PRESSEMITTEILUNG

Nr. 42 / Montag, 17. November 2014

Naturschutz
Vom Watzmann bis ins Surtal: Arten- und Biotopschutzprogramm für Naturschätze im Landkreis Berchtesgadener Land fertiggestellt

+++ Über 27.000 Einzelnachweise von knapp 2.500 Tier- und Pflanzenarten und mehr als 4.400 Biotopflächen mit einer Gesamtfläche von insgesamt rund 28.000 Hektar haben Fachleute im Auftrag des Landesamtes für Umwelt (LfU) in den letzten Jahren erfasst und bewertet. Sie bilden die Fachgrundlagen für den neuen Band des Arten- und Biotopschutzprogrammes (ABSP). "Wertvollste Lebensräume sind im Landkreis Berchtesgadener Land noch erhalten", betonte Ines Langensiepen, Leiterin der Referates "Fachgrundlagen Naturschutz" am LfU, heute bei der Übergabe im Landratsamt in Bad Reichenhall. Die fachlichen Leitlinien des ABSP bilden eine wesentliche Datengrundlage und Planungshilfe für die Naturschutzbehörden, Gemeinden und Verbände im Landkreis und sind wichtiger Baustein der Bayerischen Biodiversitätsstrategie. Was muss getan werden, um die Artenvielfalt zu erhalten? Für welche Tier- oder Pflanzenarten ist der Landkreis in besonderem Maße verantwortlich? Welche Gebiete sind besonders schützenswert? Zu diesen und ähnlichen Fragen liefert das Arten- und Biotopschutzprogramm konkrete Antworten. "Es ist das zentrale Nachschlagewerk für den Naturschutz im Landkreis" so Langensiepen. +++

Von landesweit herausragender Bedeutung für den Naturschutz sind die Berchtesgadener Alpen mit ihren Gebirgsstöcken und alpinen Hochlagen. Die ungestörten Felsbereiche des Hochkalter, Watzmann oder dem Steinernem Meer sowie die extensiv genutzten Almen sind Lebensraum für seltene Felsbrüter und bieten eine beeindruckende floristische Artenvielfalt. In den Chiemgauer Alpen bildet der Verbund an Trockenlebensräumen mit den wärmeliebenden Buchenwäldern, den basenreichen Kiefernwäldern einen wertvollen Lebensraum etwa für Rauhfußhühner wie Auerhuhn, Hasel- und Birkhuhn. Auch das Haarmoos im Flachland mit seinen Wiesenbrüterbeständen oder der Streuwiesenkomplex im Surtal sind von hohem naturschutzfachlichem Wert. Deren Streuwiesen und Hangquellmoore beherbergen eine Vielzahl äußerst seltener und bedrohter Pflanzen- und Tierarten wie z.B. Preußisches Laserkraut, Kleines und Fleischfarbenes Knabenkraut, Spatelblättriges Greiskraut oder Blaukernauge und Heller Ameisenbläuling.

Der neue Band des Landkreises Berchtesgadener Land wurde unter Beteiligung der Naturschutzfachleute des Landratsamtes von einem Münchener Planungsbüro erarbeitet. Auch die Erkenntnisse ehrenamtlich tätiger Gebietskenner sind eingeflossen. Das Bayerische Umweltministerium hat für die Kartierungsarbeiten und das neue Programm Mittel in Höhe von rund 450.000 Euro bereitgestellt.
Der neue Landkreisband einschließlich der Texte, der Karten sowie einem Anwenderprogramm steht als Download zur Verfügung unter
www.lfu.bayern.de.

Faktenkasten Arten- und Biotopschutzprogramm

  • Das Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) ist ein Fachkonzept des Naturschutzes. Es analysiert und bewertet auf der Grundlage der Biotopkartierung und der Artenschutzkartierung alle Flächen, die für den Naturschutz wichtig und erhaltenswert sind und leitet aus den Ergebnissen Ziele und Maßnahmenvorschläge ab, die im Sinne der bayerischen Biodiversitätsstrategie zum Erhalt und zur Entwicklung der Artenvielfalt, Lebensraumvielfalt und Erholungsqualität beitragen. Das ABSP wird seit über 20 Jahren für die Landkreise erarbeitet und angewendet, das LfU koordiniert die Arbeiten. Sie werden in ganz Bayern nach einem einheitlichen Standard von freien Planungsbüros und Spezialisten im Auftrag des LfU durchgeführt.
  • Biotope sind Lebensräume für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Sie sind zudem für den Naturhaushalt und den Menschen von besonderer Bedeutung. In der Biotopkartierung werden die für den Naturschutz wichtigen Flächen und die dort wachsenden Pflanzen im Gelände erfasst.
  • Die Artenschutzkartierung erfasst die Fundorte und Lebensräume seltener Tierarten und speichert diese in einer landesweiten Datenbank.
  • Die Ergebnisse des ABSP sind wichtige Grundlagen für Naturschutzbehörden und Kommunen, zum Beispiel bei der Erarbeitung von Landschafts- und Grünordnungsplänen oder im Vertragsnaturschutz. Auch Planungsbüros und wissenschaftliche Einrichtungen nutzen die Daten.
  • Zum Erhalt und zur Förderung besonders schutzwürdiger Gebiete gibt es in ganz Bayern über 388 BayernNetz Natur-Projekte. Nähere Informationen unter www.stmuv.bayern.de

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