So sind in jüngerer Vergangenheit zwei weitere Tagfalter-Arten – der Regensburger Gelbling und der Kleine Waldportier – aus Bayern verschwunden.
Tagfalter leben oft sehr spezialisiert. Paradebeispiele dafür sind verschiedene Ameisenbläulinge: So legen bestimmte Ameisenbläulinge ihre Eier ausschließlich an den Blüten von Wiesenknopf oder von Lungenenzian ab. Die Enzianpflanzen müssen gut anfliegbar sein und aus der übrigen Vegetation herausragen. Auch die speziellen Ameisenarten, in deren Nestern sich die älteren Raupen der Schmetterlinge parasitisch von Ameisenbrut ernähren, meiden zu dichte Bestände. Daher kommen für diese Ameisenbläulinge nur extensiv genutzte Wiesen als Lebensräume in Frage, wie es sie im Murnauer Moos besonders großflächig und vielfältig gibt.
Für den Apollofalter erwies es sich als entscheidend, dass er den Weißen Mauerpfeffer als Raupenfutterpflanze benötigt – jedoch nur in der roten Wuchsform, die auf vollsonnigen, flachgründigen Extremstandorten wächst, zum Beispiel auf Felsköpfen oder auf Plattenkalkhalden in Steinbrüchen. Verbuschung und Beschattung zu vermeiden oder ganz zu zu beseitigen, ist daher ein Hauptziel des Artenhilfsprogramms Apollofalter in den Steinbrüchen des südlichen Frankenjura. Dank eines Umweltpaktes zwischen der Steinbruchindustrie und den Naturschutzbehörden konnten die Bestände dieser Art gesichert werden. Das LfU betreut derzeit acht Artenhilfsprogramme für besonders bedrohte Schmetterlingsarten.



An der Expertentagung nehmen rund 60 bayerische Schmetterlingskundler teil. Auf der Tagesordnung steht auch der aktuelle Stand der Arbeiten zum Tagfalteratlas.

Weitere Informationen:
Rote Liste Tagfalter: www.lfu.bayern.de/natur/daten/rote_liste_tiere/doc/tiere/rhopalocera.pdf.

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