PRESSEMITTEILUNG

Nr. 42 / Dienstag, 03. Juli 2007

’Bayerns schönste Geotope’
"Aufschluss-Reich!": Umweltministerium nimmt oberfränkische ’Bodenmühlwand’ in Bestenliste der 100 schönsten Geotope auf

Quelle: LfU
(Bayreuth) +++ Die ’Bodenmühlwand’ (südöstlich der Stadt Bayreuth) wurde heute vom Bayerischen Umweltministerium in die Bestenliste der 100 schönsten Geotope Bayerns aufgenommen. "Bei der Bodenmühle am Roten Main befindet sich einer der wenigen natürlichen Aufschlüsse von Gesteinen der Keuper-Zeit in Nordostbayern. Er gilt seit langer Zeit als wichtiges Dokument für die Erforschung der Gesteins-ablagerungen und damit zur Rekonstruktion der damaligen klimatischen Verhältnisse", sagte Ministerialrätin Christina von Seckendorff bei der Übergabe des Geotop-Gütesiegels an die Stadt Bayreuth. Geotope sind bemerkenswerte Werke der Natur, deren Attraktivität es zu erhalten und touristisch sowie naturschutzfachlich zu nutzen gilt. Für jeden Geotop bieten Internet-Informationen und Faltblätter in den Fremdenverkehrsämtern umfassende Erläuterungen. Hinweisschilder an den Wanderwegen leiten die Besucher zu den Naturschätzen und den dortigen Informationstafeln. "Einheimische und Touristen haben so die Möglichkeit alles Wissenswerte über die Geologie unserer steinalten Naturschätze ’mitzunehmen’ ", so von Seckendorff. Einschließlich der Bodenmühlwand wurden bislang insgesamt 54 Objekte mit dem Gütesiegel "Bayerns schönste Geotope" ausgezeichnet, davon zehn in Oberfranken. In die Bestenliste wurden in Oberfranken bereits der Diabasbruch am Galgenberg, der Marmorsteinbruch Horwagen, Oertels Dachschieferbruch, das Felsenlabyrinth Luisenburg, die Felsburg Tüchersfeld, der Eklogit am Weißenstein, die Steinerne Frau am Walberla, der Große Lochstein und die Drei-Brüder-Felsen aufgenommen. +++


Geotope werden im Freistaat seit 1985 systematisch erfasst. Bisher wurden rund 2.800 vom Geologischen Landesamt (jetzt: Bayerisches Landesamt für Umwelt, LfU) detailliert beschrieben und im GEOTOPKATASTER BAYERN aufgenommen. Weitere Informationen hierzu unter: www.geotope.bayern.de Ein Gremium von Fachleuten des LfU – der obersten Fachbehörde für Geologie, Natur, Wasser und Umwelt - und der Umweltverwaltung wählt die 100 Geotope aus, die in die Bestenliste aufgenommen werden.

Fakten-Kasten zum Geotop ’Bodenmühlwand’

  • Als sich das Muschelkalkmeer vor etwa 235 Millionen Jahren aus dem fränkischen Raum zurückgezogen hatte entstand die flache, küstennahe Landschaft der Keuperzeit. Sie war gekennzeichnet vom häufigen Wechsel der Einflüsse von Meer und Land. Aus den umliegenden Gebieten eingetragene Feinsedimente führten zur Bildung der mächtigen Tonsteinlagen der Estherienschichten. Später hob sich das Gebiet und wurde durch den von Flüssen abgelagerten Schilfsandstein überdeckt. In der Bodenmühlwand sind beide Gesteinsschichten aufgeschlossen.
  • Durch die Erosion des Roten Mains entstand später an der Außenseite einer Flussschleife der 30 Meter hohe Prallhang der Bodenmühlwand. Er gilt seit langem als wichtiges Forschungsobjekt und hat auch heute seine Bedeutung nicht verloren, denn bei jedem Hochwasser werden frische Schichtanschnitte freigelegt, die ihre Geheimnisse preisgeben.
  • In einem Faltblatt mit dem Titel "Aufschluss-Reich !" stellen die Geologen vom Landesamt für Umwelt die erdgeschichtliche Entwicklung der Bodenmühlwand dar. Denn die Bodenmühlwand ist nicht nur wegen der Gesteinsschichten, sondern vor allem wegen ihres besonderen Fossilreichtums bekannt. Man findet dort die für die Estherienschichten namensgebenden Muschelkrebse sowie zahlreiche Abdrücke von Muscheln. Darüber hinaus wurden Reste von Quastenflossern und urtümlichen Haien entdeckt. Als Besonderheit konnte ein Exemplar des frühen Sauriers Nothosaurus geborgen werden. Einige Horizonte enthalten auch besondere Mineralien.



Redaktionelle Hinweise:
Weitere Informationen zur Bodenmühlwand im Internet unter
www.geologie.bayern.de/geotope/geotopeBayernsSchoenste/55.html

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