PRESSEMITTEILUNG

Nr. 45 / Freitag, 13. Juli 2007

’Bayerns schönste Geotope’
Höhlenerlebnis ohne Taschenlampe: Geo-Gütesiegel für die ’Höhlenruine Riesenburg’ in der Fränkischen Schweiz

Regierungspräsident Wenning bei Festakt: ’Höhlenruine Riesenburg’ ab sofort in Bayerns Bestenliste der 100 schönsten Geotope

Quelle: LfU
(Markt Wiesenttal) +++ Oberfrankens Regierungspräsident Wilhelm Wenning hat heute im Namen des bayerischen Umweltministers Werner Schnappauf das Gütesiegel "Bayerns Schönste Geotope" an die Höhlenruine Riesenburg in der Fränkischen Schweiz verliehen. "Geotope wie die Riesenburg eignen sich besonders, um die oft unterschätzten Zusammenhänge zwischen unserem Alltag und den seit Millionen Jahren ablaufenden Prozessen der Erdgeschichte darzustellen" sagte Wenning beim heutigen Festakt in Markt Wiesenttal. Die Felsbögen der Höhlenruine seien nicht nur ein einzigartiges Naturschauspiel, das jeden Besucher beeindrucke. Als Geotop sei die Riesenburg auch ein Monument der Erdgeschichte, so Wenning. "Geotope sind natürliche Archive und Labore, die uns helfen, durch die Kenntnis der Vergangenheit die Gegenwart zu verstehen und zukünftige Ereignisse besser einzuordnen. Nun gehört die Riesenburg offiziell zu den 100 bedeutendsten geologischen Naturwundern Bayerns", erklärte Oberfrankens Regierungspräsident. Die Naturbrücken und Felsen der Riesenburg sind Überreste eines eingestürzten Höhlendaches. Sie zeugen von der starken Verkarstung der Fränkischen Schweiz. Hier kann der Besucher einen Einblick in den unterirdischen Karst gewinnen, der sonst kaum möglich ist. So wird klar, warum das Grundwasser hier besonders gut geschützt werden muss: eine Filterung und Selbstreinigung findet in den großvolumigen Höhlensystemen kaum statt. Mit der Riesenburg haben die Experten vom Bayerischen Landesamt für Umwelt zum elften Mal ein oberfränkisches Geotop für das Prädikat ausgewählt. +++

Die wildromantische Szenerie der Riesenburg erregte schon früh das Interesse der Menschen. Sie wurde schon Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem Ausflugsziel, das unter anderem König Ludwig I. besuchte. Damals wurde die Riesenburg von einem Grafen gekauft, der die vorher kahlen Hänge aufforsten ließ, um die romantische Wirkung der Felsen zu erhöhen. Heute sind die Hänge in der Region dagegen fast durchwegs bewaldet und Felsen wie die Riesenburg müssen gezielt freigestellt werden, um Besucher darauf aufmerksam zu machen.

Ein Gremium von Fachleuten des Bayerischen Landesamts für Umwelt und der Umweltverwaltung wählte die Geotope aus, die in die Bestenliste aufgenommen wurden. Für jeden Geotop bieten Internet-Informationen und Faltblätter in den Fremdenverkehrsämtern umfassende Erläuterungen. Hinweisschilder an den Wanderwegen leiten die Besucher zu den Naturschätzen und den dortigen Informationstafeln. Geotope werden im Freistaat seit 1985 systematisch erfasst. Bisher wurden rund 2.800 vom Geologischen Landesamt (jetzt: Bayerisches Landesamt für Umwelt) detailliert beschrieben und in den GEOTOPKATASTER BAYERN aufgenommen. Weitere Informationen hierzu unter: http://www.geotope.bayern.de.

Info-Kasten zur Entstehung der Riesenburg

Vor 150 Millionen Jahren erstreckte sich in Süddeutschland ein warmes Flachmeer. In diesem gediehen unter tropischen Klimabedingungen zahlreiche kalkabscheidende Tiere und Algen, deren Überreste sich am Meeresboden ansammelten und verfestigten. Im Laufe von Jahrmillionen entstanden auf diese Weise mächtige Kalk- und Dolomitgesteine, die heute die Frankenalb prägen. Nach dem Ende der Jurazeit zog sich das Meer zurück, die Gesteine waren nun der Verwitterung ausgesetzt. Das Regenwasser begann das Kalkgestein aufzulösen. Zunächst haarfeine Klüfte wurden so erweitert – immer mehr Wasser konnte immer tiefer in das Gestein eindringen. Letztendlich entstand so ein unterirdisches Gewässernetz, während sich an der Oberfläche ein wasserarmes Karstgebiet ausbreitete. Nachdem nun die Höhle entstanden war, stieß das Meer erneut über das Gebiet vor und die Hohlräume wurden fast vollständig mit jüngeren Sedimenten verfüllt. Fast 100 Millionen Jahre lang blieb die Höhle verborgen, bis sich in der jüngsten Erdgeschichte das Wiesenttal bildete. Der Fluss räumte die talnahen Teile der Hohlraumfüllung wieder aus, das Höhlendach wurde instabil und stürzte teilweise ein. Die vorhandenen Bögen stellen die Relikte des Höhlendaches dar.



Redaktionelle Hinweise:
Weitere Informationen zur Höhlenruine Riesenburg im Internet unter
www.lfu.bayern.de

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