PRESSEMITTEILUNG

Nr. 79 / Freitag, 16. November 2007

Vogelschutz
Vom Winde verweht

Sturm weht seltene Seevögel nach Bayern / Wasservogel-Zählung: Ankunft der Wintergäste / Langstreckenflieger überwintern auf Bayern Seen

Quelle: H.-J. Fünfstück
(Augsburg) +++ Seevögel auf Bayerns Seen gesichtet: Arten wie Schmarotzer- und Spatel-Raubmöven, Dreizehenmöven und Mittelsäger bekommt man hier nur gelegentlich zu sehen, auch das Thorshühnchen ist ein seltener Gast. Die Tiere wurden während ihres Fluges aus dem Osten Richtung Nordsee durch den Sturm bis in den Freistaat verdriftet. Auch sonst tut sich einiges auf bayerischen Gewässern, denn Langstreckenflieger wie Reiher- und Tafelenten oder die seltenen Singschwäne kommen jetzt aus ihren skandinavischen und nordosteuropäischen Brutgebieten, um hier zu überwintern. Deshalb schwärmen im Winterhalbjahr engagierte Ornithologen einmal im Monat aus, um die Tiere zu bestimmen und zu zählen – bei Wind und Wetter und ehrenamtlich. Am Wochenende ist es für die 180 Wasservogelzähler in ganz Bayern wieder so weit. Für Bayern organisiert das Landesamt für Umwelt (LfU) die Zählungen und wertet anschließend die Ergebnisse aus. Die Daten fließen ein in ein internationales Monitoring-Programm, mit dem seit 40 Jahren Verbreitung und Häufigkeit von Vogelarten dokumentiert werden. Jährlich rasten bis zu 180.000 Wasservögel auf den 70 untersuchten bayerischen Gewässern. +++

Besonders viele Vögel finden die Vogelkundler regelmäßig an den großen Seen im Voralpenland, an der Fränkischen Seenplatte und an Flüssen. Dabei rasten die Tiere genauso gerne an natürlichen Gewässern wie an Stauseen oder Staustufen: Starnberger See, Ammersee und Chiemsee sind für sie gleichermaßen attraktiv wie der Ismaninger Speichersee nördlich von München oder die Staustufen des Unteren Inns. Sogar Klärteiche werden gerne genutzt. Spätestens jetzt im November steigen die Wasservogelzahlen deutlich an, denn nun treffen die Wintergäste ein. Die Hochsaison reicht dann bis Januar, danach fliegen die ersten Gäste schon wieder Richtung Sommerquartier. Bayerns Seen sind für die durchziehenden Vogelarten wichtige Trittsteine, außerdem sparen sich viele Arten den Flug über die Alpen und überwintern hier. Während der Rastzeiten sind die Tiere sehr empfindlich gegenüber Störungen: Bei einer Flucht verbrauchen sie wertvolle Energie, die ihnen dann für den Rückflug fehlt. Daher wurden für das Winterhalbjahr zum Beispiel am Chiemsee spezielle Ruhezonen eingerichtet, um Störungen möglichst gering zu halten. Wichtige internationale Richtlinien zum Erhalt der Feuchtgebiete sind die Ramsar-Konvention oder das Afrikanisch-Eurasische Wasservogelabkommen für wandernde Wasservogelpopulationen. Auch die jährliche Wasservogel-Inventur ist in ein internationales Netzwerk eingebunden, so dass auch die Vogelzug-Routen und die Entwicklung der Bestände der Arten bestimmt werden können. Darüber hinaus sind die Ergebnisse wesentliche Bewertungsgrundlage für das europäische Naturschutz-Netz Natura 2000.

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