Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG mit Landesfischereiverband Bayern eV.

Nr. 14 / Mittwoch, 05. Oktober 2005

Gewässerpflege
Totholz bringt Leben in Bayerns Bäche und Flüsse

Landesamt-Präsident Göttle: günstige Möglichkeiten zur ökologischen Verbesserung verstärkt nutzen / Landesamt und Landesfischereiverband stellen an der Isar neue Broschüre vor

Totholz bietet Schutz und neue Lebensräume für Fische
Totholz bietet Schutz und neue Lebensräume für Fische (Quelle: LfU)
(München) +++ "Totholz bringt Leben in Bayerns Bäche und Flüsse", sagte der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, Albert Göttle. Er rief heute an der Isar dazu auf, Totholz gezielt zur Verbesserung der ökologischen Qualität zu verwenden. Göttle: "Nur an manchen Stellen ist Totholz bei Hochwasser eine Gefahr für die Sicherheit der Brücken und muss entfernt werden. Wo es gefahrlos möglich ist und der Hochwasserschutz nicht beeinträchtigt wird, sollte Totholz aus ökologischen Gründen im Gewässer bleiben oder sogar extra eingebracht werden." Nach Göttles Worten gehören Pflanzenteile, loses Holz, Wurzeln und Baumstämme zur unverzichtbaren Grundausstattung der Fließgewässer. Denn Totholz verbessert die Struktur der Gewässer und bietet zahlreichen Tieren im Gewässer neue vielfältige Lebensräume. "Totholz wirkt sich günstig auf die Fischbestände aus und bietet außerdem mehr natürlichen Schutz vor Fressfeinden", sagte Eberhard Roese, Präsident des Landesfischereiverbandes Bayern (LfV) bei der Vorstellung der neuen Totholz-Broschüre an der Isar. +++

Untersuchungen des LfV an der Wertach belegen es: Dort hat das Wasserwirtschaftsamt Kempten in begradigten Flussabschnitten durch gezieltes Einbringen den Totholzanteil vervierfacht. Innerhalb weniger Jahre erhöhte sich die Artenvielfalt bei den Fischen, die Zahl der Fische in diesem Abschnitt stieg gar um mehr als das Zehnfache an. Von der Verbesserung der Strukturen im Gewässer profitieren die Bachforellen, aber auch Kleinfischarten wie Elritzen und Mühlkoppen. Viele wirbellose Kleinlebewesen wie Insektenlarven, Schnecken oder Krebstierchen nutzen Totholz als Nahrungsquelle, als Laichplatz und zum Schutz vor der Strömung. Über 40 Arten von Wirbellosen sind eng daran gebunden, weitere 80 Arten werden häufig im Totholz gefunden.

Totholz war früher fester Bestandteil der Flusslandschaften. Die Isar in der Pupplinger Au ist ein Paradebeispiel dafür. Befestigungen und Begradigungen haben jedoch viele Gewässer von ihrer umgebenden Aue abgeschnitten und dadurch die Nachlieferung von Totholz unterbunden. Inzwischen wird bei Renaturierungen der Gewässer auch auf Totholz gesetzt. Bäume und Äste im Gewässer gelten nicht mehr nur als Hindernis für den Wasserabfluss, das geräumt werden muss, oder als "unordentlich". Denn mit Totholz können zum Beispiel Uferanbrüche gesichert werden oder die Eigenentwicklungen der Bäche gefördert werden. Im Gewässer verankerte Raubäume, Buhnen aus Fichtenwipfeln oder geflochtene Bündel aus Weidenruten haben zudem einen weiteren Vorteil: sie sind schnell auszuführen und konkurrenzlos günstig. Weit weniger als die Hälfte kostet es, wenn im naturnahen Wasserbau das Totholz an Stelle herkömmlicher Materialien verwendet wird. 20 erfolgreiche Fallbeispiele zeigt die neu erschienene Broschüre. Die Palette reicht von alpinen Flüssen wie der Isar, Ammer, Mangfall, Iller und Wertach bis zum oberfränkischen Main. Auch kleinere Gewässer wie die schwäbische Paar oder die mittelfränkische Pegnitz sind durch Totholz neu belebt worden.



Redaktionelle Hinweise:
Die Broschüre "Totholz bringt Leben in Flüsse und Bäche" kann kostenlos bezogen werden beim Bayerischen Landesamt für Umwelt, Lazarettstr. 67, 80636 München, oder beim Landesfischereiverband Bayern e.V., Pechdellerstr. 16, 81545 München.

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