PRESSEMITTEILUNG

Nr. 19 / Montag, 11. Mai 2015

Natur
Sandmagerrasen für Silberscharte und Großen Knorpellatich – wertvolle Biotope im Landkreis Kitzingen erfasst

LfU auf der Spur von Knoblauchskröte, Steppengrashüpfer und Co.

Extensivwiese mit Streuobst
Extensivwiese mit Streuobst (Quelle: LfU)
+++ Die zweite Biotopkartierung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) im Landkreis Kitzingen ist abgeschlossen. In den Jahren 2012 bis 2014 hat das LfU in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Kitzingen systematisch die Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen erhoben. Neben hochwertigen, blütenreichen Trockenrasen, extensiv bewirtschafteten Streuobstbeständen oder naturnahen Heckenkomplexen wurden zahlreiche weitere Naturschätze von teils bayernweiter Einzigartigkeit im Weinlandkreis dokumentiert. Das Ergebnis: auf rund 3,1 Prozent der Landkreisfläche wurden knapp 1.200 Biotope mit einer Fläche von insgesamt über 2.000 Hektar erfasst. Im Anschluss an die Biotopkartierung gilt es, die im Landkreis lebenden Tiergruppen, wie Amphibien, Libellen und Tagfalter zu erfassen. Ziel der ergänzenden Naturschutzfachkartierung ist, die Verbreitung und den Bestand seltener und gefährdeter Tierarten im Landkreis zu ermitteln. LfU-Präsident Claus Kumutat bittet private Grundstücksbesitzer dabei um Mithilfe: "Unterstützen Sie die Kartierer bei ihrer Arbeit und gewähren Sie ihnen Zutritt zu Ihren Grundstücken." Die Ergebnisse der Kartierarbeiten sind eine wichtige Arbeitsgrundlage für Naturschutzbehörden, Planungsbüros und Wissenschaftler, etwa für die Erarbeitung von Landschafts- und Grünordnungsplänen oder im Vertragsnaturschutz. +++

Die Erfassung der naturnahen Lebensräume im Landkreis erfolgte zum zweiten Mal, nachdem die erste Biotopkartierung rund 25 Jahre zurückliegt. Das Bayerische Umweltministerium stellte rund 125.000 Euro für die Biotopkartierung zur Verfügung. Die Geländearbeiten wurden von einem Fachbüro aus Bad Tölz durchgeführt.
Vor allem entlang des Mains sowie in den vielen zum Teil eingetieften und reliefreicheren Bach- und Trockentälern und deren Talhängen wurden die Kartierer fündig – so etwa im Breitbachtal mit seinen Nebenbächen im Süden des Landkreises, wo eine Vielzahl von kleinflächigen Gehölz- und Wiesen-Biotopen strukturreiche Lebensräume bilden. Einen besonderen Beitrag zur Artenvielfalt leisten die trockenen Sandmagerrasen auf den Flugsandstandorten eiszeitlichen Ursprungs. Mit nur etwa einem Prozent nehmen sie zwar nur einen geringen Anteil der Biotope im Landkreis ein, haben aber in Kitzingen ihren bundesweiten Verbreitungsschwerpunkt. Für viele teilweise stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten wie Sand-Silberscharte, Großer Knorpellattich, Nördliches Mannsschild oder Blauflügelige Ödlandschrecke stellen sie in Bayern einzigartige Lebensräume dar.

In Ergänzung zur Biotopkartierung hat die Naturschutzfachkartierung einen zoologischen Schwerpunkt. Sie erfolgt nicht flächendeckend, sondern untersucht eine Auswahl an bedeutenden Lebensräumen für standorttypische Arten wie z. B Knoblauchskröte, Steppengrashüpfer oder Magerrasen-Perlmuttfalter. Die Arbeiten dauern rund zwei Jahre, die Ergebnisse werden voraussichtlich ab Mitte des Jahres 2017 in der landesweiten Datenbank der Artenschutzkartierung zentral zur Verfügung gestellt. Der Freistaat Bayern stellt für die Arbeiten rund 125.000 Euro zur Verfügung. Die Geländearbeiten werden von einem Fachbüro aus Odelzhausen durchgeführt.

Weitere Informationen:
Die Ergebnisse der Biotopkartierung können über das Fachinformationssystem Naturschutz im Internet (FIN-Web)
eingesehen oder
heruntergeladen werden.

Als Ansprechpartner vor Ort steht auch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Kitzingen zur Verfügung.

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